Dabei ist das oft gar nicht nötig

Deutsche nutzen immer mehr Plastikbeutel für Obst und Gemüse

Plastiktüten in Supermärkten
Plastiktüten in Supermärkten
© dpa, Marcel Kusch, mku fgj jai kno

01. März 2019 - 13:21 Uhr

Plastikttüte oder keine Plastiktüte, das ist hier die Frage

In der Obst- und Gemüseabteilung müssen sich die Supermarkt-Kunden entscheiden: Packe ich die Tomaten noch einmal extra in eine kleine Plastiktütchen ein? Oder lege ich sie an der Kasse einfach so aufs Band? Umweltschützer raten zu Letzterem, doch ihr Tipp kommt bei der Masse der Bevölkerung nicht an. Im Gegenteil, die Menschen verbrauchen immer mehr von den Gemüse-Tüten. Das zeigen Zahlen der Bundesregierung, über die die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.

Mehr als drei Milliarden Beutel pro Jahr

Dem Ministerium zufolge verbrauchten die Bürger in Deutschland im Jahr 2017 im Schnitt pro Kopf 39 der dünnen Tüten, umgerechnet auf die Anzahl der Bevölkerung also ungefähr 3,2 Milliarden der kleinen Beutel. Ein Jahr zuvor waren es noch 36 pro Kopf und damit weniger als drei Milliarden. Für 2018 lägen noch keine Daten vor, erklärte das Ministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage der FDP.

EU-Verbot greift nicht

Hat die EU nicht mal kostenlose Plastiktüten verboten? Ja, aber nicht solche. Nur die normalen, großen Plastiktüten gibt es noch gegen Geld an der Kasse. Das funktioniert ziemlich gut. Seitdem das so ist, ging der Verbrauch dieser Tüten rapide zurück. Für die kleinen Beutel gilt das aber nicht. Sie  gibt es weiterhin kostenlos. Nur die Supermarktkette Real hat vor kurzem angekündigt, die dünnen Plastiküten verbannen zu wollen.

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Industrie soll sich strengere Regeln geben

Der Kampf gegen Plastik in der Gemüseabteilung richtet sich aber nicht nur gegen sie. Auch, dass Bio-Gurken extra noch einmal eingeschweißt werden, kritisieren viele. Zum Beispiel Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die am Dienstag sogar zu einem Gipfel gegen Plastikmüll geladen hatte. Sie kündigte an, bis zum Herbst die Lebensmittelkonzerne und Supermärkte auf eine freiwillige Verpflichtung für weniger Plastikmüll festzunageln. Viele Unternehmen reduzieren aber schon bereits auf eigene Faust Plastik, wie unser Video zeigt.

Beutel bei fester Schale unnötig

Eine wichtige Rolle bei der Müllvermeidung spielen Mehrwegverpackungen. Bei Getränken wie Mineralwasser oder Brausen erkennt man sie daran, dass sie nur 15 Cent Pfand kosten. Die Einwegflaschen, die gleich nach Abgabe geschreddert werden, kosten 25 Cent Pfand. Manche Märkte testen auch schon umweltfreundlichere Verpackungen mit weniger Plastik, im Gespräch sind auch Pfandboxen für die Fleischtheke. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft braucht man übrigens für Obst und Gemüse, das eine feste Schale hat, keinen extra Beutel - der natürliche Schutz genügt. Abwaschen muss man die Tomaten, Äpfel und Zucchini ja sowieso noch einmal. Wer trotzdem nicht auf die Beutel verzichten will, der legt sich am besten einen Mehrweg-Gemüsebeutel zu – die gibt es bereits in vielen Supermärkten.