Kontrollausschuss prüft Protestaktionen

DFB kündigt "Besonnenheit und Augenmaß an"

02. Juni 2020 - 10:31 Uhr

"Sachverhalte entsprechend prüfen"

Die Proteste in der Bundesliga gegen Rassismus und Polizeigewalt werden vom Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes geprüft. "Im Laufe der nächsten Tage", kündigte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner an, werde man sich "diesen Vorkommnissen annehmen und die Sachverhalte entsprechend prüfen."

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA hatten Weston McKennie (Schalke 04) sowie Jadon Sancho und Achraf Hakimi (beide Borussia Dortmund) mit Botschaften am Arm und auf dem T-Shirt ("Justice for George") reagiert. Solche Äußerungen sind laut Regelwerk eigentlich verboten. Zudem demonstrierte Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach) mit einem Kniefall seine Solidarität. Auch Kölns Stürmer Anthony Modeste reagierte nach seinem Tor gegen RB Leipzig mit einer Geste. Auch sein Verein teilte das Bild und bezeichnete die Aktion als "klares Signal".

Die Fußballprofis müssen aber offenbar nicht mit strengen Strafen zu rechnen. "Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Kontrollausschuss das Thema mit Besonnenheit und Augenmaß behandeln wird", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, der DPA.

Bisher gab es in solchen Fällen in Deutschland keine Sperren oder hohe Geldstrafen. "In der Vergangenheit war es üblicherweise so, dass die betroffenen Spieler vom Kontrollausschuss ermahnt wurden", sagte der 69-Jährige. 

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hatte sich zuvor bemüht, die Wogen zu glätten. Es sei die grundsätzliche Aufgabe des Kontrollausschusses, "die Einhaltung der Satzung und Ordnungen des DFB zu überwachen und bei Verstößen den Sachverhalt zu überprüfen", sagte er auf dfb.de: "Ob es in den vorliegenden Fällen zu Sanktionen kommen muss, bleibt abzuwarten."

DFB-Präsident Fritz Keller zeigte grundsätzliches Verständnis für die Aktionen der Spieler: "Ich habe großen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz."

Moralisch könne er die Aktionen am vergangenen Wochenende "absolut verstehen. Was in den USA passiert ist, kann niemanden kalt lassen", so Keller.

US-Sheriff schließt sich Demonstranten an

Floyd war vor einer Woche nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben. Seitdem lassen die Demonstrationen und Proteste in den USA nicht nach. Weltweit haben auch viele Sportler deutlich gegen Rassismus Stellung bezogen, darunter die Spieler des FC Liverpool mit einem symbolischen Kniefall.

Diese Geste hatte der Footballer Colin Kaepernick 2016 geprägt, als er vor NFL-Spielen während der US-Nationalhymne kniete, um ein Zeichen gegen Polizeigewalt und Rassismus zu setzen. Auch Kaepernick verteidigte die Proteste gegen Polizeigewalt.

RTL.de/DPA/SID