Paradoxe Situation

Deutsche Kliniken melden wegen der Corona-Pandemie Kurzarbeit an

Coronavirus - Berlin
© dpa, Kay Nietfeld, nie alf

15. April 2020 - 17:02 Uhr

Wie passt das zusammen?

Um Betten für Corona-Patienten freizuhalten, müssen Kliniken seit Wochen alle nicht lebensnotwendigen Eingriffe absagen. Gleichzeitig werden Intensivbetten aufgestockt, Beatmungsgeräte gekauft, Ärzte und Pflegekräfte mobilisiert und geschult. Doch jetzt gibt es erste Krankenhäuser, die Kurzarbeit angemeldet haben. Für viele klingt das paradox.

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Auch Deutsche Kliniken in finanzieller Not

Krankenhäuser bereiten sich auf die zu erwartende große Anzahl von Corona-Patienten vor. Unter anderem wurde von der Regierung angeordnet, dass alle nicht zwingend medizinisch notwendigen Eingriffe - wie beispielsweise eine Gelenk-Operation - verschoben werden sollen. Schließlich will man gewappnet sein für den großen Ansturm an Covid-19-Patienten. "Doch bis dahin bleiben in manchen Krankenhäusern - das ist abhängig von der regionalen Lage - viele Betten leer und damit fallen gleichzeitig wichtige Einnahmequellen weg" erklärt Medizinexperte Dr. Christoph Specht.

Die Folge: Bei manchen Kliniken liegt die Belegung bei unter 40 Prozent. Trotzdem hält Dr. Specht die Verordnungen für absolut notwenig. Denn nur so könne verhindert werden, dass sich die Zustände in unseren Krankenhäusern verschlimmern und unser Gesundheitssystem massiv überlastet sein würde.

"Das musste man so machen. Es hätte anders kommen können und das kann es auch immer noch. Wenn die Infektionszahlen wieder steigen - und das werden sie - dann kann es sehr wohl zu einer starken Belastung in den Krankenhäusern kommen und dann brauchen wir diese Betten. Aber natürlich kosten diese Maßnahmen sehr viel Geld."

Medizinisches Personal vorerst nicht betroffen

Zwar hat die Regierung mit einer finanziellen Entschädigung für das Freihalten der Betten reagiert, doch einige Krankenhäuser kritisieren, dass diese nicht ausreichen würden. Aktuell erhalten Kliniken eine Tagespauschale von 560 Euro pro freigehaltenem Bett.

Trotzdem ist die Versorgung aktueller und zukünftiger Corona-Patienten vorerst nicht gefährdet. Betroffen von der Kurzarbeit sind zunächst die Bereiche ohne direkten Patientenkontakt wie z. B. in der Verwaltung oder der Küche. Aber auch Rehabilitationshäuser bekommen die Corona-Pandemie finanziell zu spüren. Schließlich gibt es aufgrund der ausfallenden OPs auch weniger Patienten, die anschließend in die Reha müssen.

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