Tag der Wahrheit

Löw bricht sein Schweigen: Pressekonferenz für Montag angekündigt

06. Dezember 2020 - 16:11 Uhr

Löw will sich zur Situation der Nationalelf äußern

Seit dem 0:6-Debakel gegen Spanien kommt die deutsche Nationalmannschaft nicht zur Ruhe. In der öffentlichen Kritik steht vor allem er: Bundestrainer Joachim Löw. Der 60-Jährige hatte sich nach der historischen Pleite komplett zurückgezogen, was die Kritik nur verstärkte. Jetzt will Löw offenbar zum Gegenschlag ausholen: Am Montag (07. Dezember) will sich der Bundestrainer zur Situation der Nationalmannschaft äußern. Im Video zeigen wir noch einmal Löws letztes öffentliches Statement nach der Niederlage gegen Spanien.

Bierhoff: „Er hat absolut das Feuer, er hat klare Vorstellungen“

Fast drei Wochen lang war Joachim Löw öffentlich abgetaucht – nach der 0:6-Schmach sprachen andere, zuletzt stärkte DFB-Direktor Oliver Bierhoff dem Bundestrainer öffentlich den Rücken, brannte ein wahres Datenfeuerwerk ab, das zeigen soll: Löw ist der richtige Mann für den Job. Am Montag will sich Löw jetzt endlich selbst äußert, das Versteckspiel hat ein Ende. Noch vor der Auslosung der europäischen Qualifikationsgruppen für die WM 2022 in Katar wird er Stellung beziehen. In einem digitalen Pressegespräch will er sich zu den Dingen äußern, die die Fußball-Nation wirklich bewegen. Zwei Stunden später verfolgt er dann via Livestream die Auslosung in Zürich, die Deutschland dank Lostopf 1 vermeintlich leichte Gegner bescheren dürfte. Löw soll in kämpferischer Stimmung sein.

"Er hat absolut das Feuer, er hat klare Vorstellungen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Sonntag bei "Sky90": "Wenn er keine Energie und nach der Niederlage auch keine Wut im Bauch hätte, wäre das schlecht." An dieser Energie hatte es zuletzt vermehrt Zweifel gegeben. Für viele Fans und Experten ist die Zeit überreif, dass Löw seine Analyse und seine angebliche Auseinandersetzung mit DFB-Präsident Fritz Keller öffentlich erklärt. Und dass er Topspiele wie das am Samstagabend von Bayern München gegen RB Leipzig (3:3) live vor Ort schaut. Löw wäre "gut beraten, ein bisschen offensiver mit der Situation umzugehen", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Ihm sei es "im Moment beim DFB zu viel Oliver Bierhoff und zu wenig Joachim Löw", kritisierte er.

Video: Das sagen die Deutschen zum Löw-Verbleib

Klopp und aussortierter Müller stärken Löw den Rücken

Rückendeckung erhielt Löw, der sich im Laufe der Woche auch in Interviews äußern will, nicht nur vom DFB, sondern auch von Trainerkollegen wie Jürgen Klopp – der kein Interesse an einem neuen Job als Nationaltrainer hat. Der erfolgreiche Liverpool-Trainer wurde zuletzt immer wieder als möglicher Wunschnachfolger für Löw gehandelt. Klopp rät in der lauten öffentlichen Diskussion um Löw zu mehr Ruhe. "Offensichtlich ist die Situation für die Nationalmannschaft nicht immer so einfach. Die Menschen denken immer, der nächste Trainer macht es sofort besser", so der 53-Jährige in der "Welt am Sonntag". "Trainer sind nicht immer der einzige Grund, wenn es gut läuft. Und sie sind auch nicht der einzige Grund, wenn es nicht ganz so gut läuft." Von ihm gebe es "0,0 Prozent Kritik, weil ich dazu keinen Anlass sehe", erklärte Klopp.

Auch der aussortierten Thomas Müller steht hinter der DFB-Entscheidung pro Löw und fordert mehr Zuspruch, "damit wir wieder Schwung reinkriegen in die Bude - und mit Joachim Löw kriegen wir auch wieder Schwung rein." Spekulationen um eine mögliche Rückkehr zur Europameisterschaft im kommenden Sommer wollte der Stürmer nicht anheizen: "Ich bleibe dran, den Rest schauen wir mal."

Bierhoff betonte, dass Löw die heiß diskutierte Frage über das Weltmeister-Trio Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng "nicht aus Prinzip oder Sturheit" entscheide. "Da der Trainer derjenige ist, der die Konsequenzen trägt, wird er mit der Mannschaft ins Turnier gehen, mit der er am erfolgreichsten sein kann."

Ein EM-Debakel kann sich Löw nach dem historischen Vorrunden-K.o. bei der WM 2018 in Russland nicht erlauben. Aber so weit wird es nicht kommen - glaubt Klopp. "Es gibt die riesengroße Chance, dass Jogi das Ding einfach dreht: Nächstes Jahr ist Europameisterschaft. Vielleicht gewinnt er oder kommt weit", sagte der Teammanager des FC Liverpool.

RTL/sid