Die Leiden des Roman Neustädter

Da war die Welt noch in Ordnung: Roman Neustädter feiert die Schalker Führung gegen Galatasaray.
Da war die Welt noch in Ordnung: Roman Neustädter feiert die Schalker Führung gegen Galatasaray.
© dpa, Federico Gambarini

14. Juli 2013 - 21:37 Uhr

Erst gefeiert, dann der Depp: Die Leidenszeit von Roman Neustädter auf Schalke geht weiter. Zwar erzielte der Mittelfeldspieler im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Galatasaray Istanbul die Führung, doch mit einem haarsträubenden Fehlpass hatte er auch maßgeblichen Anteil daran, dass die 'Knappen' in der 'Königsklasse' die Segel streichen müssen.

Das sah gestern um 21.02 Uhr noch anders aus: Nachdem Neustädter den Ball aus kurzer Distanz ins Tor hämmert, bebt die Arena, Schalke führt. Beim Torschützen, zuvor scharf kritisiert, entlädt sich der ganze Frust der letzten Wochen. Er schreit, haut mit der Faust immer wieder auf das Vereinslogo auf seinem Trikot. Neustädters Welt ist wieder in Ordnung – für genau 25 Minuten.

Als sein Blick um 21.27 Uhr in die eigene Hälfte wandert, sieht er nur noch, wie Burak Yilmaz das Leder irgendwie über Keeper Timo Hildebrand bugsiert. Die Arena bebt wieder, dieses Mal feiern 10.000 Türken – dank Neustädter. Obwohl er alle Zeit der Welt und auch den Platz hat, leistet sich der 25-Jährige einen katastrophalen Bock. "Da habe ich einen schlechten Pass gespielt, wodurch wir in einen Konter laufen. Das wird in der Champions League eiskalt bestraft."

Sein Auftritt im Achtelfinal-Rückspiel ist ein Spiegelbild für die Saison des Neuzugangs aus Gladbach: Als defensiver Mittelfeldspieler erfüllt Schalkes Nummer 33 die Erwartungen – und das ist noch fast untertrieben. Neustädter lenkte das Spiel, fing gegnerische Angriffe ab, spielte tödlich Pässe. Doch genauso schnell wie der Stern aufgegangen war, fiel er vom königsblauen Himmel. Pünktlich mit der Schalker Krise tauchte auch Neustädter in ein Formtief. Mittlerweile hat sich die Mannschaft wieder gefangen, doch der einst gefeierte Held spielt weiter unterirdisch.

Wie lange hat Neustädter noch das Vertrauen?

Es klingt hart, aber am Ende ist Neustädter sogar der Hauptgrund, warum Schalkes Champions-League-Saison sein Ende gefunden hat. Auch vor zwei Wochen war es einer seiner Fehlpässe, der in den Füßen des Gegners landet. Galatasaray bedankt sich, wie im Rückspiel schießt Burak Yilamz die Türken in Führung.

Schalke wehrt sich beide Male mit Händen und Füßen gegen das drohende Aus – Neustädter ist gestern ab 21.30 Uhr aber nur noch Zuschauer. Trainer Jens Keller setzt ihn zur Halbzeit auf die Bank, die Neustäder schon in den letzten drei Bundesligapartien kennengelernt hat. Gegen Düsseldorf und Dortmund wurde er in der 2. Hälfte, in Wolfsburg schon zum Pausentee ausgewechselt. Es waren allesamt wohl keine taktischen Wechsel, sondern die Quittung für schwache Leistungen.

Es stellt sich die Frage, wie lange Keller seinem Sechser noch das Vertrauen schenkt. Marco Höger hat sich in den letzten Wochen zu einem Leistungsträger aufgeschwungen, Jermaine Jones ist nahezu unverzichtbar. Weil er sich gegen Galatasaray eine Schulterprellung zugezogen hat, dürfte Neustädter am Samstag in Nürnberg aber ohnehin erst einmal nur Ergänzungsspieler sein, doch vielleicht läuft es dann ja mal andersrum: von der Bank zum gefeierten Helden.