RTL-Reporterin begleitet exklusiv schwarze Miliz

"Die USA sind nur Sekunden von einem Rassenkrieg entfernt"

12. Oktober 2020 - 15:19 Uhr

von Hanna Klouth

Sie sind schwer bewaffnet und wollen Gerechtigkeit: die NFAC "Not fucking around coalition". Vor ein paar Monaten tauchte die schwarze Miliz das erste Mal bei Protesten in Louisville auf. Unsere Reporterin Hanna Klouth hat sie exklusiv begleitet. Die Reportage sehen Sie im Video.

"Nur Sekunden von Rassenkrieg entfernt"

"Unter keinen Umständen richtet ihr eure Waffe auf jemanden, aber richten sie die Waffe auf euch, was tut ihr?" Ruft Grand Master Jay seiner Formation von der Ladefläche eines Pick-ups zu. "Sie töten" brüllt seine Miliz zurück. Es sind die letzten Anweisungen die der Anführer der NFAC, seinen Kriegern, wie er sie selber nennt, gibt. NFAC steht für "Not Fucking Around Coalition", also "Wir meinen es Ernst-Koalition" - und wie ernst sie es meinen, zeigen ihre Waffen.

"Die NFAC ist eine Antwort, nicht der Ursprung, wir spiegeln unsere Umwelt wider.", erzählt mir der Anführer der NFAC. Wir treffen ihn exklusiv als erstes deutsches Presseteam zu einem Interview. Es geht um Rassismus, Unterdrückung der Schwarzen in diesem Land. Deswegen bilden sie eine fast schon militärische Einheit und grenzen sich entschieden von der Black Lives Matter-Bewegung ab. Den Zustand im Land momentan bezeichnet Grand Master Jay in unserem Interview als erbärmlich. "Wir sind rückwärts gegangen, zurück in die 60iger. Die USA sind nur Sekunden von einem Rassenkrieg entfernt, den Weiße nicht zugeben wollen.", sagt er.

Mehr Waffen als Einwohner in den USA

Die NFAC bezeichnet sich selbst nicht als Protestler, sie sind eine schwarze Miliz. Eine Miliz, die eine Bewegung unterstützt - schwer bewaffnet und zu allem bereit. Diesen Eindruck bekommen auch wir, als wir mit der Miliz unterwegs sind.
Die NFAC bezeichnet sich selbst nicht als Protestler, sie sind eine schwarze Miliz. Eine Miliz, die eine Bewegung unterstützt - schwer bewaffnet und zu allem bereit. Diesen Eindruck bekommen auch wir, als wir mit der Miliz unterwegs sind.
© RTL

Wir stehen inmitten von mehr als 400 schwer bewaffneten Mitgliedern der Miliz. Mitten in einer Kleinstadt in Louisiana, einem Staat im Süden der USA, indem es erlaubt ist, offen seine Waffe zu tragen. Hier plant die NFAC ihren Aufmarsch. Die Mitglieder der Gruppe kommen von überall her, aus den unterschiedlichsten Staaten. Manche von ihnen sind Veteranen, andere Unternehmer - einfach aus allen Bereichen des Lebens, erzählt Grand Master Jay.

Nach Schätzungen gibt es 500 Milizen in den USA - vor allem jedoch weiße. Viele am rechten Rand, Unterstützer der so genannten "White Supremacy", also der Weißen Vorherrschaft. Glauben, dass Weiße allen anderen Ethnien überlegen sind und diese dominieren sollten. Die NFAC stellt quasi einen Gegenpart dazu dar. Ein radikaler, bewaffneter Flügel auf Seiten der Schwarzen in Amerika.

Milizen gab es immer in den USA. Doch vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Eine schwer berechenbare Dynamik, abhängig von drei Faktoren:

  • Wachsendes Misstrauen gegen den Staat
  • die Ausdehnung der Milizbewegung von Randgruppen in die Breite der Gesellschaft
  • der allgemeine Zugang zu Waffen.

Mittlerweile sind mehr als 400 Millionen Waffen im Land im Umlauf – das bedeutet: es gibt in den USA mehr Waffen als Einwohner.  Und so wächst die Sorge, was passiert wenn bewaffnete Gruppen aufeinander treffen. Vor allem nach der Präsidentschaftswahl im November.

Die USA - ein extrem zerrissenes Land

Bislang waren alle Auftritte der NFAC friedlich, keine Festnahmen, keine Straftaten in der Gruppe. Trotzdem ist die Kritik an einer solchen Formation groß. Und deswegen will ich in unserem Interview wissen, warum Grand Master Jay es für notwendig hält, bei ihren Auftritten, Waffen zu tragen.

"Es ist Gesetz, du kannst eine Waffe haben.", sagt er, "Menschen sollten sich nicht darauf fokussieren, wer die Waffe trägt. Schwarze wurden so sozialisiert, dass die Kombination Schwarz und Waffe etwas Negatives ist. Die Waffen sind da, um uns selbst zu verteidigen, sie sind da, weil jeder andere sie auch hat"

Die Tatsache, dass sich Privatpersonen bewaffnen und die Dinge selbst in die Hand nehmen wollen, oder gar eine, dem Militär ähnliche Struktur bilden, dass mehr als 400 Menschen schwer bewaffnet durch die Straßen einer Kleinstadt ziehen - all das: Ein Symbolbild dafür, wie zerrissen dieses Land wirklich ist.

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