Alarm am Nordpol

Deutscher Eisbrecher Polarstern wird von Eisbären besucht

14. Oktober 2019 - 16:14 Uhr

Was gibt es Neues bei unseren Arktis-Helden?

Für echte Abenteurer ist nur noch wenig Platz auf unserem Planeten: Die hohen Berge sind bestiegen, jede Ecke ist kartographiert und mit dem Flugzeug kann man fast immer und überall hinfliegen. Aber nur wenige Menschen haben sich für einen Winter in den Eismassen um den Norpol einschließen lassen.

Das deutsche Forschungschiff "Polarstern" hat sich genau auf ein solches Abenteuer eingelassen. In diesem Artikel finden Sie die Hintergründe der Mission und aktuelle Neuigkeiten.

14.10.2019: Eisbärenalarm!

In den letzen Tagen besuchten zwei Eisbären die "Polarstern" und nahmen die menschengemachten Vorrichtungen genau unter die Lupe. Für die Forscher können die Tiere allerdings lebensgefährlich sein. Auch die wissenschaftlichen Geräte könnten der Neugierde der Bären zum Opfer fallen. Deshalb hat man die Besucher mit dem Schuss aus einer Signalpistole vergrault. Verletzt wurden die Tiere nicht.

Treue Begleiter?

Es war bereits der zweite Eisbärenbesuch und es handelt sich vermutlich um dieselben Tiere: Eine Polarbärenmama mit Nachwuchs.

2.10.2019: Die Eisscholle ist gefunden

Der deutsche Eisbrecher "Polarstern" des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (Awi) ist seit zwei Wochen unterwegs. Die erste wichtige Mission war eine passende Eisscholle zu finden, damit das Schiff festmachen und die Forschungsstation einrichten kann.

Jetzt ist die Eisscholle gefunden worden, so die AWI-Chefin Antje Boetius exklusiv im Interview mit uns.

Bald ist auf der Polarstern alles stockdunkel

Für die Suche nach der passenden Eisscholle wurden Arktis-Erkundungsflüge gestartet. Für die Piloten der Hubschrauber eine Herausforderung. Auch die Forscher selbst mussten aufs Eis, um die Eisdicke zu messen und so die Tauglichkeit festzustellen. Immerhin muss das Ganze für ein Jahr halten. In diesem Jahr schien diese Suche besonders schwierig zu sein, denn das Eis ist ungewöhnlich abgeschmolzen, so Antje Boetius.

Auf der gefundenen Eisscholle wollen die Forscher das Schiff einfrieren lassen und ein komplexes Forschungscamp errichten, um während der Drift des Eises entscheidende Kenntnisse zum Weltklima zu sammeln. Die Bilder, die uns vom Forschungsschiff und der Suche nach einer geeigneten Eisscholle erreichen, sind beeindruckend.

3 Gründe, warum die Expedition keine Wellnessreise ist

  • Bereits in wenigen Tagen beginnt die Polarnacht, bei der die Sonne nicht mehr über den Horizont steigt - rund 150 Tage lang.
  • Eisbären stellen eine mögliche Gefahr dar. Daher bewachen durchgehend sechs Wachposten die Station.
  • Die Temperaturen liegen derzeit bei bis minus zehn Grad, später sogar bis minus 45 Grad. Dazu kommen mögliche Stürme.

„Noch in 2011 hätten wir uns nicht vorstellen können, wie dünn das Meereis und wie warm die Winter geworden sind“

An der Idee zu der Mammutexpedition haben die Forscher bereits seit rund acht Jahren gearbeitet. "Noch in 2011 hätten wir uns nicht vorstellen können, wie dünn das Meereis und wie warm die Winter geworden sind", erklärte die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Antje Boetius, vor der Abfahrt der "Polarstern". "Es ist also höchste Zeit für die Expedition aufzubrechen und Daten und Bilder einer Region zu ermitteln, die sich schneller verändert, als wir sie erforschen können."

Expedition soll Wissenslücken schließen

Die beteiligten Wissenschaftler aus fast 20 Ländern, die während der Reise mehrfach ausgewechselt werden, nehmen all das in Kauf, um mit ihren Messungen vor allem den Einfluss der Arktis auf das Weltklima besser verstehen zu lernen. Sie erhoffen sich wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich kaum eine Weltregion so stark erwärmt wie die Arktis. Dennoch fehlt es an ganzjährigen Beobachtungen aus dem Nordpolarmeer - eine Wissenslücke, die nun geschlossen werden soll.