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Die Medikamente der Anderen – das umstrittene Geschäftsmodell der deutschen Medikamentenimporteure

Die Medikamente der Anderen – das umstrittene Geschäftsmodell der deutschen Medikamentenimporteure

Gute Versorgung: Nicht überall normal

Wer krank ist, geht zum Arzt, muss dort mehr oder weniger lange warten, und bekommt schließlich eine Diagnose. Je nachdem, wie schlimm die Krankheit ist, gibt es ein Rezept vom Arzt und ein Medikament. So sind wir es gewohnt. Das heißt aber nicht, dass das auch normal ist.

Große Preisunterschiede

Halle von Medikamentenimporteur Kohlpharma.
Halle von Medikamentenimporteur Kohlpharma.
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In Rumänien – wie Deutschland Mitglied der EU – ist das anders. Viele Menschen bekommen dort ihre teils lebenswichtigen Medikamente nicht. Grund dafür sind die massiven Preisunterschiede für Medikamente innerhalb der EU. Das ergaben Recherchen von Alexander Römer, 'Nachtjournal'-Moderator Maik Meuser und den Kollegen von 'CORRECTIV'.

Ein Beispiel: Das lebenswichtige Krebsmedikament Avastin kostet in Rumänien 279 Euro und 40 Cent, in Griechenland 299 Euro und 51 Cent, in Bulgarien schon 318 Euro und 64 Cent. In Deutschland ist das Krebsmedikament erheblich teurer, 472 Euro und 18 Cent, das sind fast 200 Euro mehr.

Ausländische Vorräte aufzukaufen, lohnt sich

Diese Unterschiede machen sich deutsche Firmen zu Nutze. Sie kaufen Medikamente auf ausländischen Märkten, bringen sie nach Deutschland und verkaufen sie hier mit Gewinn weiter. Ein völlig legaler Vorgang, und normales Vorgehen in einem gewinnorientierten, also marktwirtschaftlichem System.

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Dramatische Folgen

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Moderator Maik Meuser im Gespräch mit Kohlpharma-Geschäftsführer Jörg Geller.
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Das hat dramatische Folgen: Lebenswichtige Medikamente werden in Kleinanzeigen angeboten wie anderswo gebrauchte Fahrräder oder Möbel. Der Schwarzmarkt floriert.

Elf EU Länder wollten bisher die Ausfuhr von Medikamenten einschränken – wie das zum Beispiel auch bei Zigaretten der Fall ist. Gegen dieses Vorgehen haben Interessensvertretungen Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Mit intensiver Lobbyarbeit wird für das lukrative Geschäftsmodell gekämpft.

Tödliches Geschäftsmodell?

130 Krebspatienten sterben laut Statistik jeden Tag in Rumänien. Viele von ihnen hätten nach der Aussage des Vorsitzenden der Patientenvereinigung für Krebskranke in Rumänien, reale Chancen zu überleben, wenn sie sofortigen Zugang zu den Medikamenten bekämen.​