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Deutscher Buchpreis 2019: Shortlist steht - diese 6 Romane sind nominiert

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17. September 2019 - 11:48 Uhr

Die ausgewählten Bücher teilen ein großes Thema

Welcher Titel holt in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis? Die siebenköpfige Jury hat sich jetzt auf einen engeren Kreis festgelegt und gleich drei Debüt-Romane auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis gesetzt. Die restlichen drei nominierten Titel stammen von etablierteren Autoren wie Sasa Stanisic. Ein großes Thema teilten die ausgewählten Romane, sagte Jury-Sprecher Jörg Magenau: Es gehe "um familiäre Zusammenhänge" - und die Erfahrung, "dass dabei vor allem die Identität des Mannes problematisch geworden ist". Wir stellen Ihnen die Buchpreis-Favoriten vor. Der Sieger steht am Vorabend der Frankfurter Buchmesse fest - also am 14. Oktober.

Roman von Raphaela Edelbauer
Als "eindrücklich" und "fantastisch" beschreibt die Buchpreis-Jury den Roman von Raphaela Edelbauer.
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"Das flüssige Land"* von Raphaela Edelbauer
Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund.

Kommentar der Buchpreis-Jury: "Dieser Roman führt in eine kafkaeske Topografie, in einen Ort namens Groß-Einland, der auf keiner Karte verzeichnet ist und aus dem keine Straße herausführt. Er wird von einem gigantischen, sich ständig ausdehnenden Abgrund unterhöhlt – was dazu führt, dass in dieser Welt alles ins Rutschen gerät: Gebäude, Menschen, aber auch jedes Raum- und Zeitbewusstsein. Raphaela Edelbauer schafft eine Art Super-Metapher, die auf virtuose Weise die physikalische, die psychische, die historische und auch die sprachliche Welt in ihren Abgründigkeiten verbindet. Das ist unheimlich, das ist spannend, das ist aberwitzig und kaum zu fassen – eben einfach fantastische Literatur."

Kintsugi Roman
Alte Freunde planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See, an dem sie sich treffen.
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"Kintsugi"* von Miku Sophie Kühmel
In Japan ist es ein Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition nennt sich Kintsugi und sie lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten. "Kintsugi" ist ein flimmernder Roman über die Liebe in all ihren Facetten. Über den Trost, den wir im Unvollkommenen finden. Und darüber, dass es weitergeht. Wie immer geht es weiter.

Kommentar der Buchpreis-Jury: "'Kintsugi' ist ein psychologisches Kammerstück, ein Ensembleroman auf märkischem Sand. Vier Menschen, drei Männer und eine junge Frau kommen für ein Wochenende auf einem Landhaus zusammen. Und sie erzählen jeweils mit eigener Stimme und Perspektive. Das Liebespaar Max und Reik, der bisexuelle Tonio und Pega verhalten sich zueinander wie jene Porzellanscherben, die durch die japanische Kunsthandwerkstechnik Kintsugi mit Gold in ihren Zusammenhalt gekittet werden: belebende Risse und Schönheit des Makels. Ein äußerst gegenwärtiger Roman von hohem Lesevergnügen, der nach heutigen Liebes- und Lebenskonzepten fragt, nach Elternschaft, Sexualität, Erfolg, Karriere und Bindungen.

"Nicht wie ihr" Buch-Cover
Autor Tonio Schachinger sorgt mit seinem ersten Roman gleich für Furore.
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"Nicht wie ihr"* von Tonio Schachinger
Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er verdient 100.000 Euro in der Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. Wie koordiniert man eine Affäre, wenn man eigentlich keine Freizeit hat? Lässt Ivos Leistung auf dem Spielfeld nach? Und was macht eigentlich seine Frau, während er nicht da ist?

