Frühstart spezial mit Ruth Muckle von der Lebenshilfe NRW

Die vergessene Risikogruppe: Menschen mit Behinderung

03. April 2020 - 9:18 Uhr

von Nina Lammers

Viele Menschen mit Behinderung gehören zur Risikogruppe. Seit der Coronakrise ist für sie nichts mehr, wie es frührer war. Ruth Muckle ist Leiterin einer Wohngruppe in Köln. Von ihren 24 Bewohnern, wurden 14 positiv auf das Coronavirus getestet. Eine 49-jährige Bewohnerin starb an den Folgen der Covid 19 Infektion.

Im Video berichtet die Wohngruppenleiterin, wie die Menschen mit Behinderung, von denen einige nur sehr schwer begreifen können, wie gefährlich das Virus für sie ist, jetzt leben.

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"Da ist ganz viel Einsamkeit und Traurigkeit. Und das müssen wir gerade zusammen aushalten."

Seitdem der erste positive Fall bestätigt wurde, dürfen die Bewohner ihre Zimmer nicht mehr verlassen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Infizierten die Nichtinfizierten anstecken: Wegen ihrer geistigen Behinderung, können sich nicht alle an die neuen Hygieneregeln halten.

Besonders das Kontaktverbot zu den Eltern, zu denen viele geistig behinderte Menschen ein sehr enges Verhältnis haben, führt zu herzzerreißenden Momenten. "Es gibt viele, die auch mal weinen und sagen: Ich möchte aber jetzt zu meiner Mama, die braucht mich!", so Muckle, "Wir sind dann in der Situation, dass wir denjenigen noch nicht mal in den Arm nehmen können, um ihn zu trösten."

Welcher Weg führt am schnellsten aus der Krise? Wie können wir das Corona-Virus bekämpfen? Damit beschäftigt sich der zweite Teil der TV NOW-Dokumentation "Stunde Null – Wettlauf mit dem Virus".

Zehn Masken für zwölf Mitarbeiter und 24 Bewohner

Bundesweit leben 230.000 Menschen mit geistiger Behinderung in Wohngruppen. Viele dieser Einrichtungen dürften von der Coronakrise ähnlich überrannt worden sein, wie die von Ruth Muckle. Als das Virus in ihrer Gruppe diagnostiziert wurde, gab es zehn FFP2-Masken für 12 Mitarbeiter und 24 Bewohner. "Das war eine Katastrophe und es hat eine Riesenanstrengung bedeutet für den gesamten Träger, das irgendwie zu organisieren, an Schutzmaterial zu kommen", sagt Ruth Muckle. Es dauerte Tage, bis ausreichend Masken, Kittel und Füßlinge vorhanden waren.

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Menschen mit Behinderungen wurden bei vielen Planungen vergessen

"Zu Beginn der Coronakrise in Deutschland sind Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen mal wieder in vielen Planungen vergessen worden", sagt Philipp Peters von der Lebenshilfe NRW, die die Einrichtung von Ruth Muckle betreibt. Erst seitdem die Verbände lautstark auf sich aufmerksam machten, stelle sich langsam eine Verbesserung ein, so Peters: "Wir hoffen nun endlich fest im Blickfeld von Politik und Behörden angekommen zu sein." Das hofft auch Ruth Muckle. Denn nur so haben sie und ihr Team die Chance, die Menschen aus ihrer Wohngruppe vor dem Virus zu schützen.