Die 'Sandy'-Bilanz: 50 Tote und Mega-Schäden

04. November 2012 - 11:20 Uhr

Zerstörung in Queens wie im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Es ist sicherlich schwierig, nach einem Sturm diesen Ausmaßes schnell wieder zur Normalität zurückzukehren. Denn einen Tag nach dem Durchzug von Wirbelsturm 'Sandy' wird das Ausmaß der Zerstörung an der amerikanischen Ostküste immer deutlicher. Die Zahl der Todesopfer stieg weiter an: Mindestens 50 Menschen seien ums Leben gekommen, teilten die Behörden mit. Allein 22 Menschen starben in der besonders schwer getroffenen Millionenmetropole New York, so die 'New York Times'.

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Der New Yorker Stadtteil Queens ist teilweise dem Erdboden gleichgemacht.
© REUTERS, KEITH BEDFORD

"Die Zerstörung ist unvorstellbar", sagte der Gouverneur des ebenfalls schwer gebeutelten Bundesstaates New Jersey, Chris Christie. Dort will sich Präsident Barack Obama heute ein Bild von den Folgen eines der größten Stürme in den USA seit Jahrzehnten machen. Und es gibt erste Berichte über Plünderungen. Die Polizei habe in den Stadtteilen Brooklyn and Queens mehrere Menschen unter anderem wegen des Verdachts von Plünderungen festgenommen, berichtete die Zeitung 'Wall Street Journal'. Queens ist besonders betroffen, dort sind 80 Häuser offenbar wegen eines Kurzschlusses niedergebrannt. "Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass es hier aussieht wie auf Bildern vom Ende des Zweiten Weltkriegs", sagte Bloomberg. "Das Gebiet ist dem Erdboden gleichgemacht."

Dennoch wollen die New Yorker zurück zur Normalität: Die Börsen an der Wall Street sollen nach zweitägiger Pause wieder öffnen. Mit dem John F. Kennedy Airport und dem internationalen Flughafen von Newark wollen zwei der drei wichtigsten Flughäfen im Großraum der Stadt ihren Betrieb in begrenztem Umfang wieder aufnehmen. Der Bahnbetreiber Amtrak will ebenfalls auf den wichtigsten Strecken wieder fahren, genauso wie die ersten Fähren ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Auch der Marathon in New York soll am Sonntag wie geplant stattfinden. Aber vor allem die rechtzeitige Anreise der 20.000 Läufer aus dem Ausland stellt angesichts der durcheinandergewirbelten Flugpläne ein großes Problem dar. Wegen des Sturms wurden fast 16.000 Flüge gestrichen. Die durch Überflutungen lahmgelegte New Yorker U-Bahn, die werktags 5,3 Millionen Menschen befördert, kann laut Bürgermeister Michael Bloomberg auch noch am Wochenende ausfallen.

'Sandy' der drittschlimmste Hurrikan der US-Geschichte

Die Aufräumarbeiten werden noch Tage dauern. Der Sturm ließ rund acht Millionen Menschen ohne Strom zurück. Sie müssen möglicherweise noch bis zu eine Woche auf elektrisches Licht und warmes Wasser verzichten. Vielerorts fielen die Mobilfunkdienste aus. Einige Notrufdienste waren ebenfalls betroffen.

'Sandy' verursachte nach ersten Schätzungen von Ökonomen Sachschäden in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar. Die endgültige Summe könnte allerdings noch wesentlich höher liegen, wenn etwa Einnahmeausfälle von Unternehmen mitgerechnet werden, berichtete der TV-Sender CNN.

Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, wäre 'Sandy' der drittschlimmste Hurrikan in der Geschichte. Todesopfer gab es auch in den Bundesstaaten New York, Massachusetts, Maryland, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Virginia und West Virginia sowie im kanadischen Toronto. Auf seinem Zug durch die Karibik hatte der Hurrikan 69 Menschen das Leben gekostet.

Knapp eine Woche vor der Präsidentschaftswahl streicht Amtsinhaber Obama den dritten Tag in Folge seine Kundgebungen und reist stattdessen nach New Jersey. Er will in der entscheidenden Phase auf keinen Fall Schwächen im Krisenmanagement zeigen, wie es sein Vorgänger George W. Bush bei der Katastrophe in New Orleans durch Hurrikan 'Katrina' machte. Bei einem Besuch beim Roten Kreuz in Washington warnte Obama, den abklingenden Sturm auf die leichte Schulter zu nehmen. 'Sandy' sei noch nicht völlig überstanden, sagte er und rief zugleich die Bevölkerung zu Spenden auf.

Das Unwetter zog in abgeschwächter Form nordwestlich weiter und brachte in Ohio rund einen Meter Neuschnee. Mit seiner Ausdehnung über Hunderte Kilometer von South Carolina bis nach Kanada war 'Sandy' einer der größten Wirbelstürme, die jemals in den USA tobten.