Die schlechte Öko-Bilanz unserer Lieblingsteile

So umweltschädlich sind Jeans

18. September 2019 - 7:38 Uhr

von Lauren Ramoser

Shoppen macht Spaß und die Freude über das neue Teil wollen wir uns nicht mit der schlechten Umweltbilanz der Kleidung verderben. Das sollten wir aber! Wir erklären, wie viele Kilometer eine einzige Jeans zurücklegt, bis sie in unserem Kleiderschrank landet und wie lange wir sie tragen müssten, damit das gerechtfertigt wäre.

Im Video zeigen wir, wie man alte Jeans ruckzuck aufhübschen, also upcyclen, kann!

Wasserverbrauch ist das große Problem

Eine blaue Jeans hat vermutlich fast jeder im Kleiderschrank, die meisten sogar in vielen verschiedenen Waschungen und Styles. Viele dieser Hosen kommen aus Xintang, der chinesischen Welthauptstadt der Jeans. 260 Millionen Hosen werden dort laut Greenpeace pro Jahr produziert. Also mehr als drei für jeden Deutschen.

Jeansstoff besteht aus Baumwolle und die braucht pro Kilo etwa 10.000 Liter Wasser. Für die Herstellung einer einzigen fertigen Hose, die rund 800 Gramm wiegt, werden im Schnitt also 8.000 Liter Wasser verbraucht. 85 Prozent davon fließt in die Herstellung der Baumwolle, sämtliche weiteren Verarbeitungsschritte machen die restlichen 15 Prozent aus. Bis eine Jeans im Laden landet, wird sie beispielsweise durchschnittlich drei- bis zehnmal gewaschen. 

8.000 Liter Wasser - so viel verbraucht ein Deutscher in zwei Monaten, wenn er sich nicht einschränkt.

Jeans sind leider echte Jetsetter

In Kasachstan wächst die Baumwolle auf riesigen Plantagen. Sie wird meist per Hand geerntet und anschließend in die Türkei versandt. Dort wird die Baumwolle zu Garn gesponnen. Das Garn wird in Taiwan zu Jeansstoff gewoben. Die fertigen Stoffbahnen reisen nach Tunesien, wo sie mit blauer Indigo-Farbe aus Polen eingefärbt werden.

Der nun blaue Jeansstoff wird dann in Bulgarien veredelt, indem er weich und knitterarm gemacht wird. Anschließend reisen der Stoff aus Bulgarien, die Nieten aus Italien und das Innenfutter aus der Schweiz nach China, wo die Jeans für einen kleinen Lohn genäht wird. In Frankreich wird sie danach gewaschen und bekommt zum Beispiel mit Bimsstein aus Griechenland den sogenannten Stone-Washed-Effekt.

Wenn die fertige Jeans im Regal liegt, hat sie bereits einen Weg von über 50.000 Kilometern hinter sich, dabei eine Menge Erdöl verbraucht und viel Kohlendioxid in die Luft gepustet. Damit sich das wirklich lohnt, müssten wir jede einzelne Hose viele Jahre häufig tragen – da die Jeans aber schnell aus der Mode kommen, haben sie häufig eine sehr kurze Lebensdauer.

Aus Alt mach Neu!

Damit sich dieser lange und umweltschädliche Weg lohnt, müssten wir eine solche Hose jahrzehntelang tragen und vor allem nur wenige davon im Schrank haben. Davon ist der Durschnittkäufer aber weit entfernt. 125 Millionen Jeans gehen pro Jahr über deutsche Ladentheken. Mittlerweile gibt es stylische und fair produzierte Jeans. Wirklich nachhaltig ist es aber nur, wenn wir weniger kaufen und die Dinge länger tragen oder aus Altem Neues machen.

Recycling und Upcycling sind die Zauberwörter: Die japanische Recycling-Technik Boro ist eigentlich uralt und aus der Not geboren. Weil das Geld für neue Kleidung fehlte, wurden alte Stoffe zusammengenäht. Wir kennen das höchstens von den Aufnähern für gerissene Jeans. Heute werden für die Boro-Technik aus verschiedenen Jeansstoffen neue Denim-Teile genäht. Charakteristisch sind die plakativen Nähte.

Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum hat die "Fast Fashion"-Ausstellung gezeigt, in der die Schattenseiten der Modeindustrie zum Vorschein kommen. Projektleiter Dr. Oliver Lueb erzählt im Video, wie die Modeindustrie unseren Planeten beansprucht und gibt einen einfachen Tipp, mit dem wir knapp 100 Millionen Kleidungsstücke jährlich sparen können.