26. April 2017 - 15:35 Uhr

Zurzeit 60.000 abgelehnte Asylanträge in Deutschland

Zurzeit gibt es rund 60.000 Flüchtlinge in Deutschland, deren Asylantrag abgelehnt wurde. Normalerweise müssten sie sofort abgeschoben werden. Doch bevor es dazu kommt, tauchen einige von ihnen unter. So auch der 20-jährige Jamal (Name von der Redaktion geändert).

Flüchtlinge nutzen Schlupfloch um doch noch Asyl in Deutschland zu beantragen

Die gesamte Familie des Syrers lebt inzwischen in Deutschland. Da Jamal aber bei seiner Flucht über das Mittelmeer in Spanien registriert wurde, muss er laut EU-Recht auch dort einen Antrag auf Asyl stellen. Um trotzdem bei seiner Familie sein zu können, ist er in Deutschland untergetaucht. Damit er nicht auffliegt, verlässt er nur selten seine Wohnung. Zu groß ist die Angst, bei polizeilichen Kontrollen erwischt zu werden.

Denn als Jamal in Spanien registriert wurde, wurden auch seine Fingerabdrücke abgenommen. Die Behörden wüssten somit sofort Bescheid, dass er eigentlich nicht nach Deutschland gehört. Innerhalb von sechs Monaten müsste Jamal dann nach Spanien überführt werden. "Wenn derjenige dann untertaucht, verlängert sich die Frist auf 18 Monate. Danach ist praktisch nicht mehr das andere EU-Land zuständig, sondern Deutschland", sagt Anna Toth, Anwältin für Asylrecht. Das heißt: Nach Ablauf der 18-monatigen Frist kann Jamal offiziell Asyl in Deutschland beantragen. Und bis dahin nicht gefunden zu werden, ist einfacher, als viele denken. "Die Behörden haben ja keine Chance mich zu finden, weil ich mich verstecke und unauffällig verhalte", sagt Jamal. Er spielt einfach weiter Verstecken, die Zeit arbeitet für ihn.

Um zu verhindern, dass abgelehnte Flüchtlinge untertauchen, fordern einige Politiker unangekündigte Abschiebungen. "Wenn jemand untergetaucht ist, ist es sehr schwierig, seiner habhaft zu werden", sagt der CDU-Politiker Ansgar Heveling.