"Autoritäres Gehabe"

Deutsche Katholiken sind sauer auf den Vatikan

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den deutschen Katholiken ist seit langem angespannt.
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28. Oktober 2020 - 15:01 Uhr

Angespanntes Verhältnis zwischen Katholiken und Vatikan

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den deutschen Katholiken ist schon seit geraumer Zeit angespannt. Nun löst die Kirchen-Zentrale mit ihrer aktuellen Entscheidung Unmut aus. Sogenannte Laien sollen nicht Ansprechpartner sein.

Vatikan: Laien sollen nicht ohne weiteres Ansprechpartner werden

Der Vatikan hat erneut deutlich gemacht, dass er Nicht-Kleriker, also Laien, nicht ohne weiteres als Ansprechpartner anerkennt. Der Präfekt der Kongregation für den Klerus, Kardinal Beniamino Stella, sagte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), man wolle zunächst mit den deutschen Bischöfen und nicht mit sogenannten Laienvertretern über die umstrittene Instruktion zur Organisation der Gemeinden sprechen.

Der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, betonte allerdings, dass dem DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing die Einbeziehung der Laien weiterhin wichtig sei. Bätzing hatte dem Vatikan bereits im August vorgeschlagen, bei den geplanten Gesprächen das Präsidium des Synodalen Wegs einzubeziehen, so dass auch Nicht-Kleriker beteiligt wären.

"Wenn die Kirchenleitung nicht endlich ihr autoritäres Gehabe aufgibt, wird sie weiter Vertrauen verlieren"

Der Synodale Weg ist ein seit Anfang dieses Jahres laufender Prozess zur Reform der katholischen Kirche in Deutschland. Die Instruktion aus dem Vatikan hatte im Sommer unter den deutschen Katholiken schwere Verärgerung ausgelöst. Das Schreiben der Kleruskongregation des Vatikans verbietet die Leitung von Pfarrgemeinden durch ein gleichberechtigtes Team von Priestern und Nicht-Klerikern. Außerdem wird die Zusammenlegung von Gemeinden, abgesehen von begründeten Ausnahmefällen, untersagt. Beides ist aber in Deutschland weit verbreitete Realität, weil es vielfach schlicht keine Priester mehr gibt.

Laienvertreter reagierten verärgert auf die neue Botschaft aus Rom. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sprach von Dialogverweigerung. "Wenn die Kirchenleitung im Vatikan nicht endlich ihr autoritäres Hierarchie-Gehabe aufgibt, wird sie immer weiter das Vertrauen der Glaubenden und die eigene Glaubwürdigkeit verlieren", kritisierte "Wir sind Kirche".

Katholische Frauengemeinschaft empört: Vatikan hat Zeichen der Zeit nicht erkannt

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hielt dem Vatikan vor, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Dass Kardinal Stella auf den Vorschlag von Bischof Bätzing nicht eingehe, zeige wieder einmal, wie der Vatikan zu Laienvertretern stehe: "Nicht auf Augenhöhe". "Wir als kfd sind enttäuscht", sagte die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt. "Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich Bischof Bätzing weiter in Rom für ein Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Wegs einsetzt."