Die Stimmung ist aufgeladen: Polizei räumt weiteres G20-Protestcamp in Hamburg

05. Juli 2017 - 14:22 Uhr

Beamte mussten im Zehn-Minuten-Takt ausrücken

Kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg spitzt sich die Stimmung in der Hafenmetropole immer mehr zu. Die Polizei räumte auf einer Grünfläche im Stadtteil Altona mehrere Zelte weg, in denen zum Teil noch Demonstranten saßen. Hunderte protestierten gegen die Räumung. Die Beamten mussten fast im Zehn-Minuten-Takt ausrücken.

"Das ist schon eine extreme Militanz"

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) erklärte das entschlossene Vorgehen der Beamten: Es gebe zwar viele, die friedlich campen wollten. "Aber wir können sie nicht von potenziellen Gewalttätern trennen." Was die Beamten bei manchen der Demonstranten sicherstellten, gibt ihm Recht. Im Video sehen Sie, womit sich einige gewaltbereite G20-Gegner ausgestattet haben und welche Wirkung diese selbstgebauten Waffen haben. "Das ist schon eine extreme Militanz. Und wir wissen nicht, wie viel noch davon in Vorbereitung ist", erklärte der Hamburger Polizeipräsident Martin Meyer.

"Massenproblem" auf dem Neuen Pferdemarkt

Polizeieinsatz am Neuen Pferdemarkt
Die Polizei rückte am Neuen Pferdemarkt mit einem Großaufgebot gegen die Demonstranten vor.
© imago/xim.gs, xim.gs, imago stock&people

Doch nicht nur in Altona wurde die Polizei auf Trab gehalten. Überall in der Stadt gab es spontane Demonstrationen mit Musik und Getränken. Vor allem ein Menschenauflauf am Neuen Pferdemarkt wurde für die Polizei zum "Massenproblem", wie ein Polizeisprecher erklärte. Am späten Abend begannen die Beamten mit dem Räumen der Straße. Eine Person, die mit einer Flasche geworfen hatte, wurde festgenommen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und Wasserwerfern vor Ort.

Die Aktivisten ließen ihrerseits keinen Zweifel daran, dass sie in der Hansestadt zelten wollen. Sie hatten gedroht, "Parks, Plätze, Flächen und Knotenpunkte" mit vielen kleinen Camps zu besetzen, wenn die Polizei kein zentrales Zeltlager mit Übernachtungsmöglichkeiten ermöglichen sollte. Das Camp in Altona war eins dieser Lager. "Es gibt viele stille Besetzungen, die im Moment noch nicht öffentlich gemacht werden", erklärte Rote-Flora-Anwalt Andreas Beuth. Viele Demonstranten seien auch in Kirchengemeinden oder auf den Grünflächen um Kirchen herum untergekommen.

Am 7. und 8. Juni treffen sich in Hamburg Vertreter der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Die Polizei rechnet mit rund 100.000 Gegendemonstranten – davon könnten rund 8.000 gewaltbereit sein. Die militante, autonome Szene habe sich vorgenommen, "den größten schwarzen Block aller Zeiten" zu organisieren, sagte Grote.

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Grenzkontrollen werden verstärkt

Doch nicht nur Hamburg bekommt die Folgen des G20-Gipfels zu spüren. Bereits seit zwei Wochen kontrollieren Einsatzkräfte der deutschen und belgischen Polizei verstärkt bei der Einreise nach Deutschland. Auf der A44 bei Aachen wurden zahlreichende Autofahrer angehalten. An den Grenzen zu Tschechien und Polen werden verstärkt auch verdachtsunabhängige Kontrollen durchgeführt. Mit diesern Maßnahmen wollen die Beamten verhindern, dass mögliche Gewalttäter zum G20 Gipfel anreisen können.