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Deutschland trotzt Krise, Weltwirtschaft droht Absturz

Deutschland trotzt Krise, Weltwirtschaft droht Absturz

“Unterm Strich bleibt ein deutliches Plus an Kaufkraft“

Der Beschäftigungsboom und eine stabile deutsche Wirtschaft werden sich nach Einschätzung der Bundesregierung auch im Geldbeutel der Verbraucher auszahlen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften in diesem Jahr um drei Prozent zulegen, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bei der Vorlage des aktuellen Jahreswirtschaftsberichtes. Zugleich werde die Preissteigerung mit 1,8 Prozent moderat ausfallen.

Wirtschaftsminister Rösler hatte vornehmlich gute Nachrichten.
Wirtschaftsminister Rösler hatte vornehmlich gute Nachrichten.
dpa, Stephanie Pilick

“Unterm Strich bleibt ein deutliches Plus an Kaufkraft“, sagte der Vizekanzler. Er warnte in den anstehenden Tarifrunden aber vor zu kräftigen Lohnerhöhungen. Dies befürworte er “ausdrücklich nicht“. Gerade die Lohnzurückhaltung sei Grundlage für die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt gewesen.

Steigende Beschäftigung, wachsende Einkommen und stabile Preise sind aus Sicht der Bundesregierung maßgeblich dafür verantwortlich, dass die deutsche Wirtschaft nach zwei Boomjahren auf moderatem Wachstumskurs bleibt und der Euro-Schuldenkrise weiter trotzt. Für dieses Jahr erwartet Schwarz-Gelb zwar nur noch ein Konjunkturplus von 0,7 Prozent. Aber schon 2013 könnte die Wirtschaft wieder anziehen und das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent steigen.

“Deutschland steht gut da. Unsere Wirtschaft ist robust“, sagte Rösler. "Von Rezession kann überhaupt nicht die Rede sein.“ Im Gegenteil: Deutschland bleibe Anker für Stabilität sowie Wachstum in Europa und habe die Krise weit schneller hinter sich gelassen als andere Industrieländer. Das Wachstum habe sich aber verlangsamt.

Was ist, wenn sich die Schuldenkrise zuspitzt?

Es werde jedoch nur eine vorübergehende Wachstumsdelle im Winter geben. In den ersten drei Monaten 2012 sei ein Konjunkturplus von 0,1 Prozent zu erwarten nach einem Rückgang um 0,3 Prozent im Vorquartal: “Allerdings sind wir fest davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft im Jahresverlauf wieder zu einem höheren Wachstum zurückfinden wird.“

Unterstellt wird bei der Konjunkturprognose allerdings, dass sich die Euro-Staatsschuldenkrise nicht weiter zuspitzt und die Beschlüsse des EU-Dezembergipfels auch umgesetzt werden. “Das größte Risiko (...) ist die Entwicklung auf den Finanzmärkten, insbesondere in der Eurozone“, sagte Rösler. Europa müsse zu einer Stabilitätsunion mit klaren und durchsetzbaren Regeln weiter entwickelt werden.

Trotz der erwarteten Konjunkturabkühlung rechnet die schwarz-gelbe Koalition 2012 mit einem Beschäftigungsrekord. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um 220.000 auf 41,3 Millionen Personen steigen. Die Arbeitslosenquote werde von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken. Dies sei der niedrigste Wert seit 20 Jahren. 2013 werde mit einem weiteren leichten Rückgang auf 6,7 Prozent gerechnet.

Derweil warnt die Weltbank, die Weltwirtschaft könnte dieses Jahr in eine Abschwungphase geraten. "Das Risiko ist real, dass die Märkte weltweit einfrieren und eine globale Krise wie im September 2008 ausbricht", sagte Chefökonom Justin Lin. Das Wachstum könnte 2012 auf nur noch 2,5 Prozent einbrechen. Das wäre nach Einschätzung von Ökonomen ein Zeichen dafür, dass viele Industrieländer in eine Rezession abgleiten. Im nächsten Jahr könnte das Plus dann leicht über drei Prozent liegen. Noch im Juni hatte die Weltbank für das laufende und das

nächste Jahr Zuwächse von je 3,6 Prozent vorausgesagt.

"Es ist wichtig, sich jetzt nicht nur mit niedrigerem Wachstum vertraut zu machen, sondern vorsorglich auch eine massive Verschlechterung in den Blick zu nehmen", sagte Weltbank-Manager Hans Timmer. In einem solchen ungünstigen Risiko-Szenario könnte nach Berechnungen der Bank eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise zu Wachstumseinbußen auf globaler Ebene von vier Prozentpunkten führen, was sogar ein Schrumpfen der Weltwirtschaft bedeuten könnte. "Der Abschwung in Europa und ein schwächeres Wachstum in den Entwicklungsländern erhöhen das Risiko, dass sich beides gegenseitig verstärkt und im Ergebnis ein noch schwächeres Ergebnis steht", warnte die Weltbank.