Deutscher Fischfang gefährdet: Fischer fordern den Abschuss von Seehunden

02. August 2012 - 17:42 Uhr

Derzeit 25.000 Tiere im Wattenmeer

Kulleraugen, als Baby kleine plüschig-weiße Wollknäuel und ausgewachsen einer der elegantesten Schwimmer der Meere – Seehunde sind beliebte Attraktionen nicht nur in Zoos, sondern auch die Touristen an der Nordsee werden von den Tieren verzaubert. Aber weil die Schwimm-Asse sehr gefräßig sind, dem Fisch-Bestand angeblich zusetzen und sich immens vermehrt haben, würde der Fischereiverband im hohen deutschen Norden sie am liebsten zum Abschuss freigeben.

Bei einer Epidemie vor zehn Jahren fürchteten Experten noch um den Bestand der Robben. Damals verendeten knapp 50 Prozent der Population an einem Staupe-Virus, der die nordwesteuropäische Küste schon zwei Jahre zuvor heimgesucht hatte und mit rund 18.000 Tieren sogar 60 Prozent der Seehund-Population tötete. Derzeit aber gibt es mit über 25.000 Tieren so viele im Wattenmeer wie nie. Deshalb fordern Schleswig-Holsteins Küstenfischer und Jäger, Seehunde zum Abschuss freizugeben. Die Population ist nach ihrer Meinung zu groß und sie sehen dadurch den Fischfang gefährdet. Umweltschützer zeigen sich entsetzt über den Vorstoß.

Verlust von mehreren Zehntausend Tonnen Fisch pro Jahr

Nach Angaben des Landesfischereiverbands Schleswig-Holstein gibt es zu viele Seehunde, die viel zu viel Fisch fressen. Fischer klagen über einen Verlust von mehreren Zehntausend Tonnen Fisch pro Jahr. Nach ihrer Meinung gibt es keinen anderen Ausweg, als die Seehund-Jagd wieder einzuführen.

Die Tierschützer des Deutschen Tierschutzbundes sehen das Problem allerdings ganz woanders. Der Bestand der Seehunde sei weder zu hoch noch eine Gefahr für Fische. Das Problem sei vielmehr die Überfischung der Meere durch Menschen. Laut Angaben des WWFs jagen Seehunde sogar nur kleinere Fische, an denen die Fischer überhaupt nicht interessiert sind.

Noch werden die Populationen der Hundsrobben geschützt. Das Bundesamt für Naturschutz zumindest gibt an, dass der Lebensraum der Seehunde vor Veränderungen durch den Menschen geschützt werden muss. Zu diesen Veränderungen gehöre die Überfischung der Nahrungsquelle der Tiere durch den Menschen.

Die letzte Rettung der Seehunde könnte zudem der Tourismus an der Nordsee sein. Die Tiere sind bei den Menschen beliebt und viele zahlen für Schiffstouren, die an Seehund-Kolonien vorbeifahren. Sollte sich der Tourismus also finanzielle auszahlen, könnte ein Abschuss der Tiere vielleicht vermieden werden.