Irre Corona-Maßnahmen

Deutsche in Peru: Polizei darf auf jeden schießen, der das Hostel verlässt

05. April 2020 - 13:08 Uhr

Im Video: Darum haben Urlauber hier keine Chance sich zu isolieren

Was die junge Deutsche Jaqueline Kamp aus Peru berichtet, geht weit über europäische Vorstellungen von Ausgangssperren in Corona-Zeiten hinaus: Wenn sie ihr Hostel verließen und auf die Straße gingen, hätte die Polizei eine Schießerlaubnis, berichtet die Urlauberin. "Das heißt, die dürfen auf jeden schießen, der das Hostel ohne Genehmigung verlässt." Lokale Medien berichten, Polizisten dürften ihre Waffen nutzen, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Jaqueline Kamp kann nicht raus - und muss fürchten, sich bei einem von sieben Corona-Infizierten in ihrem Hostel anzustecken. Denn Isolation ist kaum möglich, wie sie im Video berichtet.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie im Liveticker bei RTL.de +++

Männer und Frauen dürfen nur noch getrennt raus

Das südamerikanische Land will die Coronavirus-Pandemie offenbar mit allen Mitteln verlangsamen - und setzt dabei auch auf Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum. Der peruanische Präsident Martin Vizcarra verkündete am Donnerstag: Frauen und Männer dürfen nicht mehr an den gleichen Tagen auf die Straße. Männer können demnach nur montags, mittwochs und freitags das Haus verlassen, Frauen dienstags, donnerstags und samstags. An Sonntagen sollen alle zuhause bleiben.

"Wir müssen dafür sorgen, dass weniger Menschen täglich auf der Straße sind", sagte Vizcarra. Die Geschlechtertrennung soll den Sicherheitskräften helfen, einen besseren Überblick zu behalten. Die Maßnahme sei einfacher, als die Ausweisdokumente zu kontrollieren.

Zehn Tage Geschlechtertrennung

 March 10, 2020, Lima, Peru: A woman wears a protective face masks outside national Edgardo Rebagliati hospital in Lima Lima Peru - ZUMAb195 20200310zipb195002 Copyright: xMarianaxBazox
Drei Frauen auf der Straße in Lima
© imago images/ZUMA Wire, Mariana Bazo via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Vorerst gilt die Regelung bis zum 12. April. Ausgenommen sind Notfälle und Berufe, die trotz Ausgangssperre ausgeführt werden. Dazu gehören wie in Deutschland Apotheker, Banker und Menschen, die für die Lebensmittelversorgung arbeiten. In Peru gibt es aktuell 1.414 bestätige Infektionen mit dem Coronavirus und 55 Tote (Stand: 3. April, 18 Uhr).

Was macht Corona mit der Gleichberechtigung?

Darüber spricht die Publizistin und Feministin Teresa Bücker in Folge zwölf von "Wir und Corona", dem täglichen Podcast von Stern und RTL. Teresa Bücker ist selbst gerade schwanger und steht kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes. Sie beschreibt, wie sie die Bedrohung, die Einschränkungen erlebt, aber auch, wie sich die Rolle von Frauen in und nach der Krise entwickeln könnte – zu Hause und in der Wirtschaft. Wie die Coronavirus-Pandemie in verschiedenen Ländern bekämpft wird, darum geht es im zweiten Teil der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".