Video: Katastrophale Zustände im Al-Hol-Camp

Deutsche IS-Waisen Hafsa (4) und Jounaida (2) leiden im Flüchtlingslager

18. Juni 2019 - 11:38 Uhr

Von Kavita Sharma

Tausende Menschen leben im Norden Syriens in Flüchtlingslagern unter menschenunwürdigen Umständen. Man hört deutsche, russische und französische Sprachfetzen, man sieht blonde Kinder zwischen den Zelten. Obwohl viele Frauen verschleiert sind, verraten allein ihre Augen verschiedene Herkunftsländer. Auch Kinder aus Deutschland sind darunter. Mehr über die jüngsten und unschuldigen Opfer des jahrelangen Krieges - in unserem Video.

„Viele Kinder sind mangelernährt und sterben an vermeidbaren Krankheiten“

Flüchtlinge im Al-Hol-Camp in Syrien
Im Al-Hol-Camp in Nord-Syrien leben mehr als 70.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder.

In den Lagern sieht man, wie erfolgreich der sogenannte "Islamische Staat" Anhänger aus aller Welt angelockt und welchen Fanatismus die Terrormilz entfacht hat. Im größten, dem Al-Hol-Camp, leben inzwischen mehr als 70.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder.

Das Camp ist unterteilt: ein Teil für Iraker und Syrer und einer für Ausländer. Die Ausländer stehen unter besonderer Beobachtung - sie können sich nicht frei im Rest des Lagers bewegen. In diesem Sektor leben laut der internationalen Hilfsorganisation "Save the Children" fast 4.000 Kinder unter fünf Jahren.

Für "Ärzte ohne Grenzen" ist die Lage alarmierend: "Es fehlt an Wasser, Sanitäranlagen und medizinischer Versorgung. Viele Kinder sind mangelernährt und sterben an vermeidbaren Krankheiten."

Nationalität der Kinder steht oft nicht einwandfrei fest

RTL-Reporterin Kavita Sharma
RTL-Reporterin Kavita Sharma im Al-Hol-Camp.

Zudem sind viele traumatisiert durch die Brutalität, die sie erleben mussten: "In den IS-Gebieten haben diese Kinder extreme Gewalt erlebt und das in institutionalisierter Form, regelmäßig", sagt Misty Buswell vom "International Rescue Committee". "Sie werden viel Unterstützung brauchen um sich wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können."

Besonders prekär ist die Situation der Kriegswaisen. Zusätzlich zu allen offensichtlichen Belastungen haben sie auch noch ihre Eltern verloren. Damit sich ihre Herkunftsländer um sie kümmern, muss aber erstmal eindeutig ihre Nationalität nachgewiesen werden.

Das ist oft extrem kompliziert: "In vielen Fällen, wo die Kinder in Syrien geboren sind, sie zu jung oder nicht fähig sind sich zu erklären, oder gar zu sprechen und wo die Eltern tot sind, müssen zusätzliche Schritte gegangen werden, um ihre Identität zu bestätigen. Staaten sind an erster Stelle in der Pflicht und verantwortlich für ihre Bürger und sollten die entsprechenden Schritte gehen, die nötig sind, um die Kinder zu identifizieren", findet Amjad Yammine von "Save the Children".

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Ayshe kümmert sich um deutsche Waisen und Halbschwestern

FILE PHOTO: FILE PHOTO: FILE PHOTO: Women walk through al-Hol displacement camp in Hasaka governorate, Syria April 1, 2019. REUTERS/Ali Hashisho/File Photo/File Photo/File Photo
Im Lager herrschen teilweise katastrophale Zustände.
© REUTERS, Ali Hashisho, /FW1F/Philippa Fletcher

Wenn die nötigen Dokumente fehlen, seien am Ende aufwendige DNA-Tests nötig, denn in vielen Fällen wurde die Geburt in den IS-Gebieten nicht richtig registriert. Geburtsurkunden oder Ausweise gibt es nicht.

So ist es auch bei der vierjährigen Hafsa und Jounaida (2). Die beiden sollen angeblich deutsche IS-Waisenkinder und Halbschwestern sein, aber unabhängig kann das nicht verifiziert werden. Wir treffen die Kinder in einem abgeschirmten Bereich des Camps. Eine vollverschleierte Frau ist bei ihnen, Ayshe (Name geändert) ist Marokkanerin und kümmert sich um die Kinder. Was sie sagt, wie es den kleinen Mädchen geht – in unserem Video.

Kennt jemand die kleinen deutschen Kriegswaisen?

Jounaida
Die zweijährige Jounaida.

Die Eltern der kleinen Mädchen sind angeblich beim blutigen Endkampf um die Stadt Baghouz gestorben. Die Kinder sehen in Ayshe jetzt ihre Bezugsperson. Hafsa schaut zu ihr auf, bevor sie Fragen beantwortet - das nur auf Arabisch oder Französisch. Hafsa sagt uns über ihre Mutter sie sei "groß" und "schön" gewesen. Deutsch sprechen scheint sie entweder verlernt oder nie gekonnt zu haben.

Unser kurzer Besuch im Al-Hol Camp zeigt uns, dass dies kein Ort ist, an dem Kinder aufwachsen sollten. Aber solange Hafsas und Jounaidas Identität nicht zweifelsfrei feststeht, haben sie keine Hoffnung, hier rauszukommen.

Sollten Sie die Kinder kennen oder Angaben zu ihrer Identität machen können, melden Sie sich bitte unter 4949@rtl.de bei uns.