Deutschland trägt Kippa - Demos von Köln bis Berlin gegen Judenfeindlichkeit

26. April 2018 - 11:00 Uhr

Zeichen gegen Antisemitismus

In mehreren deutschen Städten haben Demonstranten ein Signal gegen Judenfeindlichkeit gesetzt. Unter anderem in Berlin, Köln, Erfurt, Magdeburg und Potsdam versammelten sich Juden und Nicht-Juden zu Solidaritätskundgebungen. Viele trugen eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung.

"Berlin trägt Kippa"

Berlin trägt Kippa: Solidarität gegen Judenfeindlichkeit
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Antisemitismus hat in unserer Stadt keinen Platz".
© imago/epd, Christian Ditsch, imago stock&people

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, warnte davor, den Judenhass in Deutschland kleinzureden. Viele Juden hätten davor Angst, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" versammelten sich alleine in der Haupstadt nach Polizeiangaben rund 2.500 Menschen. Dort berichtete Schuster von wachsenden Sorgen unter Deutschlands Juden. Eltern trichterten ihren Kindern ein, außerhalb der Synagoge die Kippa abzusetzen oder ein Basecap darüber zu ziehen.

"Sie sagen ihrer Tochter in der U-Bahn, sie soll die Kette mit dem Davidstern unterm Pullover verschwinden lassen. Sie verzichten zum 70. Geburtstag von Israel auf das T-Shirt mit Israel-Flagge", so Schuster. Ein "Weiter-so" dürfe es nicht geben.

Judenfeindlicher Angriff auf Israeli

Anlass für die Demonstrationen war die judenfeindliche Attacke auf einen 21-jährigen Israeli und seinen Freund in Berlin. Drei arabisch sprechende Männer hatten  den Israeli, der eine Kippa trug, am 17. April antisemitisch beschimpft. Einer der Männer hatte auf den 21-Jährigen mit einem Gürtel eingeschlagen. Der mutmaßliche Täter, ein Palästinenser aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland lebt, sitzt in Untersuchungshaft.

Antisemitismus-Skandal beim Echo

Antisemitismus-Skandal beim Echo: Kollegah und Farid Bang
Die Rapper Kollegah (l) und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
© dpa, Jens Kalaene, jka sab

Angefacht wurde die Debatte zudem von einer Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang. Die beiden wurden für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Echo-Musikpreis geehrt, worauf etliche andere Künstler ankündigten, ihre Trophäen zurückzugeben. Inzwischen teilte der Bundesverband Musikindustrie mit, dass der Echo abgeschafft wird.