Deutschland spart sich kaputt: So marode ist unsere Infrastruktur

03. Juni 2015 - 16:15 Uhr

"Made in Germany ist nicht mehr"

Spare, dann hast Du in der Not - an diesen Spruch hält sich die Regierung eisern, wenn es um die Staatskasse geht. Doch damit setzt sie unsere Wettbewerbsfähigkeit und unsere Zukunft aufs Spiel. Die Not ist nämlich längst da. Sichtbar wird sie auf unseren Straßen und Brücken, in unseren Schulen. Doch statt mehr zu investieren, betreiben die Verantwortlichen Flickschusterei - und setzen damit unsere Zukunft auf Spiel.

Für Straßen und Verkehrsinfrastruktur fehlen 34 Milliarden Euro.
Laut Experten müsste der Bund doppelt so viel in die Infragstruktur investieren wie jetzt.
© dpa, Hannibal Hanschke

"Made in Germany ist nicht mehr", meint Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. "Ein Beispiel: in Deutschland gibt es 60.000 kommunale Straßenbrücken. Davon ist über die Hälfte in einem miserablen Zustand. Und 10 Prozent müssten eigentlich abgerissen werden." Haupt-Lebensadern des Verkehrs werden so plötzlich abgeschnitten. Die Leverkusener Rheinbrücke zum Beispiel ist seit letztem Jahr für alle Brummis über 3,5 Tonnen gesperrt. Deshalb setzen Lkws teils gar rückwärts auf dem Seitenstreifen der A1 zurück, um mit der Ausfahrt Köln-Niehl die letzte Anschlussstelle vor der Brücke zu erreichen. Das alles, wegen der ewig alten Leier, es herrsche Ebbe in den kommunalen Kassen.

Gabriel: Folgen der Bankenrettung "spüren wir bis heute"

Laut Experten müsste der Bund doppelt so viel investieren wie jetzt. Für Straßen und Verkehrsinfrastruktur fehlen 34 Milliarden Euro, für Schulen und Kitas ganze 37 Milliarden. Um statt Flickschusterei wirklich zu sanieren müssten Bund, Länder und Kommunen laut Rechnung der Industrie- und Handelskammer jährlich etwa 10,5 Milliarden aufbringen. "Infrastruktur, ob das Versorgungsleitungen sind, Straßen sind, ob das Glasfaserkabel sind, sind im Prinzip die Adern einer Volkswirtschaft", so Martin Wansleben, Geschäftsführer der DIHK. "Die brauchen wir genauso, wie gut ausgebildete junge und ältere Leute."

Doch große Prestigeprojekte wie das Rentenpaket der Großen Koalition verschlingen Geld, während die umstrittene Pkw-Maut viel zu wenig in die Kassen spülen wird, um die (Schlag-)Löcher zu stopfen. Zwar sprudeln die Steuereinnahmen, doch die schwarze Null war Finanzminister Schäuble wichtig, und der Wirtschaftsminister verweist auf Altlasten: "Wir haben vor ein paar Jahren Milliarden aufwenden müssen - nicht etwa zur Sanierung der Infrastruktur oder für andere Dinge, sondern zur Rettung von Banken", sagte Sigmar Gabriel (SPD). "Die Folgen davon spüren wir bis heute."

Für Neubauten wird dagegen gerne was ausgegeben, für den Erhalt alter Häuser aber nicht. Doch wenn nicht investiert wird, hilft statt renovieren oft nur noch abreißen. So geschehen bei der Lennetalbrücke bei Hagen, wo neben der alten gerade eine neue Brücke gebaut wird - für 105 Millionen Euro.

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