DGB-Studie: Große Einkommensunterschiede bei jungen Arbeitnehmern

23. November 2014 - 19:32 Uhr

Job-Zufriedenheit und Zukunftssicherheit eher gering

Dem Fachkräftemangel zum Trotz - viele junge Menschen haben es in den ersten Jahren des Arbeitslebens schwer. Die Hindernisse für feste, erfüllende Jobs erscheinen mitunter fast unüberwindbar. Und auch beim Einkommen klaffen große Unterschiede. Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer unter 35 Jahren kommt nicht über einen Monatslohn von 1.500 Euro brutto hinaus. Bei 14 Prozent sind es sogar nur bis zu 800 Euro brutto.

DGB-Studie: Große Einkommensunterschiede bei jungen Arbeitnehmern.
Beim Einkommen junger Beschäftiger in Deutschland klaffen große Unterschiede.
© dpa, Hendrik Schmidt

Die neue Sonderauswertung einer bereits vorgestellten Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt Arbeitsbedingungen junger Beschäftigter in Deutschland: 37 Prozent verdienen zwischen 1.500 und 2.500 Euro brutto, 28 Prozent mehr. Insgesamt machen die Zahlen deutlich, dass Job-Zufriedenheit und Zukunftssicherheit bei vielen jungen Beschäftigten eher gering sind, wenn auch längst nicht bei allen.

Frauen nennen oft schlechtere Bedingungen als Männer. "Junge Frauen arbeiten deutlich häufiger befristet, in Teilzeit oder in Minijobs als junge Männer", so DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Das entspreche meist nicht den Wünschen der Betroffenen - gute Arbeitsbedingungen seien für beide Geschlechter nötig. Nötig seien auch Schritte der Politik etwa gegen befristete Arbeitsverträge in Fällen, in denen Gründe für die Befristung wie Elternzeit oder Krankheitsvertretung fehlen.

Nötig seien Respekt, Arbeitsplätze mit Perspektive und Einkommen

Der DGB sieht - auch angesichts von lauter werdenden Forderungen der Wirtschaft nach weniger Regulierung - jetzt die Zeit reif, auf den Abbau bestehender Hürden für viele junge Menschen zu drängen. Nötig seien Respekt, Arbeitsplätze mit Perspektive und Einkommen, von denen man anständig leben kann, so Haggenmiller.

Zentrale Tendenzen aus dem Report zeigen:

BEFRISTUNG: 21 Prozent der Unter-30-Jährigen sagten in der Umfrage, sie hätten nur einen befristeten Job. Bei den Unter-35-Jährigen: 15 Prozent, bei den Älteren 5 Prozent. Von der bei Jüngeren häufigeren atypischen Beschäftigung jenseits der unbefristeten Anstellung in Vollzeit sahen sich vor allem Frauen betroffen. Viel atypische Beschäftigung gibt es im Gastgewerbe.

JOB-SICHERHEIT: Bei den Sorgen um die berufliche Zukunft sind die Unterschiede zwischen Jung und Alt geringer - 22 Prozent der Unter-35-Jährigen meinten, von Zukunftssorgen geplagt zu sein, aber auch 20 Prozent der Älteren. Konkrete Angst um ihren aktuellen Job benannten Ältere häufiger als Jüngere.

STRESS: Drei Viertel der jungen Beschäftigten gaben an, mindestens gelegentlich Arbeitsstress zu haben - weniger als bei den älteren Beschäftigten (81 Prozent). Junge weibliche Beschäftigte spürten viel häufiger Stress (86 Prozent) als junge Männer (66 Prozent). Mehr als jeder dritte junge Beschäftigte beklagte, auch in der arbeitsfreien Zeit nicht richtig abschalten zu können - bei den Beschäftigten über 35 waren es etwas mehr. Betroffen vor allem: Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter.

Die Arbeitgeber entgegneten: "Die Umfragen und Erkenntnisse unabhängiger Institutionen zeichnen ein anderes Bild von den Arbeitsbedingungen in Deutschland." Fast 90 Prozent der in anderen Studien befragten Beschäftigten seien mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Im Übrigen senkten flexible Beschäftigungsformen Einstiegshürden und böten längerfristige Beschäftigungsperspektiven. "Fast drei Viertel der zunächst befristet Beschäftigten erhalten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung." Der Anteil der Übernahmen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.