Armut in Zeiten von Corona

Wenig Geld - aber trotzdem Hilfe: Was es heißt, in der Krise arm zu sein

In Berlin haben noch drei von insgesamt 45 Ausgabestellen der Tafel geöffnet.
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31. März 2020 - 16:46 Uhr

Von Nadine Schullerus

Die Corona-Krise stellt die sozial schwächeren in unserer Gesellschaft vor große Herausforderungen. Zum Beispiel, weil viele Tafeln geschlossen haben. Not macht kreativ und manchmal zeigen sich in der Krise auch schöne Seiten.

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Viele Menschen sind angewiesen auf die Tafel

In Köln-Bocklemünd hat die Tafel vor wenigen Tagen wieder geöffnet. Eigentlich sollte es um neun Uhr morgens losgehen, erzählt Erika Schwabe. Sie ist die Leiterin der Tafel. Viele Kunden waren schon um kurz nach acht da. Es gelten strenge Regeln. "Wir haben überall Kreuze auf den Boden gemalt, damit die Leute auch wirklich Abstand halten", sagt Böhm. Auch sie muss Abstand zu ihren Kunden halten. Deshalb sind die Lebensmittel schon vorsortiert. Blumenkohl, Paprika, Brot – heute bekommen alle das gleiche. Alleine hier in Köln-Bocklemünd sind etwa 140 Familien auf kostenlose Lebensmittel angewiesen.

Die Corona-Krise stellt die Tafeln in Deutschland vor neue Herausforderungen. Mehr als 900 gibt es bundesweit, 420 haben momentan geschlossen. Meistens geht es dabei um Vorsorge und Rücksicht – ein Großteil der Kunden und Kundinnen, aber auch mehr als die Hälfte  der Ehrenamtlichen sind schon älter und gehören damit zur Risikogruppe.

Wenn Not engagiert macht: Notfall-Konzepte für Lebensmittellieferungen in Berlin

Worüber sich aber viele Tafeln freuen, ist das Engagement von Schülern, Studenten oder Arbeitgebern, die gerade in Kurzarbeit sind. In den Großstädten gibt es sogar Wartelisten, weil so viele Menschen helfen wollen. Barbara Böhm zum Beispiel arbeitet in Köln bei der Lebensmittel-Ausgabe. Ihr Arbeitgeber hat sie ins Home-Office geschickt. "Ich hab mir überlegt, dass ich gerne unterstützen würde, da wo es nötig ist und mein Arbeitgeber hat mich dafür freigestellt, beziehungsweise, ich kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen."

In Berlin haben nur noch drei von insgesamt 45 Ausgabestellen geöffnet. Hier hilft man sich jetzt mit einem Notfall-Konzept und liefert die Lebensmittel aus. Ein organisatorischer und logistischer Kraftakt. 50.000 Haushalte sollen beliefert werden. Mit dem Auto und zum Teil auch mit dem Fahrrad. Es braucht Fahrzeuge, Mitarbeiter und einen ausgeklügelten Routenplan. 900 Freiwillige haben sich laut Berliner Tafel gemeldet, ohne, dass man einen Aufruf gestartet hat.

Was tun, wenn die Arche geschlossen hat?

In Berlin haben nicht nur viele Tafeln, sondern auch die Arche geschlossen. Die kümmert sich vor allem um Kinder aus sozial schwächeren Familien. Normalerweise gibt es hier Mittagessen, Freizeitprogramm für Kinder, eine Lebensmittelausgabe. Auch hier macht die Not erfinderisch. Die Lebensmittel verpacken sie jetzt fertig in Tüten. Sie können dann an der Arche abgeholt werden.

So hat es Jessica Laue auch schon zwei Mal gemacht. Die Mutter von drei Kindern lebt in Berlin-Marzahn und bekommt Hartz IV. "Ich habe zum zweiten Mal dort Lebensmittel abgeholt. Dosengerichte, Nudeln, Tomaten. Sonst sind wir dort in den Ferien immer essen gegangen." Auch das Schulessen der Kinder fällt jetzt weg, die Schulen sind ja geschlossen. Jessica Laue sagt, sie sei schon gespannt auf ihre Stromrechnung, jetzt wo sie jeden Tag zu Hause kochen muss. Für die Kinder fällt die Arche als Treffpunkt mit Freunden oder für Freizeitaktivitäten weg. Dafür gibt es jetzt online Hausaufgabenhilfe oder vorlesen am Livestream.

Die Corona-Krise ist eine große Herausforderung für alle. Für die, die auf Unterstützung angewiesen sind, ist sie oft noch ein bisschen größer.

Wie besonders Familien Hilfe bekommen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.