Mit Wein und Blumen auf Entschuldigungs-Tour

DFB-Präsident Fritz Keller gibt Kampf um sein Amt nicht auf

Fussball Bundesliga - 19/20 - SC Freiburg vs. Borussia Dortmund - 05-10-2019 Fritz Keller (DFB Präsident), beim Fussbal
Fussball Bundesliga - 19/20 - SC Freiburg vs. Borussia Dortmund - 05-10-2019 Fritz Keller (DFB Präsident), beim Fussbal
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07. Mai 2021 - 6:18 Uhr

Keller bekommt Rückendeckung

Fritz Keller auf "Entschuldigungs-Tour": Der schwer angeschlagene DFB-Präsident kämpft weiter um seinen Job. Nach seinem Nazi-Vergleich hat er nun Rückendeckung bekommen - von der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

Entschuldigung bei früherer Präsidentin des Zentralrats der Juden

Eine Kiste edlen Wein und einen üppigen Blumenstrauß brachte Keller mit zum Entschuldigungs-Treffen mit Knobloch in München - nach mehreren Tagen auf Tauchstation. Bei dem Gespräch des DFB-Chefs mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ging es um den von Keller verursachten Nazi-Eklat.

Keller hatte seinen Stellvertreter Rainer Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen – und damit die Führungskrise des Verbandes dramatisch zugespitzt. Die öffentlichkeitswirksame Charmeoffensive von Keller macht deutlich, dass er den Kampf um sein Amt noch längst nicht aufgeben will.

Knobloch nimmt Entschuldigung von Keller an

Von Knobloch bekam er zumindest Rückendeckung: "Dass er mit seiner unbedachten Aussage einen Fehler gemacht hat, steht außer Frage. Er selbst hat dafür bereits um Entschuldigung gebeten", teilte die 88-Jährige mit: "Ein einziger verbaler Fehlgriff macht aber Kellers langjähriges Engagement nicht ungeschehen, und er ändert auch nichts an der Person Fritz Keller, die ich kenne und unverändert schätze."

Keller selbst versuchte noch einmal, seine verbale Entgleisung zu erklären. "Ich habe in einem Konflikt aus der Emotion heraus etwas gesagt, das ich zutiefst bedauere. Das hat mit mir und meiner Haltung nichts zu tun", ließ der DFB-Chef wissen: "Ich spreche deshalb derzeit mit verschiedenen Personen, um das wieder geradezurücken und bedanke mich sehr bei Charlotte Knobloch (...) für ihren Rat und ein sehr offenes Gespräch."

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Erster DFB-Präsident vor dem Sportgericht des Verbandes

Ob Kellers Entschuldigungs-Tour ausreichen wird, sich im Amt zu halten, scheint indes fraglich. Bei der DFB-Konferenz in Potsdam am vergangenen Wochenende entzogen die Chefs der Landes- und Regionalverbände Keller das Vertrauen und fordern seinen Rücktritt. Am Montag hatte dann die DFB-Ethikkommission den Fall Keller vor das Sportgericht gebracht. Es ist das erste Mal, dass sich ein DFB-Präsident vor dem Gericht verantworten muss.

Ferner beschäftigt sich die Ethikkommission des DFB mit dem Vorfall. Sprecher des Gremiums ist der Rechtsanwalt Bernd Knobloch, Sohn von Charlotte Knobloch. Für zahlreiche Kritiker ist Keller nach seiner unsäglichen Äußerung allerdings nicht mehr tragbar - sie sehen seinen Rücktritt als längst überfällig an.

Keller sieht seine Mission noch nicht erfüllt

Nur Keller ist offenbar noch nicht zu dieser Einsicht gekommen. Aus Verbandskreisen ist zu hören, dass er seine Mission beim DFB als längst nicht erfüllt ansieht: Offenbar möchte der frühere Clubchef des SC Freiburg in jedem Fall, dass die umstrittene Vorgehensweise von DFB-Vizepräsident Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge rund um den fragwürdigen Vertrag mit einem Kommunikationsberater ans Licht kommt.

Im Profilager möchte man bei einem Abgang von Keller nur zu gern auch den Rest der DFB-Führungsriege gehen sehen. Das könnte der DFB-Vorstand in die Tat umsetzen: Bei einer Sondersitzung könnte er für einen Rückzug aller zerstrittenen DFB-Führungskräfte votieren und so den Weg für einen Neuanfang freimachen. Für diesen Fall hat sich Ute Groth zwei Jahre nach ihrer Bewerbung als DFB-Präsidentin erneut in Stellung gebracht.

WWI

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