Die irre BER-Chronik: So steht’s um den Chaos-Flughafen - Eröfnung in weiter Ferne

Die Empfangshalle des Hauptstadtflughafens BER (Archiv)
Die Empfangshalle des Hauptstadtflughafens BER (Archiv)
© dpa, Patrick Pleul

19. Januar 2017 - 13:36 Uhr

Auch 2017 wird hier kein Passagier abgefertigt

Die Fertigstellung des neuen Berliner Flughafens rückt immer weiter in die Ferne: Auch 2017 wird nicht Eröffnung gefeiert – es gibt Probleme mit dem Brandschutz und den Automatiktüren. Mittlerweile weiß kaum jemand, wie es wirklich um das Pannen-Projekt steht. RTLnext sortiert das BER-Chaos.

Die Faktenlage

Fast elf Jahre Bauzeit, 6,6 Milliarden Euro, Frustration auf allen Ebenen: Weiterhin ist beim Bau des neuen Flughafens 'Willy Brandt' kein Ende in Sicht. Fakt ist: Immer wieder tauchen neue Mängel auf. Aktuell gibt es Probleme mit der Sprinkleranlage im Südpier. Funktionstests ergaben, dass wohl Berechnungen zur Wassermenge vergessen wurden.

Schwierigkeiten bereiten außerdem die Automatiktüren im Terminal. Die Probleme sind angeblich schon seit Anfang 2016 bekannt, wurden bisher aber von der zuständigen Firma (Bosch) nicht gelöst. Nun müssen zahlreiche Türen neu verkabelt werden, weil sie im Brandfall nicht ordnungsmäßig funktionieren würden.

Die Mängelliste

ARCHIV - Gras wächst aus den Betonfugen am 14.06.2016 vor dem Terminalgebäude des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg). (zu dpa-KORR "BER 2017: Zu wenig Jahr für so viel Flughafen" vom 28.12.2016) Fot
Gras wächst aus dem Betonboden vor dem Hauptstadtflughafen BER.
© dpa, Patrick Pleul, ppl jhe lof gfh

Mit den Pannen beim Flughafen-Bau lässt sich längst ein peinliches Best-Of erstellen. In elf Jahren wurden schon Brandmelder vergessen, falsche Bäume gepflanzt, Stromschächte mit zu vielen Kabeln überfüllt, zu kurze Rolltreppen bestellt, Räume falsch nummeriert oder Decken zu niedrig geplant (knapp zwei Meter).

Außerdem bogen sich in den Parkhäusern die Decken, ab einem gewissen Zeitpunkt wurden keine Bauberichte mehr geschrieben. Ein offizieller Mängelbericht offenbarte außerdem, dass die Feuerwehr zunächst nicht ins Terminal kam, weil sie die notwendige Codekarte nicht hatte.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Das Personalkarussell

ARCHIV - Mit einem symbolischen Spatenstich nahe dem Flughafen Berlin-Schönefeld bei Berlin geben am 05.09.2006 (l-r) der damalige Sprecher der Geschäftsführung des BBI Rainer Schwarz, der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Berlins damaliger Regiere
Spatenstich zum Hauptstadtflughafen BER 2006 (Archiv)
© dpa, Patrick Pleul, pp_ae htf fux

Die einstige Konstante scheint der ständige Personalwechsel zu sein: Hartmut Mehdorn, Rainer Schwarz, Klaus Wowereit, Matthias Platzeck, Wolfgang Tiefensee und Thomas Weyer lassen grüßen. Am 5. September 2006 strahlten diese sechs Männer beim BER-Spatenstich noch um die Wette. Sie haben das sinkende Schiff längst verlassen.

Aktueller Flughafen-Chef ist Karsten Mühlenfeld. Der 52-Jährige ist die fünfte Besetzung des Postens. Mit dem früheren Ingenieur von Rolls Royce soll der Flughafen endlich finalisiert werden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, gleichzeitig Flughafen-Aufsichtsratschef, ist vorsichtig optimistisch: "Mühlenfeld hat aufgeräumt."

Das sagt die Politik

Die immer neuen Pannen sind natürlich auch in der Politik Thema. Die Bundesregierung hält sich aus der Sache clever raus – der Chaos-Flughafen ist Ländersache. Berlins Regierender Bürgermeister Müller steht auch aufgrund der Bau-Verzögerungen stark unter Druck.

Die Opposition ätzt öffentlich. "Schon seit längerer Zeit deutete einiges daraufhin, dass die so oft beschworene Möglichkeit einer Eröffnung des BER im Jahr 2017 weniger wahrscheinlich war als ein Sechser im Lotto", so die Berliner CDU-Fraktion zuletzt. Die FDP hingegen kämpft weiter öffentlich für den Erhalt des Flughafens Berlin-Tegel.

Die Zukunft

ARCHIV - Blick aus einem Kleinflugzeug am 04.09.2012 auf den Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa vom 12.11.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Luftaufnahme des Flughafens Berlin Brandenburg BER (Archiv)
© dpa, Patrick Pleul

Der aktuelle Bau-Zeitplan (Ende Frühjahr 2017, Eröffnung Ende des Jahres) ist nach den neuesten Problemen hinfällig. In diesem Jahr wird der Flughafen nicht öffnen. Aktuell stehen alle Zeichen auf 2018. Wenn nicht wieder neuerliche Rückschläge auftreten, was aufgrund der langen Mängelliste nicht auszuschließen ist.

Sollte es tatsächlich noch weitere Probleme geben, könnte es nach über elf Jahren Bauzeit auch zu einer ganz andere Variante kommen: ein kompletter BER-Neubau. Experten wollen schon vor drei Jahren errechnet haben, dass dieser günstiger sein könnte als neue Kredite und weitere Bau-Milliarden.

Die Flughafengesellschaft hält eine zeitnahe Eröffnung dagegen weiter für wahrscheinlich. Im April will der Aufsichtsrat bei seiner nächsten Sitzung einen neuen Eröffnungs-Termin bekanntgeben. Ob dieser jedoch dann verbindlich ist, darf zumindest dezent bezweifelt werden.