Solarien-Branche plant juristische Schritte

Deutsche Krebshilfe und Hautärzte fordern Solarienverbot in Deutschland

Schön braun auch im Winter? Das geht, allerdings fordert die Deutsche Krebshilfe nun ein Verbot von Solarien.
Schön braun auch im Winter? Das geht, allerdings fordert die Deutsche Krebshilfe nun ein Verbot von Solarien.
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04. Februar 2020 - 15:45 Uhr

Solarien verursachen jedes Jahr bei 3.400 Menschen schwarzen Hautkrebs

Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) fordern ein bundesweites Verbot von Solarien. Jährlich verursache der Gebrauch dieser Geräte europaweit bei etwa 3.400 Menschen schwarzen Hautkrebs. In etwa 800 Fällen führe das zum Tod, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Krebshilfe und ADP, die beide Organisationen am Dienstag veröffentlichten. Nun scheint sich zwischen Sonnenstudio-Betreibern und der Deutschen Krebshilfe ein juristischer Streit anzubahnen.

Nach der Forderung will der Bundesfachverband Besonnung, der nach eigenen Angaben rund 1.200 große Sonnenstudios in Deutschland vertritt, die Krebshilfe nun zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern, wie Sprecher Holger Ziegert der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptungen der Krebshilfe, sagte Ziegert. "Eine moderate Solariumsnutzung steigert nicht das Risiko." Mit moderat sind nach seinen Angaben nicht mehr als 50 Sonnenstudiobesuche im Jahr gemeint.

Der Bräunungsprozess ist immer ein Hilfeschrei der Haut

Der SPD-Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach widersprach dieser Darstellung und forderte anlässlich des Weltkrebstages schärfere Regeln für Sonnenstudios. Bei Solarien gebe es keine sichere Dosis, sagte Lauterbach der dpa. "Gebräunte Haut ist nicht gesund. Sie altert schneller und kann Vorstufen zum Krebs entwickeln." Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), hatte in der gemeinsamen Mitteilung mit der Krebshilfe gesagt, der Bräunungsprozess sei immer ein Hilfeschrei der Haut. "Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden."

Solarien seit 2009 für Minderjährige verboten

Der Besuch von Solarien ist in Deutschland für Minderjährige seit 2009 verboten. Die Krebshilfe hatte eine Ausweitung zu einem generellen Solarienverbot gefordert, da das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche bisher völlig unzureichend eingehalten werde. Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven verwies auf Zahlen des "Nationalen Krebshilfe-Monitorings zur Solariennutzung (NCAM)", wonach es 2018 schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, Zugang zu Solarien zu erhalten. Der Bundesfachverband Besonnung zweifelte diese Zahlen an. Der Anteil der unter 18-jährigen Solariennutzer habe schon vor dem Verbot bei unter zwei Prozent gelegen, sagte Verbandssprecher Ziegert. Er sprach von populistischen Forderungen.

Lauterbach schlug Testbesuche vor, um zu prüfen, ob Solarien rechtswidrig Minderjährige unter die künstliche Sonne lassen. "Wir müssen die dafür vorgesehenen Strafen deutlich erhöhen. Es handelt sich um eine Körperverletzung, die nach Jahren zu einer Krebserkrankung führen kann." Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene müsse überlegt werden, wenn es nicht gelinge, die Jugendlichen besser zu schützen.

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WHO warnt: Bis 2040 werden sich Krebsfälle verdoppeln

Jährlich erkranken nach Angaben der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Laut einer Prognose der WHO wird sich die Zahl der Krebserkrankungen weltweit bis 2040 verdoppeln. Das geht aus dem alle fünf Jahre erstellten Weltkrebsreport der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) hervor. Im Jahr 2040 dürften demnach etwa 29 bis 37 Millionen Menschen neu an Krebs erkranken.


Quelle: DPA/RTL.de