Die Miss Marple von Gräfeling: 71-Jährige überführt Enkeltrick-Betrügerbande

Am Ende freuten sich nicht die Trickbetrüger, sondern Haya von Langsdorff.
Am Ende freuten sich nicht die Trickbetrüger, sondern Haya von Langsdorff.
© picture alliance / dpa, Sabine Dobel

04. Mai 2016 - 11:40 Uhr

Der Telefonbetrüger kannte nicht ihren Rufnamen

Bei Betrügern erfreut sich der 'Enkeltrick' großer Beliebtheit: Sie rufen bei älteren Menschen an, geben sich als enger Verwandter aus und täuschen eine Notsituation vor, um ihren Opfern das Geld aus den Taschen zu ziehen. Doch als das Telefon bei einer 71-jährigen Rentnerin aus Gräfeling klingelte, witterte sie sogleich Verdacht. Schließlich nannte ihr angeblicher Neffe sie nicht beim Rufnamen, sondern sprach sie mit dem Namen an, der im Telefonbuch hinterlegt ist. Die aufgeweckte Dame begriff schnell, dass sie es mit Betrügern zu tun hat. In der Vergangenheit hatten schon einmal Kriminelle bei ihr angerufen, um sie mit dem Enkeltrick um Geld zu prellen.

Die ehemalige Krankenschwester entschied sich, den Spieß einfach herumzudrehen. Sie bewies starke Nerven, indem sie zum Schein mitspielte. Auf eigene Faust lieferte die ältere Dame der Polizei die Bande von Trickbetrügern aus. Die Kriminalpolizei erwischte ein 17-jähriges schwangeres Mädchen 'in flagranti' und nahm es fest, als es das Geld für die Hintermänner abholen sollte.

Die ältere Dame schwört, den Trickbetrügern nicht auch nur eine Sekunde geglaubt zu haben. Von Anfang an wusste sie, dass die Geschichte vom Neffen in Not erstunken und erlogen ist. Am Telefon täuschte die Rentnerin aber vor, gutgläubig und naiv zu sein. "Du wirst doch nicht der Andi sein", säuselte sie laut der 'Süddeutschen Zeitung' ins Telefon, als sich einer der Betrüger als ihr Neffe ausgab. Daraufhin begann ein 'Katz-und-Maus-Spiel' wie in den einschlägig bekannten 'Miss Marple'-Filmen. Die Rentnerin versuchte Zeit zu gewinnen, erzählte den Betrügern, dass die Mitarbeiter der Bank alle in Mittagspause seien und sie deshalb erst später das Geld holen könne.

Die Beamten krümmten sich vor Lachen

Die Trickbetrüger glaubten der Rentnerin alles, was sie erzählte. Ihr vermeintlicher Neffe "Andi", der von Osteuropa aus anrief, schöpfte keinen Augenblick Verdacht. In der Zwischenzeit holte Haya von Langsdorff die Kriminalpolizei ins Boot. Damit sie nicht Betrüger in ihre Wohnung lässt, die sich als Polizisten ausgeben, verständigte sie sich mit der Kripo auf das Codewort "Luftmatratze".

Die Kripo schickte mehrere Beamte zu der Rentnerin. Während die ältere Dame mit ihrem angeblichen Neffen "Andi" telefonierte, saßen sie glucksend und kichernd auf ihrem Sofa im Wohnzimmer und hörten zu. "Ach, Andi, du warst schon so lange nicht mehr da. Wann kommst du denn mal wieder?, veräppelte die ältere Dame ihren Anrufer.

Schließlich klingelte es bei der Rentnerin. Sie ging zur Tür und händigte der Abholerin einen dicken Umschlag mit dem angeblichen Geld aus. Daraufhin schaltete sich wenig später die Polizei ein und ließ die Handschellen klicken. Die Rentnerin will bis zum Schluss keinerlei Angst verspürt haben: "Ich habe ja ein dickes Nudelholz in der Küche."