Einzelkritik für das DFB-Team gegen Tschechien

Die Mannschaft - das Zeugnis

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
© Imago Sportfotodienst

12. November 2020 - 0:37 Uhr

So haben wir das DFB-Team bewertet

Begeistern wollte das junge deutsche Team ihre Fans und verloren gegangenen Kredit zurückholen. Was bleibt? Ein deutsches Team, dass gegen personell gebeutelte Tschechen mit 1:0 gewann, dabei aber wenig Glanz versprühte. Ansätze von schnellem Spiel mit Leidenschaft waren zu sehen, aber über die 90 Minuten gesehen war es – inbesondere in der zweiten Halbzeit – ein durchschnittlicher Auftritt der Löw-Elf.

TAKTIK

Resolute Zweikampfführung, frühes Anlaufen und den Ball schnell machen: Es war anfangs zu sehen, was sich die deutsche Elf vorgenommen hatte. Allein an der Umsetzung scheiterte sie mit zunehmender Spieldauer. Philipp Max und Ridle Baku gaben auf den Außenbahnen im Mittelfeld ihr Debüt in der Nationalmannschaft, machten ihre Sachen dort ordentlich. Zentral lenkte Florian Neuhaus das deutsche Spiel, dem es vorne an Kaltschnäuzigkeit fehlte.

Highlights: Jogis Jungs mühen sich zum Sieg

TOR

Kevin Trapp: Der Neuer-Vertreter hatte nach sechs Minuten Glück, dass er nicht in der kurzen Ecke überrascht wurde. Danach überwiegend beschäftigungslos, bis er in der 82. Minute mit einer Weltklasse-Parade den Sieg rettete. Note: 2

ABWEHR

Jonathan Tah: Seine Klärung per Kopf in die Mitte war nicht gut, aber folgenlos (19.), verschätzte sich kurz vor der Pause bei einer Flanke; es war nicht sein Abend. Note: 4

Robin Koch: Unauffällige, aber solide Partie; in der Dreierkette strahlte er am meisten Ruhe aus; gewann die wichtigen Zweikämpfe. Note: 3

Antonio Rüdiger: Spielte seinen Part in der Dreierkette unaufgeregt runter, wirkte aber dennoch nicht immer souverän; hier nicht nah genug am Gegenspieler, dort ein Laufduell verloren. Note: 4

MITTELFELD

Ridle Baku: Fiel erstmals durch seinen schlimmen Fehlpass vor dem eigenen Tor auf (22.), steigerte sich dann auf der rechten Seite und schaltete sich immer wieder sehenswert ins Offensivspiel ein. Note: 3

Ilkay Gündogan: Zum zweiten Mal lief er als Kapitän der Nationalmannschaft auf, ließ sich dabei mehrmals tief fallen, um von hinten heraus Angriffe zu initiieren. Blieb zur Pause wie abgesprochen in der Kabine. Note: 3

Mahmoud Dahoud (ab 46. Minute): Nahm die Gündogan-Position ein, interpretierte diese etwas offensiver, vergab in der 61. Minute das 2:0; suchte immer wieder den Abschluss, blieb dabei aber glücklos. Note: 3 

Florian Neuhaus: Der offensive Denker und Lenker im deutschen Mittelfeld. Verteilte die Bälle, schickte Mitspieler in die Gasse und schloss ab. Sehr präsent insgesamt. Hatte Pech bei seinem Volleykracher ans Lattenkreuz. Note: 2

Philipp Max: Bereitete die Führung von Waldschmidt mustergültig vor, schlug klasse Flanken in den Strafraum und spielte einige tolle Pässe in die Tiefe. Ein rundum gelungenes Debüt und stärkster Spieler neben Neuhaus. Note: 2 

STURM

Jonas Hofmann: Der Pechvogel musste schon nach 20 Minuten aufgrund einer Oberschenkelblessur raus. Ohne Bewertung.

Nadiem Amiri (ab 20. Minute): Scheiterte vor der Pause zwei Mal freistehend an Pavlenka; nach dem Wechsel lieferte er eine unauffällige Partie; konnte sich nicht für einen Stammplatz empfehlen. Note: 4

Luca Waldschmidt: Erwischte einen Start nach Maß, als er gleich die erste deutsche Chance eiskalt zur Führung nutzte (13.); fiel mit zunehmender Spieldauer in seiner Leistung ab. Note: 3

Julian Brandt: Der Dortmunder versuchte, mit zahlreichen riskanten Pässen das deutsche Spiel schnell zu machen, was nicht immer gelang. Insgesamt war das für einen Spieler seiner Klasse zu wenig. Note: 4

EINWECHSLUNGEN

20. Minute: Nadiem Amiri für Jonas Hofmann 
46. Minute: Mahmoud Dahoud für Ilkay Gündogan 
68. Minute: Nico Schulz für Philipp Max

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