Vorgaben-Katalog geleakt

Sieben Punkte: Mit diesen Regeln sollen Geisterspiele in der Bundesliga möglich werden

22. April 2020 - 21:42 Uhr

"DFL-Task-Force" legt umfassenden Plan vor

Die Bundesliga will weitermachen - trotz Corona-Krise. Damit die DFL (Deutsche Fußball Liga) grünes Licht von der Politik für die Austragung von Geisterspielen bekommt, hat eine dafür ins Leben gerufene "Task Force" einen umfangreichen Vorgaben-Katalog erstellt. Wie die einzelnen Schutzmaßnahmen aussehen sollen, die bestenfalls Liga-Spiele ab dem 9. Mai möglichen machen könnten, zeigen wir im Detail.

1. Zonierung im Stadion

Das Stadion wird in drei Zonen eingeteilt: Innenraum, Tribüne, Außengelände. In jeder Zone dürfen sich zeitgleich maximal etwa 100 Personen aufhalten, sodass insgesamt nicht mehr als 300 Personen während des Spiels rund um die Partie im Stadion anwesend sind.

Geplant wird beispielsweise im Innenraum mit den 22 Spielern auf dem Feld, neun Ersatzspielern plus zehn Teammitglieder pro Mannschaft auf den Bänken, fünf Schiedsrichtern, vier Balljungen sowie vier Ordnern – alle Positionen auf ein Minimum begrenzt.

2. Vorgaben für den Ablauf des Spieltags

Die DFL rät zu einem großen Maß an Abstand und Vorsicht bei der Anreise der Teams (z.B. mehrere Busse pro Mannschaft, unterschiedliche Wegführung zu den Kabinen), bei der Unterbringung im Stadion (Aufteilung der Mannschaft in mehrere Räume) und für das Einlaufen der Teams vor der Partie.

Es soll keine Einlaufkinder geben, kein "Shake Hands" zwischen den Teams und keine Mannschaftsfotos vor dem Anpfiff, damit die Fotografen im Innenraum ausschließlich hinter dem Tor und auf der Gegengerade positioniert werden können. Nach dem Spiel bleibt die Mixed-Zone für Interviews geschlossen, die Pressekonferenz mit den Trainern findet online statt.

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Die Bundesliga hofft darauf, ab dem 9. Mai mit Geisterspielen ihr Comeback zu feiern.
© dpa, Fabian Strauch, fst hpl

3. Hygienevorgaben

Neben den klassischen Hygienemaßnahmen (Hände waschen, desinfizieren, Nies- und Hustenhygiene) geht die DFL noch einen Schritt weiter: Spieler und Crew müssen vorab über "Infektsymptome" informiert werden, auch für sie gibt es Einlasskontrollen im Stadion – genauso für alle weiteren Zugangsberechtigten. Sie werden außerdem nach ihrem Gesundheitszustand befragt und ihre Körpertemperatur wird überprüft.

Auch in Sachen Verpflegung der Mannschaften gibt es konsequente Pläne. Trinkflaschen sollen beispielsweise personalisiert werden. Jedem Team soll außerdem vorab vorbereitetes und eingepacktes Essen des eigenen Kochs zur Verfügung gestellt werden – klassisches Catering im Stadion soll es nicht geben.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass das Verhalten aller beteiligten Personen natürlich unter besonderer Beobachtung in der Öffentlichkeit stehen wird, sollte es zu Geisterspielen kommen. Daher sei ein besonderes Maß an Vorsicht geboten, um der Vorbildfunktion gerecht zu werden.

4. Vorgaben für die TV-Produktion

Auch das Fernseh-Produktionsteam rund um das Stadion soll gesundheitlich geschützt werden. Dies bedeutet auch, dass die Mitarbeiter möglichst abgetrennt zum sportlichen Bereich am Spieltag arbeiten. Außerdem sollen die Verantwortlichen der Produktion mit den Hygienebeauftragten der Clubs zusammenarbeiten, um für einen regelkonformen Ablauf je nach Stadion zu sorgen.

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Während in Österreich bei Sturm Graz mit Mundschutz auf dem Rasen trainiert wird, sollen die Bundesliga-Profis nur im Fitnessraum Mundschutz tragen müssen.
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5. Vorgaben zur Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings

Nicht nur rund um die Geisterspiele plant die DFL besondere Vorgaben als Folge der Corona-Pandemie – auch die Teamtrainings als Vorbereitung auf die geplanten Geisterspiele würden nur mit Vorsichtsmaßnahmen stattfinden können.

Die Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit könnten zwar mit der gesamten Mannschaft absolviert werden, fernab des Platzes soll aber der Abstand unter Mitspielern gewahrt werden. Heißt: Die Nutzung der Teamräumlichkeiten (Kabine, Dusche, etc.) soll nur in kleinen Gruppen stattfinden, gemeinsame Mahlzeiten wird es nicht geben. Die Fitnessgeräte dürfen nur mit Handschuhen und Mundschutz genutzt werden, außerdem soll die Spieler ihre Trainingskleidung selbst waschen oder selbstständig in die Waschmaschine räumen – zum Schutz des Zeugwarts, der dazu verpflichtet ist, Schutzkleidung zu tragen.

6. Hotelunterbringung der Mannschaften mit Auflagen

Die Teams dürfen am Spielort in Hotels untergebracht werden, müssen dort aber auch strikte Vorgaben beachten. So soll das Hotel entweder exklusiv für das Team geöffnet sein oder aber die Mannschaft wird auf einer gesonderten Etage oder in einem gesonderten Bereich untergebracht, sodass der Kontakt zu möglichen anderen Gästen vermieden wird.

Bereiche wie Sauna, Fitnessraum oder die Bar dürfen nicht genutzt werden - außer das Hotel sperrt diese Bereiche für das Team ab.

7. Vorgaben für die häusliche Hygiene – auch im Quarantäne-Fall

Auch im privaten Umfeld legt die DFL Spielern und Teammitgliedern besondere Aufmerksamkeit auf die Hygiene- und Schutzmaßnahmen nahe.

Sollte es zu einer Infizierung mit dem Coronavirus kommen, soll sich der betroffene Spieler oder Betreuer sofort in Selbstisolation begeben. Wird ein Spieler positiv getestet, zeigt aber keine Symptome, könnte er ggf. individuell in Quarantäne trainieren, um der Mannschaft nach 14 Tagen wieder zur Verfügung zu stehen.

Kurios: Die DFL empfiehlt den Clubs, positive Corona-Testergebnisse nicht direkt an die Medien zu kommunizieren. Im Vordergrund sollte stattdessen die Verifizierung und die Dokumentation des vermutlichen Übertragungswegs stehen.

Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Sport rund um die Corona-Krise in unserem Ticker.