Angela Merkel hatte es vorausgesagt, aber diese Entwicklung schockt die Politik

Die Bundeskanzlerin hatte davor gewarnt - ihre düstere Prophezeiung erfüllt sich früher als gedacht

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, aufgenommen im Rahmen einer Regierungserklaerung zur Politik der Bundesregierung in der
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30. Oktober 2020 - 16:05 Uhr

von Heike Boese

Für Weihnachten hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor möglichen 19.200 Neuinfektionen am Tag gewarnt – schon heute meldet das Robert-Koch-Institut eine neue Rekordzahl von 18.681 Neuinfektionen binnen eines Tages. Am Donnerstag hatte der Wert bei 16.774 gelegen, am Mittwoch bei 14.964. Ganz klar, die Kure geht steil nach oben. Gut möglich, dass die 20.000er-Marke schon am Wochenende geknackt wird.

Die Politik stemmt sich mit einem neuen Teil-Lockdown gegen diese Entwicklung. Ob das reicht, werden wir erst in zwei bis drei Wochen wissen. Solange dauert es, bis eine Infektion nachzuweisen und somit in der Statistik sichtbar ist.

Kleiner Lichtblick: der R-Wert geht leicht zurück

Insgesamt haben sich laut RKI seit Beginn der Pandemie bundesweit 499.694 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg auf 10.349. Das RKI schätzt, dass rund 345.700 Menschen inzwischen genesen sind. Allerdings gibt es auch erste, vorsichtige Anzeichen dafür, dass sich das Infektionsgeschehen wieder vermindern könnte.

Demnach ist der sogenannte R-Wert, der angibt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt, seit Anfang der Woche leicht zurückgegangen und liegt jetzt knapp unter eins. Das bedeutet, dass jeder Infizierte statistisch weniger als eine weitere Person ansteckt.

Politiker malen ein düsteres Bild der aktuellen Lage

Trotzdem: die Politiker werden nicht müde, den Ernst der Lage zu erklären. Zum Teil in sehr drastischen Worten. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, CSU, hat eindringlich zum gemeinsamen Kampf gegen den ungebremsten Anstieg der Corona-Zahlen aufgerufen. "In ganz Europa wütet die Pandemie", sagte Söder am Mittag in einer Regierungserklärung im Landtag in München. Die zweite Welle sei da, und diese sei schlimmer als zuvor.

Söder warnte insbesondere vor einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, sollten die Zahlen weiter ansteigen wie bisher. Nichtstun hätte dramatische Folgen. Deshalb müsse man jetzt handeln.

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, SPD, hat die neuen Corona-Einschränkungen verteidigt und für den Fall, dass sie nicht den gewünschten Erfolg bringen, schon jetzt weitere Maßnahmen angekündigt. "Wenn wir es jetzt nicht schaffen, das Infektionsgeschehen nachhaltig einzudämmen, landen wir bei ganz anderen Infektionszahlen und letztlich auch bei einer ganz anderen Gefahr für unsere freie Lebensführung. Das ist gerade vorbeugender Brandschutz.", sagte Weil der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Steinmeier unterstützt die Politik der Bundesregierung

Auch der Bundespräsident hat sich hinter die Corona-Politik der Bundesregierung gestellt. Frank-Walter Steinmeier sagte bei seinem ersten Termin nach überstandener Corona-Quarantäne in Berlin: "Jeden Tag neue Höchstwerte – das kann man so nicht laufenlassen, deshalb hat die Bundesregierung zur richtigen Zeit richtig entschieden."

Experten erwarten einen Anstieg psychischer Erkrankungen und häuslicher Gewalt

Die Politik versucht, die Folgen des Lockdown für die Wirtschaft – insbesondere die Gastronomie, die Hotellerie, Kunst und Kultur – mit einem milliardenschweren Hilfspaket abzufedern. Ob das gelingt, ist ungewiss. Neben den wirtschaftlichen Einbußen warnt die Weltgesundheitsorganisation zudem vor einem Anstieg psychischer Erkrankungen und häuslicher Gewalt.

Damit müsse man nach den Erfahrungen des ersten Lockdown rechnen. Dieses Mal liegen die Nerven jetzt schon blank, die Geduldsschnur wird sicher noch ein Stückchen kürzer sein. Und der Lockdown – ausgerechnet im ohnehin grauen November – hat noch gar nicht begonnen.

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