Tierärztliche Versorgung kann nicht gewährleistet werden

Deutscher Tierschutzbund fordert: Hundezucht sollte in Corona-Krise pausieren

Wer Welpen züchtet, sollte damit in der Corona-Krise pausieren, fordert der Deutsche Tierschutzbund.
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03. April 2020 - 19:23 Uhr

Auch Tierärzte kommen an ihre Grenzen

Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollten Hundezüchter die Nachzucht in der Corona-Krise pausieren lassen. Der Grund: Viele Mitarbeiter fallen derzeit aus - und auch Tierärzte könnten an ihre Grenzen kommen und gegebenenfalls nur noch Kapazitäten für Notfälle haben. Ihre Arbeit ist aber auch für die Zuchtabnahme und die Kontrolle des Wurfs sowie die Behandlung von Welpen und Muttertieren unbedingt notwendig. Dazu kommt, dass gekaufte Welpen wegen der derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen und -verbote unter Umständen gar nicht beim Züchter abgeholt werden dürfen.

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Erschwerte Abholung gekaufter Welpen

"Momentan ist es offen, wie lange die Tierärzte noch die Kapazitäten haben, um die Zucht abzunehmen und geborene Welpen zu untersuchen, zu impfen und mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Bei einer seriösen Zucht ist dies aber dringend notwendig. Wir hoffen daher darauf, dass verantwortungsvolle Hundezüchter mit dem Züchten vorübergehend pausieren", sagt Dr. Katrin Umlauf, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Wegen einer erschwerten Abholung der gekauften Welpen hatten sich bereits besorgte Familien, aber auch Züchter beim Deutschen Tierschutzbund gemeldet. Schließlich falle die Abholung eines Welpen nicht unter die absolut notwendigen Dinge, für die man das Haus verlassen darf, so Umlauf.

Bereits geborene Welpen möglichst schnell zu neuen Besitzern

Bereits geborene Welpen und die, die in Kürze zur Welt kommen, sollten aus Sicht der Tierschützer allerdings möglichst schnell ins neue Zuhause ziehen dürfen: "Wenn die wichtige Prägephase bei den zehn Wochen alten Welpen abläuft, sollten sie möglichst beim neuen Besitzer sein und nicht bis auf weiteres beim Züchter verbleiben."

Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, das Vorgehen in diesen Fällen mit den kommunalen Behörden abzusprechen und bei deren Zustimmung natürlich alle Vorgaben hinsichtlich Personenzahl und Abstand einzuhalten. Neben der Übergabe von Hunden ist aufgrund des Kontaktverbots, das in vielen Gegenden gilt, auch die Übergabe von Katzen, Pferden und kleinen Heimtieren erschwert.

Massive Auswirkungen auch für Tierheime

ARCHIV - 17.08.2018, Böblingen: Ein Hund schnüffelt im Tierheim an der Hand einer Pflegerin.  (zu dpa: "Ausgesetzte Sommerferien-Tiere") Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wer einen Hund aus dem Tierheim adoptieren will, muss sich derzeit gedulden.
© dpa, Christoph Schmidt, cdt pat

Wer gerne ein Tier adoptieren möchte, sollte sich gedulden. Die Corona-Krise hat damit nicht nur für Züchter, sondern auch für Tierheime und die dort lebenden Tiere massive Auswirkungen. Denn dort mussten die Vermittlungen weitestgehend eingestellt werden, um die Tierpfleger und damit die Versorgung der Tiere nicht zu gefährden, wie Dr. Miriam Holbach, Fachreferentin für Tierheime beim Deutschen Tierschutzbund, erklärt.

Tierheime müssen weiter unterstützt werden

Sofern die Vermittlung weiter läuft, machen die Tierheime Einzeltermine aus oder merken Interessenten vor. Mit der Adoption eines Tieres dauert es also derzeit länger - trotzdem bittet der Deutsche Tierschutzbund darum, die Tierheime weiter zu unterstützen: "Bitte haben Sie etwas Geduld, wenn es nicht direkt mit der Adoption klappt. Jetzt ein Tier vom Züchter oder im schlimmsten Fall über das Internet zu kaufen, sollte keine Alternative sein." Denn die Anschaffung eines Tieres sollte immer gut überlegt sein - unabhängig von der derzeitigen Corona-Situation.

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NEUE FOLGE: RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Wie besiegen wir Corona?"

Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.