DFB-Team eröffnet Mission Neubeginn mit einem 0:0 gegen Frankreich

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7. September 2018 - 12:50 Uhr

Deutschland nach WM-Debakel stark verbessert

Joachim Löw hat das Unternehmen Neuaufbau mit einem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich eröffnet. 75 Tage nach dem desaströsen Vorrunden-Aus bei der WM präsentierte sich das DFB-Team taktisch erheblich verbessert und hätte die erste Partie der neu gegründeten Nations League dank einer starken Schlussphase beinahe gewonnen.

Löw zeigt sich zufrieden

"Die Mannschaft hat es gut gemacht, wir waren gut organisiert, haben keine Konter zugelassen, viele Zweikämpfe angenommen und gewonnen. Wir hätten den Weltmeister heute auch bezwingen können", bilanzierte Löw.

Was meinen Sie? Die deutschen Spieler in der Einzelkritik

Löw stellt taktisch spürbar um

Nominell war von einem Neubeginn nicht viel zu sehen: Löw schickte elf WM-Fahrer aufs Feld, die Neulinge Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz nahmen dagegen ebenso wie Rückkehrer Leroy Sané und der viel gescholtene Ilkay Gündogan auf der Bank Platz.

Taktisch sah das Ganze dann aber doch ganz anders aus als bei der Chaos-WM: Der Bundestrainer opferte einen Offensivspieler zugunsten einer zusätzlichen Absicherung in Person von Joshua Kimmich, der auf ungewohnter Position zentral vor der Viererabwehrkette den Abräumer und Spieleröffner mimte. Ähnlich wie es Vorbild Frankreich bei der WM in Russland tat, stürmte das DFB-Team so nur mit drei Mann (Marco Reus, Thomas Müller und Timo Werner).

Hinten rechts und links verteidigten überraschend Matthias Ginter und Antonio Rüdiger neben den Innenverteidigern Mats Hummels und Jerome Boateng, das Tor hütete Kapitän Manuel Neuer. Im zentralen Mittelfeld begann zudem Leon Goretzka neben Deutschlands frisch gekürtem Fußballer des Jahres, Toni Kroos.

Deutschlands Defensive steht

Akrobatisch: Thomas Müller probiert es per Seitfallzieher
Akrobatisch: Thomas Müller probiert es per Seitfallzieher
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Löws Plan ging zunächst auf. Sein Team stellte die Räume deutlich enger zu als noch in Russland, die Balance zwischen Offensive und Defensive wirkte austarierter. Ein Beleg: Erst nach 36 Minuten schossen die Franzosen zum ersten Mal aufs Tor, Neuer war bei Olivier Girouds Kopfball zur Stelle.

Auch die Einstellung stimmte: Ginter, Müller und Co. grätschten hinter jedem Ball her, der Wunsch nach Wiedergutmachung war den gescheiterten WM-Fahrern deutlich anzumerken.

So viel zu den guten Nachrichten.

Viel Ballbesitz und wenig Chancen

Musste nur selten eingreifen: Manuel Neuer
Musste nur selten eingreifen: Manuel Neuer
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Die Schlechten: Nach vorne hin ging für Deutschland lange überhaupt nichts. Spielkultur? Fehlanzeige. Schnelles Umschaltspiel? Nicht vorhanden. Offensive Kreativität? Von Reus und Co. nicht zu sehen. Torchancen? Nun ja, freundlich formuliert sehr wenige. Abgesehen von einer Einzelaktion von Timo Werner (entschärft von Keeper Alphonse Areola/18.) und einem missglückten Kopfballversuch des nach einer Kroos-Ecke freistehenden Rüdiger (35.) gab es nichts Erwähnenswertes zu berichten.

Auch die angekündigte Abkehr vom Ballbesitz-Fußball gelang nicht: Frankreich hatte nur zu 38 Prozent den Ball, die Quote des DFB-Teams lag dagegen bei 62 Prozent.

Zur Pause applaudierten die 67.485 Zuschauer in der ausverkauften Münchner Allianz Arena trotzdem aufmunternd.

Vereinzelte Pfiffe gegen Gündogan

Empfang mit ein paar Pfiffen: Ilkay Gündogan
Empfang mit ein paar Pfiffen: Ilkay Gündogan
© dpa, Federico Gambarini

Deutschland kam unkonzentriert aus der Kabine und Antoine Griezmann aus zehn Metern ungestört zum Abschluss (49./Neuer war zur Stelle). Glück hatte der Gastgeber, als ein Pass auf den durchlaufenden Giroud nicht ankam (53.). Dann fand Deutschland wieder in die Spur und Reus den Weg zum Tor: Areola verhinderte mit einer Glanztat den Führungstreffer des DFB-Teams (64.).

Gleich darauf kam Gündogan für Goretzka ins Spiel und das Publikum reagierte gemischt darauf: Ein Großteil spendete Applaus, einige Fans pfiffen Gündogan aber auch aus.

Plötzlich Powerplay: Frankreichs Keeper verhindert Deutschlands Sieg

In der Schlussphase der Partie löste Deutschland die Fesseln und stürmte auf das Tor der Franzosen zu. Areola war bei einem Hummels-Hammer zur Stelle (72.), lenkte einen 18-Meter-Schlenzer von Müller überragend über den Querbalken (74.) und sein Reflex gegen Ginter gehörte Sekunden später sogar in die Kategorie Weltklasse (75.). Zudem blockte Frankreichs Defensive einen Schuss von Gündogan in großer Bedrängnis ab (77.) und verhinderte damit einen perfekten Neubeginn des DFB-Teams.

Schon am Sonntag geht es weiter mit der Mission Wiedergutmachung, wenn in Sinsheim die peruanische Nationalmannschaft gegen die DFB-Elf zum Testspiel antritt. 

Das Spiel live bei RTL ab 20.15 Uhr oder online im Livestream bei TV NOW