Die drei Kriege des Irak

Ein Kommentar von Antonia Rados (Chefreporterin Ausland)

Mehrere Kriege finden derzeit im Irak statt. Das macht die Lage extrem unübersichtlich. Der erste Krieg wird um neue Grenzen geführt.

Bagdad, Irak, Sunniten, Schiiten
Schiiten rüsten sich in Bagdad für den Kampf gegen die Isis-Kämpfer.

Drei Gruppen streiten um Gebiete und Landstriche. Die Kurden im Norden. Sie beanspruchen nicht nur Kurdengebiete, sondern halten auch die umstrittene Stadt Kirkuk besetzt. Unentdeckte Öl-Vorkommen werden dort vermutet.

Den West-Irak wollen Sunniten für sich haben. Sie wollen auch Bagdad kontrollieren. Denn wer Bagdad hat, bekommt Zugang zu Ministerien und damit jede Menge Jobs. Die Sunniten, die unter Saddam Hussein den Irak beherrschten, verloren diesen Zugang 2003 mit der US-Invasion. Seither wollen sie zurück in die Hauptstadt. Andere Einnahmen, wie aus Erdöl gibt es in ihrem Gebiet kaum. Daher kämpfen Ex-Saddam-Leute an der Seite der (sunnitischen) Isis-Truppen.

Die größten Öl-Vorkommen liegen im Gebiet der bevölkerungsstärksten Gruppe, der Schiiten im Südirak.

Iraks Stämme kämpfen gegen die globalisierte Welt

Der zweite Krieg ist ein Krieg der irakischen Stämme. Einige von ihnen wie die Duleimis zählen rund eine Million Mitglieder. Stämme im Irak kümmerten sich nie um Grenzen. Seit jeher wanderten sie in das benachbarte Jordanien und wieder zurück in den Irak. Kurden-Familien leben verstreut in der Türkei, in Syrien, in Iran und im Nord-Irak. Iraks Stämme kämpfen gegen die globalisierte Welt. Demokratie würde ihre Macht bedrohen. Besser, der Stammesanführer hat weiter das Sagen.

Der dritte Krieg ist der zwischen Sunniten und Schiiten. Er ist am leichtesten zu entfachen, weil die Mehrheit der Iraker entweder zu einer oder zur anderen Gruppe gehört (Kurden sind mehrheitlich Sunniten). Weil im Irak seit der US-Invasion ein Macht-Vakuum herrscht, wird von außen mitgemischt: Die Islamische Republik Iran (schiitisch) hilft den einen. Saudi-Arabien (sunnitisch) streitet für die anderen.

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zieht sich seit langem hin. Er wurde nie so richtig gelöst. Jetzt aber kommen noch die anderen Kriege dazu.

Das macht den Irak gewalttätiger, als man es je erwartete.