Einzelkritik für das DFB-Team gegen Spanien

Die Mannschaft - Das Zeugnis

Eine Verwarnung, die für alle Spieler gelten sollte.
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18. November 2020 - 1:08 Uhr

So haben wir das DFB-Team bewertet

So kann es nicht weitergehen! Nach einem leichten Aufwärtstrend zuletzt erlebt die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft im finalen Spiel der Nations League gegen Spanien ein historisches Debakel. Wir haben die (Nicht-)Leistung von Jogis Jungs unter die Lupe genommen.

TAKTIK

Getreu dem Motto "hat doch funktioniert" verzichtete Jogi Löw nach dem ordentlichen Spiel gegen die Ukraine beim Aufeinandertreffen Spanien erneut auf eine Fünferkette und lies im 4-3-3 spielen. Doch ob eine andere Ausrichtung an diesem Abend den Unterschied gemacht hätte, darf zumindest angezweifelt werden. Denn auch mit einem Mann mehr im Mittelfeld ließ die Löw-Elf riesige Räume im Mittelfeld offen, die die bestens aufgelegten Spanier zu nutzen wussten. Auch im Zweikampf ließen die Spieler so viel Platz, dass die sowieso schon spielstarken Spanier in Ruhe den Ball annehmen konnten und sogar noch Zeit hatten, an einer Idee für das nächste Abspiel zu arbeiten.

TOR

Manuel Neuer: So hatte sich der Torwart sein Rekordspiel sicher nicht vorgestellt. Er trägt allerdings auch die mit weitem Abstand geringste Schuld am Debakel. Mit einer phänomenalen Parade verhinderte er zunächst das 3:0. In Halbzeit zwei landeten dan die meisten Torschüsse in seinem Kasten. Doch da gab es auch nicht viel zu halten. Note 3

ABWEHR

Matthias Ginter: Zunächst noch der kleinste Fehlerherd in der Viererkette, wobei er im Vorfeld des 3:0 Koke völlig unbedrängt Flanken lässt. In den zweiten 45 Minuten teils bespielt worden, als sei er ein Schuljunge mit eklatanten Stellungsfehlern. Stets zu spät und zu langsam, das war gar nichts. Note 5

Niklas Süle: Von Beginn an von der Rolle. Neben Deckungsschwierigkeiten schockiert insbesondere sein hektisches und fehlerhaftes Passpiel. An zwei Toren direkt mitbeteiligt und nach der ersten Hälfte völlig zurecht ausgewechselt. In dieser unerfahrenen Mannschaft ist er der Abwehrchef, doch anstatt für Ordnung sorgte er diesmal viel zu häufig für Chaos. Note 6

Robin Koch: Weil es in der Abwehr generell keine Zuordnung gab, sah auch Koch entsprechend ungeschickt und hilflos aus. Wie alle anderen viel zu weit weg von seinen Gegenspielern, beim finalen Gegentor nirgends zu sehen. Note 5

Philipp Max: Wie gewonnen, so zerronnen. Der Teamkollege von Mario Götze erlebte nach zwei hervorragenden Auftritten einen rabenschwarzen Tag. Zu keiner Zeit war er in der Lage, die spanische Vorstöße über seine Seite zu stoppen, ob im Stellungsspiel oder im direkten Zweikampf, nichts gelang dem Ex-Augsburger. Note 6

MITTELFELD

Toni Kroos: Ein solch erfahrener Spieler muss nach dem schweren Start in die Partie eigentlich das Zepter übernehmen. Stattdessen tauchte er ab. So war das gesamte Spiel eigentlich kaum etwas von ihm zu sehen. Versagte als Taktgeber im Zentrum. Note 6

Ilkay Gündogan: Probierte ein paar Pässe in die Spitze, die aber nicht ankamen. Au Verteidiger hatte er keine Lust, deswegen bekamen die Spanier bei ihren Angriffen genügend Platz im Zentrum. Note 6

Leon Goretzka: War bemüht, das Gefüge irgendwie zusammenzuhalten, doch das gelang ihm zu keiner Zeit. Durch die Resignation seiner Mitspieler verlor auch er die Lust und wurde Mitte der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Note 5

STURM

Serge Gnabry: Lange überhaupt nicht zu sehen, hielt er als einer der einzigen gegen Ende zumindest ein bisschen den Kopf oben und sorgte für den einzigen Torschuss Deutschlands. Ein paar Zentimeter weiter unten und sein Lattenknaller wäre ein Traumtor geworden. Unter dem Strich aber trotzdem viel zu wenig. Note 5

Leroy Sané: Das ziemliche Gegenteil zeigte Gnabrys Partner auf dem Flügel. Am Anfang versuchte er wenigstens noch im Eins gegen Eins an seinen Gegner vorbeizukommen, auch wenn das eher mit der Brechstange war. Ansonsten ein paar Wackler, die zu nichts führten. Spätestens ab Halbzeit zwei ging dann aber gar nichts mehr. Das sah auch Löw und wechselte ihn vorzeitig aus. Note 6

Timo Werner: Ein Stürmer ohne Torschuss? Mag sein, aber als einziger der Offensivspieler versuchte der Chelsea-Akteur, Bälle zu bekommen. Dafür rannte er teilweise bis auf Höhe des eigenen Strafraums zurück. Dort angekommen musste er teilweise auch noch Defensivaufgaben übernehmen, weil das Mittelfeld nicht half. Aufopferungsvoll als nahezu einziger an diesem Abend. Er hat vieles versucht, doch bei so einer desolaten Leistung der Vorderleute kann er nicht glänzen. Note 5

EINWECHSLUNGEN

​​​​​46. Minute: Jonathan Tah für Niklas Süle

​​​​​​​61. Minute: Luca Waldschmidt für Leroy Sané

​​​​​​​61. Minute: Florian Neuhaus für Leon Goretzka

​​​​​​​76. Minute: Benjamin Henrichs für Timo Werner