Die Flut wird zur Hochwasser-Katastrophe

Überall kämpfen Helfer gegen die Wassermassen.
Überall kämpfen Helfer gegen die Wassermassen.
© dpa, Arvid Müller

11. Februar 2016 - 8:51 Uhr

Vielerorts Katastrophenalarm ausgelöst

Nach tagelangem Dauerregen hat sich die Hochwasserlage im Süden und Osten Deutschlands dramatisch zugespitzt. Mehrere Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Vielerorts gibt es schon Dammbrüche.

Die Bundeswehr bereitete sich unterdessen auf Hilfseinsätze vor. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern "volle Unterstützung" zu. Die Staatsregierung in Bayern richtete einen Krisenstab ein. In Österreich wurde ein Mann von einer Schlammlawine begraben, in Tschechien starben zwei Menschen bei einem Hauseinsturz. Weitere Menschen im In- und Ausland werden vermisst.

Die Regierung in Prag rief den Notstand aus. Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas. Die Mitte-Rechts-Regierung stellte umgerechnet 11 Millionen Euro sowie bis zu 1.000 Soldaten zur Bekämpfung der Fluten zur Verfügung. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. In Polen kam es vor allem in Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Dramatische Szenen auch in Deutschland: Braune Wassermassen fluteten Straßen, Menschen werden in Sicherheit gebracht. In Bayern droht möglicherweise ein Hochwasser bisher ungekannten Ausmaßes, warnte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. In Sachsen waren etwa Zwickau und Chemnitz betroffen. Auch in Ostthüringen gab es Katastrophenalarm.

In Passau wurde ein Pegelstand von zwölf Metern nicht mehr ausgeschlossen - das letzte Hochwasser dieser Größenordnung wurde dort zuletzt im späten Mittelalter im Jahr 1501 verzeichnet. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern. Dieser Wert sei bereits übertroffen. Viele Häuser in der Dreiflüssestadt sind nur noch über Stege zu erreichen. In Berchtesgaden brach die Schleuse eines Bergsees, die Wassermassen ergossen sich unkontrolliert ins wenig bevölkerte Tal.

Auch die Pegelstände der Mangfall in Rosenheim könnten einen neuen Rekord erreichen, befürchtete ein Sprecher der Stadt. Ein Damm ist dort bereits gebrochen. Erste Stadtteile wurden evakuiert. An vielen Schulen in Bayern fällt der Unterricht aus.

Die thüringische Kleinstadt Gößnitz mit ihren rund 3.000 Einwohnern wurde komplett evakuiert. "Gößnitz läuft voll", heißt es. Die Menschen sollen bei Verwandten oder in einem Notquartier untergebracht werden. In Gera wurde ebenfalls Katastrophenalarm ausgelöst.

Land unter auch in Sachsen: In Chemnitz trat der gleichnamige Fluss über die Ufer. In Zwickau brachten Helfer Menschen eines Ortsteils in Sicherheit. Im Vogtland lief die Talsperre Pirk über. In Grimmas Altstadt stehen Straßen unter Wasser. "Rund 2.000 Menschen mussten bereits in Sicherheit gebracht werden", sagte eine Stadtsprecherin. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte seinen Türkei-Besuch ab. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es keine Entwarnung.

Zwei Menschen sterben in Tschechien

In Baden-Württemberg mussten die Helfer zu mehr als 3.000 Einsätzen ausrücken. In Reutlingen werden zwei Menschen vermisst - sie könnten in die Echaz, einen Neckarzufluss, gefallen sein. Dramatische Szenen in Steinmauern bei Rastatt: Eine 29-Jährige war laut Polizei mit ihrem Auto trotz Straßensperre ins Hochwasser von Murg und Rhein gefahren. Der Wagen wurde von der Fahrbahn gespült, verfing sich aber in Bäumen. Die vier Insassen retteten sich aufs Dach. Beim Rettungsversuch kenterte ein Boot der Feuerwehr. Alle zehn beteiligten Personen fielen ins Wasser, konnten aber gerettet werden.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt.

In der Schweizer Rheinmetropole Basel forderte der Krisenstab die Bevölkerung auf, sich nicht in die unmittelbare Nähe des Rheinufers zu begeben.

In Österreich und der Schweiz hält das Hochwasser Tausende Katastrophenhelfer in Atem. In beiden Alpenländern wurden Straßen und Eisenbahnlinien überflutet oder von Hangrutschen unterbrochen. Besonders stark betroffen ist der an Bayern grenzende Innkreis in Österreich. Die Ortschaft Ettenau wurde evakuiert, nachdem die Salzach über die Ufer getreten war. In St. Johann im Pongau bei Salzburg wurden drei Arbeiter von einem Murenabgang überrascht. Einer von ihnen wurde mitgerissen und starb.

In Tschechien gilt an mehr als 50 Orten die höchste Warnstufe. Die Moldau droht, die Prager Altstadt zu überfluten. Patienten eines Krankenhauses mussten in Sicherheit gebracht werden. Beim Einsturz eines Wochenendhauses bei Prag starben zwei Menschen. An zwei Flüssen in Böhmen werden drei Wassersportler vermisst. Straßen und Bahnstrecken im Süden und Westen des Landes wurden gesperrt.