Ohne diese Menschen läuft nichts

Die wahren Helden der Corona-Krise

17. März 2020 - 15:06 Uhr

Von Dirk Emmerich

Die Chefetage ist im Homeoffice, das ist gut und richtig so. Aber Kassierer, Krankenpfleger, LKW-Fahrer arbeiten ganz normal weiter und halten das öffentliche Leben aufrecht. Sie sind die wahren Helden der Corona-Krise.

RKI: Aktuelle Gefährdungslage durch Corona ist hoch

Am Vormittag hat das Robert-Koch-Institut die akute Gefährdungslage für die Bevölkerung durch das Coronavirus neu bewertet, das Risiko wird nun aktuell als "hoch" eingestuft. RKI-Präsident Lothar Wiener begründet das mit einem starken Anstieg der Infektionen und der großen Dynamik der Pandemie. Zudem gebe es immer mehr Fälle, die nicht mehr auf bekannte Fälle zurückgeführt werden könnten.

Das öffentliche Leben ist auf ein absolutes Mindestmaß heruntergeschraubt worden, die Versorgung muss gesichert bleiben. Das gab es so noch nie. Die Herausforderung ist groß.

Pfleger, Lagerarbeiter, Kassierer - im Moment das Rückrat der Gesellschaft

Coronavirus
Aber Krankenschwestern, Kassierer, Bankangestellte, LKW-Fahrer, Lagerarbeiter, die das Rückgrat dieser Unternehmen sind, arbeiten weiter.
© deutsche presse agentur

Krankenhäuser, Supermärkte, Apotheken, Tankstellen, Banken - sie und andere arbeiten wie gewohnt. Vorerst jedenfalls. Die Chefetage und die Verwaltungen sind seit Wochenbeginn größtenteils im Home-Office, und das ist gut und richtig so. Aber Krankenschwestern, Kassierer, Bankangestellte, LKW-Fahrer, Lagerarbeiter, die das Rückgrat dieser Unternehmen sind, arbeiten weiter. Und das trotz Corona. Auch unter Beachtung aller Empfehlungen und Sicherheitsvorschriften, die seit letzter Woche und in noch schärferem Maße seit gestern gelten, sind sie einem größeren Risiko ausgesetzt als der Großteil der Bevölkerung. Sie müssen mitansehen, wie Hamsterkäufer die Ware ohne Handschuhe betatschen und noch schimpfen, wenn das Klopapier alle ist.

Sie werden oft nicht mal gut bezahlt

Sie machen das, obwohl ihre Jobs zum Teil nicht einmal gut bezahlt sind. Sie alle können nicht ins Home-Office. Sie sind die wahren Helden dieser Tage.

Doch was für Supermärkte noch gilt, wird für den Kiosk um die Ecke oder den Buchladen schon zu einem Problem. Sie müssen schließen. Zwar bietet der Staat die Möglichkeit einer Unterstützung von Kurzarbeit an, doch wenn diese Krise anhält und sich bis weit in den nächsten Monat hineinzieht, worauf im Moment alles hindeutet, droht ihnen am Ende der Bankrott.

Ohne LKW-Fahrer läuft nichts

Auf andere Branchen kommt größere Verantwortung zu. Das gilt insbesondere für LKW-Fahrer, denn ohne eine funktionierende Logistik läuft nichts. Auf dem Portal "Eurotransport" berichten Fahrer, dass sie zwar überall dort, wo sie hinkommen, Handschuhe und Mundschutz tragen müssen, im Lager selbst dann allerdings auf Mitarbeiter treffen, für die diese Regel offenbar nicht gilt. Wegen der Engpässe in Supermärkten bestellen viele inzwischen Klopapier auch über Versandketten. Und sie müssen womöglich in den nächsten Tagen noch flexibler und mit höherer Arbeitsbelastung rechnen, da das Sonntags-Fahrverbot gelockert werden könnte.

Bestatter gehören auf die Liste systemrelevanter Berufe

Und es melden sich erste Branchen, die bei der Einstufung als "systemrelevant" vergessen worden seien. So erklärt der Vorsitzende des Bestatterverbandes Bayern, Ralf Michal: "Wir müssen unbedingt in die Liste der systemkritischen Berufe aufgenommen werden." Michal sagt auch: "Wir rechnen mit einem Anstieg der Sterbefälle über das normale Maß hinaus." Pro Monat sterben alleine in Bayern im Durchschnitt 11.250 Menschen. Es sei im Moment auch für Bestatter schwer, Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe zu bekommen. "Egal, wo wir hingehen, wir bekommen keine Schutzausrüstung mehr", sagte Michal. "Aber die brauchen wir. Das ist wirklich ein Problem. Wir müssen mit auf die Versorgungsliste."

Wir alle sind gefragt in dieser Zeit. Solidarität und gegenseitiges Verständnis. Und tiefen Respekt für diese wahren Helden der Corona-Krise.