Wegen Corona konnte er nicht weiterreisen

Seit über 54 Tagen im Transitbereich! Deutscher am indischen Flughafen gestrandet

© AP, Manish Swarup, MS

11. Mai 2020 - 19:54 Uhr

Der Mann lebt seit 18. März im Transitbereich

Seit über 54 Tagen lebt ein deutscher Staatsbürger im Transitbereich des Flughafens in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Eigentlich wollte der Tourist von Vietnam über die Türkei zurück nach Deutschland reisen. Doch weil in Neu-Delhi am 18. März sämtliche Flüge wegen Corona gestrichen wurden, strandete der Mann im Transitbereich. Das Auswärtige Amt hat gegenüber RTL bestätigt, dass die deutsche Botschaft in Neu-Delhi mit den indischen Behörden und mit dem Betroffenen in Kontakt steht.

Auswärtiges Amt bestätigt den Fall

"Der Fall ist dem Auswärtigen Amt bekannt. Unsere Botschaft in New Delhi steht hierzu in Kontakt zu den indischen Behörden sowie dem Betroffenen und hat diesen in diesem Zusammenhang auch über die Möglichkeiten zur Rückkehr nach Deutschland informiert.", schreibt das Auswärtige Amt. "Unabhängig vom Einzelfall besteht das Recht auf konsularische Betreuung nach dem Konsulargesetz für alle Deutschen im Ausland. Dies umfasst auch eine Unterstützung bei der Rückkehr nach Deutschland, sofern seitens der Betroffenen überhaupt ein Rückreiseinteresse besteht.", informiert das Auswärtige Amt zum Fall des Deutschen in einer E-Mail, die RTL vorliegt.

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Seine Mahlzeiten kauft er im einzig geöffnetem Flughafen-Imbiss

Zunächst soll der Deutsche sich mit vier weiteren Staatsbürgern im Transitbereich befunden haben, doch nach etwa einer Woche sind die vier Reisenden von ihren Botschaften in Quarantäne geschickt worden. Einzig der Vietnam-Tourist blieb dort - da der Flughafen für den Flugverkehr geschlossen ist, ist er seitdem sozusagen in Quarantäne. "Hindustantimes' zitiert in dem Zusammenhang Flughafenmitarbeiter, die berichten, dass der Mann auf Bänken und auf dem Boden schlafen soll, ernähren würde er sich am einzigen Imbiss-Stand, der offen hat, und Flughafenminarbeiter würden ihm mit Artikeln wie Zahnpasta oder einem Moskitonetz aushelfen. Körperlich soll es ihm gut gehen, doch persönlich hat außer der zitierten Mitarbeiter niemand mit ihm sprechen können. Einzig seine Familie in Deutschland soll per Telefon regelmäßig mit ihm Kontakt haben.

500 Deutsche wurden von Indien nach Hause gebracht

Am 23. April war in Südafrika die vorerst letzte Maschine der "Corona-Luftbrücke", die Deutsche aus dem Ausland zurückholte, gestartet. Damit war nach der Rückkehr von insgesamt rund 240.000 Menschen nach Deutschland der größte Teil der Aktion abgeschlossen.  Bundesaußenminister Heiko Maas hatte die "Luftbrücke" am 17. März zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften gestartet, nachdem viele Länder kurzfristig Grenzen geschlossen und Flugverbindungen gekappt hatten. Das Auswärtige Amt charterte auch selbst Maschinen, die in 260 Flügen rund 66.000 Personen aus insgesamt 65 Ländern zurückbrachten, darunter etwa 6.100 Bürger anderer EU-Staaten und 500 Deutsche aus Indien.

Laut dem Nachrichtenportal 'hindustantimes' soll der Mann aufgrund seiner einer kriminellen Vergangenheit in Indien kein Visum bekommen und aus demselben Grund auch keine Untersützung vom Auswärtigem Amt bekommen. Um welche Art von Kriminalität es sich handeln soll, verrät der Bericht nicht.

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