Kommentar der Buchpreis-Jury: "Das einzige, das Ivo immer gut konnte, war Fußballspielen und nun spielt er, der in Wien immer nur einer der vielen "Jugos" war, in Everton, verdient 100.000 Euro die Woche, ist mit einer schönen Frau verheiratet, hat zwei entzückende Kinder und teilt mit uns seine Sicht auf die Welt: liebenswert und überheblich, naiv und berechnend, charmant und bitterböse. Doch "Nicht wie ihr" ist viel mehr als ein Roman über die Welt des Spitzensports: Zugehörigkeit, Migration, die ständige Angst vor dem Abstieg, Männlichkeitsideale und nicht zuletzt Liebe werden hier zwischen Fußballrasen, Umkleidekabinen, Luxushäusern und teuren Autos völlig unverkrampft verhandelt. Begeisternd ist zudem die Boxkraft des Tons und die Stilsicherheit des Autors, sein Gespür für Milieus, Jargons, Stimmungen, Tragikomik."

Herkunft - Buch von Sasa Stanisic
Das Stanisic-Buch ist im Luchterhand Literaturverlag erschienen.
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"Herkunft"* von Sasa Stanisic
Ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. Der Sommer, als der Junge fast ertrank. Der Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als der Jugendliche über viele Grenzen nach Deutschland floh. 

Kommentar der Buchpreis-Jury: "Ein autobiographischer Roman über die Frage unserer Zeit, eine Selbstbefragung in Fragmenten und Arabesken: über Geschenk und Bürde der Herkunft, über das Finden einer neuen Sprache, mit einem Kern, "hart wie der einer Pflaume", und über das Werden eines Schriftstellers. Auf verschlungenen Wegen führt Herkunft uns nach Višegrad, Bosnien, in das Dorf der Großeltern und nach Heidelberg, wo der Halbwüchsige als Kriegsflüchtling landete. Verschmitzt und behände bleibt der Erzähler stets auf der Hut vor sich selber, mit Klugheit, Humor und Sprachwitz, ohne "Zugehörigkeitskitsch" und Opferpathos. Sein berückendes Vergnügen am Erzählen macht die bleischweren Themen federleicht – Wundbehandlung mit den Mitteln der Literatur."

Winterbienen von Norbert Scheuer
Ein Roman über einer Welt, die geprägt ist von Zerstörung und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft.
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"Winterbienen"* von Norbert Scheuer
Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur als Fluchthelfer jüdische Flüchtlinge in präparierten Bienenstöcken über die Grenze, er verstrickt sich auch in Frauengeschichten.

Kommentar der Buchpreis-Jury: "Der Handlung liegen fiktive Tagebuchaufzeichnungen aus den Kriegsjahren 1944/45 zugrunde, die angeblich Egidius Arimond, ehemaliger Lehrer, Bienenzüchter, Frauenheld und Epileptiker, hinterlassen hat. Präzise und spannend entwickelt Norbert Scheuer die Geschichte seines Antihelden, der Juden in Bienenkörben über die belgische Grenze schmuggelt, um damit Geld für seine Medikamente zu verdienen, und also nicht aus hehren Gründen, aber auf seine Art dem Regime die Stirn bietet. Egidius wird Zeitzeuge und Chronist einer durch Bombenangriffe versehrten Landschaft und der damit verbundenen Zerstörung natürlicher und menschlicher Ordnung. Und das geschieht auf eine fast verhaltene Weise, die den introvertierten Egidius dann doch zu einem "Helden" werden lässt, der sich seinem Schicksal nicht entziehen kann."

Roman "Brüder" von Jackie Thomae
Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind.
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"Brüder"* von Jackie Thomae
Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da. Brüder erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat.

Kommentar der Buchpreis-Jury: "'Brüder' ist ein groß angelegter Roman, den man in einer amerikanischen Erzähltradition verorten kann, der aber mit seinem ungewöhnlichen Plot über zwei sehr konträre Brüder eines afrikanischen Vaters von deren Kindheit in der DDR in die weite Welt bis nach London, Paris und Südamerika führt. Völlig unaufgeregt werden Themen wie Hautfarbe, Erfolg, Liebe, die Frage nach dem richtigen Leben und vor allen Dingen die Bedeutung von Schicksal, Herkunft und Prägung verhandelt. Man liest in "Brüder" eine sehr spannende Geschichte, aber Jackie Thomae gelingt es mit Leichtigkeit, geradezu nebenher existenzielle Fragen und Themen einzuflechten."

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 jährlich den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr war Inger-Maria Mahlkes Roman "Archipel" mit dem angesehenen Preis ausgezeichnet worden.

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