Große Zweifel an Löws Entscheidung

Rufe nach Müller, Boateng und Hummels so laut wie nie

18. November 2020 - 10:40 Uhr

Spanien-Debakel heizt Thema wieder an

Auf Jogi Löw warten schwere Monate. Monate ohne Länderspiel, in denen seine Mannschaft den miserablen Eindruck der 0:6-Klatsche gegen Spanien in der Nations League nicht graderücken kann. Monate, in denen er und sein Team die Europameisterschaft im Sommer 2021 vorbereiten müssen. Doch mit welchen Spielern reist der Bundestrainer zum Turnier? Die öffentlichen Zweifel und kritischen Stimmen für seine Entscheidung, sich von seinem WM-Trio Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels getrennt zu haben, sind auf einmal wieder riesig. Die Rufe, fast schon Schreie nach den Routiniers sind auch für Löw nicht zu überhören.

Schweinsteiger: "Warum nicht für die Nationalmannschaft?"

"Der Bundestrainer und sein Team haben eine Meinung dazu, ich persönlich habe leider eine andere", sagte Ex-DFB-Kapitän Bastian Schweinsteige in der ARD: "Solche Spieler wie Jérôme Boateng und Thomas Müller haben das Triple gewonnen, mit der besten Mannschaft in Europa. Die spielen da in der ersten Elf und haben Qualität, sind deutsche Spieler. Warum nicht für die Nationalmannschaft?"

"So ein Gesamt-Versagen habe ich noch nie gesehen. Es wird weiter die Diskussion um Hummels und Boateng geben. Man braucht diese Führungsspieler nach so einer Niederlage! In Sachen Teamführung wird Müller genannt werden", meinte auch Lothar Matthäus in der "Bild", betonte aber: "Ich glaube nicht, dass Jogi Löw von seiner Meinung bei den dreien abweicht."

Auch Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann meldete sich zu dem Thema beim US-TV-Sender ESPN zu Wort: "Es gibt keinen Bedarf für einen neuen Trainer. Dann drehte man komplett durch, welche Botschaft sendet man denn damit aus?", fragte Klinsmann – er weiß aber auch, dass vor Löw nun bis zur EM ein weiter Weg liegt. "Es gibt viele, viele Punkte, die man ansprechen muss. Du muss jetzt durch die Gegend fliegen und die Spieler persönlich oder in kleinen Gruppen sprechen."

Klinsmann sieht keine Führungsperson im Team

"Das größte Fragezeichen ist sicherlich das Thema Führung. Wer ist der echte Anführer dieser Mannschaft?", fragte Klinsmann sich. "Niemand auf dem Platz außer Manuel Neuer als Torhüter hat diesen Schritt gemacht in den vergangenen zwei Jahren. Das ist wirklich traurig zu sehen. Es fehlt ein Anführer, eine Persönlichkeit, die nach dem zweiten oder dritten Tor ein Signal setzt."

Ohne Zweifel: "Das ist ein großes, großes Problem für das deutsche Team nur sechs oder sieben Monate vor dem EM-Start."

Löw betonte jedoch, für eine Rückholaktion gebe es aktuell "keinen Grund". Sein Vertrauen in die junge Mannschaft sei "jetzt nicht völlig erschüttert". Man müsse die Situation um Hummels, Müller und Boateng "zum richtigen Zeitpunkt bewerten", betonte der 60-Jährige.

Auch Özil heizt Diskussion an

Klinsmann hingegen würde schon jetzt handeln. "Leroy Sané, Serge Gnabry - die alle folgen Thomas Müller auf dem Platz, deswegen sind die Bayern seit ich weiß nicht wie lange ungeschlagen in der Champions League", so Klinsmann.

Selbst der im Streit mit dem DFB-Team auseinander gegangene Mesut Özil mischte sich in die Diskussion ein und twitterte, es sei "Zeit, Jérôme Boateng zurückzuholen".

RTL.de/dpa/SID