Diana zur Löwen im Interview

"Parteien müssen lernen, unsere Themen aufzugreifen"

Diana zur Löwen in einem EU-Promo-Video
© Diana zur Löwen

27. Mai 2019 - 21:19 Uhr

Von Philipp Sandmann

Das Video von YouTuber Rezo ("Die Zerstörung der CDU") war das Thema im Vorfeld der Europawahl. Die CDU reagierte nervös auf die harte Kritik. Dann sollte CDU-Jungstar Philipp Amthor die Sache in Ordnung bringen. Allerdings blieb seine Videoantwort gewissermaßen im Uploadfilter der Union hängen. Ein paar Tage später holte sich Rezo wiederum Unterstützung von 90 YouTube-Kollegen – und die wurden in einem offenen Brief noch deutlicher: "Daher bitten wir euch alle, wählt nicht die CDU, wählt nicht die CSU und wählt auch nicht die SPD." Auch Influencerin Diana zur Löwen (640.000 Abonnenten) unterschrieb den Brief. Im RTL.de-Interview verrät sie ihre Beweggründe dafür.

Diana zur Löwen im RTL.de-Interview

  • Wen hast du bei der Europawahl gewählt?

Diana zur Löwen: Das möchte ich nicht verraten. Das bleibt mein Wahlgeheimnis.

  • Du hast den offenen Brief von deinem YouTube-Kollegen Rezo unterschrieben. Insofern hast du wahrscheinlich nicht die CDU, die SPD oder die AfD gewählt, richtig?

Ja genau. Das kann man auf jeden Fall sagen.

  • Bist du froh über den Ausgang der Europawahl?

Also ich würde das schon als gutes Ergebnis bewerten. Ich finde es toll, dass auch so viele kleine Parteien Sitze bekommen haben. Natürlich ist es aber gleichzeitig nicht so schön zu sehen, dass der Drang nach rechts so stark ist. Ich habe mich am meisten über die hohe Wahlbeteiligung gefreut.

Ich habe dieses Jahr viel mit dem Europäischen Parlament zusammengearbeitet und es ist für mich schön zu sehen, dass man die Wahlbeteiligung von 48 Prozent auf über 60 Prozent steigern konnte. Europapolitik wird auf jeden Fall wieder relevanter.

  • Welche Auswirkung hatte Rezos deutliche Kritik an der CDU auf die jungen Wählerinnen und Wähler? Hat es womöglich das Ergebnis der Europawahl verändert?

Ich glaube man kann nicht genau sagen, welche Auswirkungen dieses Video hatte. Ich glaube eher, dass es schon seit längerer Zeit klar war, dass sich die jungen Menschen wieder mehr für Politik interessieren. Viele waren schon bei den Artikel-17-Demonstrationen [Uploadfilter, Anmerkung der Red.] draußen. Da haben sich schon viele YouTuber beteiligt und tausende junge Menschen waren auf den Straßen.

"Fridays for Future" sollte man auch nicht vergessen, auch wenn da Viele unter 18 sind. Das war einfach in der Social-Media-Welt sehr präsent. Das Video von Rezo hat das alles dann zum Abschluss nochmal getoppt. Generell ist das Thema Politik wieder mehr in den Alltag der jungen Menschen gerückt.

  • Was hat dich inhaltlich an dem Video von Rezo überzeugt und warum hast du den offenen Brief unterschrieben?

Ich habe sehr mit mir gehadert, ob ich da mitmachen möchte oder nicht. Aber Rezo ist ein Kollege von mir und ich fand seine Tat sehr mutig. Ich bewundere es, dass er sich mit so viel Hingabe diesem Thema gewidmet hat. Das wollte ich unterstützen und auch zeigen, dass wir als YouTuber ernst genommen werden wollen. Die Politiker suchen selten das Gespräch mit uns. Jetzt habe ich das Gefühl, dass sich daran etwas ändern könnte. Ich habe schon viele Anfragen von Politikern.

  • Wie findest du Rezos konkrete Kritik an der CDU?

Ich habe großen Respekt davor, dass Rezo so etwas gemacht hat. Ich habe auch viel mit meiner Community darüber diskutiert, wo der Grat ist zwischen seine Zuschauer zu informieren oder sie politisch zu beeinflussen. Das ist gar nicht so einfach.

Die Frage ist: Müssen wir als Influencer neutral bleiben? Sind wir Journalisten oder Redakteure? Oder dürfen und sollten wir unsere eigene Meinung in aller Deutlichkeit äußern. Wäre Rezo nicht so deutlich geworden, dann wäre auch nicht so eine große Diskussion entstanden.

HANDOUT - 22.05.2019, ---: Die undatierte Aufnahme zeigt den YouTuber Rezo. (zu dpa «Youtuber Rezo legt mit neuem Video nach») Foto: Privat/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur m
YouTuber Rezo erreichte mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" Millionen Klicks - die CDU fand keine passende Antwort
© dpa, jai
  • War die Reaktion der CDU auf das Video angemessen?

Ich hätte mir da eine fundierte Antwort gewünscht. Es wurde ja auch ein Video gedreht von der CDU, was dann aber nicht veröffentlicht wurde. Die Politik muss ernsthafter mit den jungen Menschen umgehen!

  • Kannst du die Kritik an dem Video von Rezo verstehen – gerade in Sachen Faktenchecking?

Das kann ich schon verstehen, aber ich glaube, dass man ihm da trotzdem viel Glaubwürdigkeit schenken sollte. Natürlich kann man einige Argumente widerlegen. Aber es ist sehr mutig, dass er sich getraut hat, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Er hat damit etwas angestoßen und die jungen Menschen zum Nachdenken angeregt.

  • Werden YouTuber jetzt richtig Druck auf die große Koalition machen? Kommt da noch mehr?

Diana zur Löwen: Aus Spaß habe ich schon gesagt, dass es bei den nächsten Europawahlen die junge YouTuber-Partei geben wird (lacht). Auszuschließen wäre nicht, dass auch YouTuber sich noch politischer engagieren, aber es passiert auch schon viel in dem Bereich. Ein Beispiel in meiner Social-Media-Blase: Die Petition, dass die Luxussteuer bei Periodenprodukten gesenkt wird. Da fehlen noch rund 7000 Unterschriften. Das zeigt doch, welche Themen z.B. jungen Frauen wichtig sind und dass sie auch Veränderung wollen.

Social Media wird politischer. Ich weiß nur nicht, inwiefern das auch Druck auf die Parteien ausübt. Ich glaube, dass die Parteien uns zuhören sollten und lernen müssen, unsere Themen aufzugreifen.