Die große Flut: Wassermassen überfluten den Süden und Osten Deutschlands

11. Februar 2016 - 8:51 Uhr

150 Bundeswehrsoldanten zur Unterstützung in Passau erwartet

In den Hochwassergebieten im Osten und Südosten Deutschlands hat sich die Lage weiter zugespitzt. In etlichen Städten und Landkreisen in Bayern, Thüringen und Sachsen gilt Katastrophenalarm. Tausende Menschen wurden aus überschwemmten Gebieten in Sicherheit gebracht. Die Bundeswehr sollte im Laufe des Tages zum Einsatz kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern "volle Unterstützung" zu. Auch im benachbarten Ausland war die Lage kritisch.

Hochwasser: Ausnahmezustand in vielen bayerischen Regionen.
Verzweifelter Kampf gegen die Wassermassen in Rosenheim.
© dpa, Andreas Gebert

Am Inn in Bayern wurden nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes vielfach historische Höchstmarken überschritten. "Für die Donau erwarten wir am Mittag den historischen Höchststand von 12,55 Meter", sagte ein Sprecher des Passauer Krisenstabes. Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der 'Dreiflüssestadt' sind großflächig überspült. In einigen Häusern wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt.

In Passau werden rund 150 Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte erwartet. Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag waren nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im gesamten Freistaat etwa 15.000 Helfer im Einsatz.

"Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gesagt. Angesichts der dramatischen Situation hat die Staatsregierung einen Krisenstab eingerichtet. An vielen Schulen in Bayern soll heute der Unterricht ausfallen.

Auch in Nieder- und Oberbayern spitzt sich die Lage zu. In Kolbermoor bei Rosenheim brach ein Damm. Die Innenstadt von Rosenheim wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Bisher wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst, darunter Passau und Rosenheim.

Massenevakuierungen in Thüringen und Sachsen

In Sachsen hat das Hochwasser von Weißer Elster, Mulde und Chemnitz bereits zahlreiche Gebiete überschwemmt. Mehrere Landkreise im westlichen Teil des Freistaates riefen Katastrophenalarm aus. Vielerorts sollen Schulen geschlossen bleiben. Im Landkreis Mittelsachsen fiel bei einigen tausend Einwohnern der Strom aus.

Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. "Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten", teilte der Landkreis Nordsachsen mit. In Eilenburg wurde bereits die Innenstadt evakuiert. Rund 7.000 Menschen waren nach Angaben eines Sprechers betroffen. Sie seien in Notquartiere gebracht worden.

In der Altstadt von Grimma (Kreis Leipzig) mussten rund 2.500 Bewohner ihre Häuser verlassen. Auch das Zentrum von Döbeln (Mittelsachsen) stand komplett unter Wasser, hier wurden Anwohner etwa in Turnhallen untergebracht. Auch in Chemnitz war die Lage angespannt. Angesichts steigender Pegelstände rief die sächsische Landesregierung die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Anwohner in betroffenen Gebieten sollten Vorkehrungen treffen.

Auch in Thüringen stieg das Hochwasser der Flüsse bedrohlich, ganze Stadtteile liefen voll. Die Behörden hatten für mehrere Orte Katastrophenalarm ausgelöst, unter anderem für Gera. Dort wurden in der Nacht Einwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen - allerdings auf freiwilliger Basis, wie eine Sprecherin der Stadt betonte.

In den Hochwassergebieten Baden-Württembergs entspannte sich die Lage inzwischen, wie das Lagezentrum des Innenministeriums mitteilte. Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar blieb der Schiffsverkehr aber weiter eingestellt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Einige Nachbarländer sind ebenfalls von Wassermassen bedroht. In Tschechien rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Maßnahme gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im Tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Zudem spitzte sich die Lage in weiten Teilen Österreichs zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des "Jahrhunderthochwassers" von 2002. Bislang gab es mindestens einen Toten durch Überflutungen. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen wurden bis zum späten Sonntagabend noch vermisst.