Experten fordern Hummels-Comeback

Deutsche Abwehr löchrig: Hagemann sieht "so viele Baustellen"

14. Oktober 2020 - 20:16 Uhr

Nationalelf braucht hinten mehr Stabilität

Joachim Löw hat ein Problem: Die Abwehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist löchrig wie ein Schweizer Käse – und das nicht nur beim 3:3 in der Nations League gegen die Eidgenossen. Experten landauf, landab schlagen Defensiv-Alarm, auch RTL-Kommentator Marco Hagemann sieht mit Blick auf die EM 2021 viel Arbeit für den Bundestrainer. Im Video oben schätzt Hagemann die momentane Lage der Nationalelf ein.

Hummels kann Mannschaft "führen"

Für Dietmar Hamann und Lothar Matthäus steht fest: Der von Löw ausgemusterte Weltmeister Mats Hummels muss reaktiviert werden, um der Hühnerhaufen-Abwehr des DFB-Teams Halt zu geben.

"Für mich gibt's da einen Spieler, den man zurückholen sollte - und das ist Mats Hummels", sagte Hamann bei Sky. Der BVB-Profi sei "ein absoluter Leader", der die Mannschaft führen könne. "Ab und zu habe ich das Gefühl, hinten sind sie etwas hilflos, und da würde mit Sicherheit Hummels etwas Ruhe reinbringen", so der Vize-Weltmeister von 2002.

Matthäus bläst ins gleiche Horn. "Mit seiner Routine und seiner Persönlichkeit hilft er der Mannschaft", sagte Matthäus. Hummels spiele stabil und habe "eine andere Spieleröffnung, die der Mannschaft gut tut". Der Rekord-Nationalspieler forderte außerdem ein Comeback des ebenfalls von Löw aufs Altenteil geschobenen Thomas Müller.

"Loddars" einleuchtende Begründung: "Die Besten sollen spielen." Der Bayern-Star sei ein "guter Teamspieler", habe Einfluss auf die Mitspieler und sei außerdem "perfekt für das frühe Pressing".

ARCHIV - 04.09.2018, Bayern, München: Bundestrainer Joachim Löw (l) und Mats Hummels während des Trainings der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Campus-Gelände des FC Bayern München. Der Druck auf Fußball-Bundestrainer Joachim Löw wächst.
Nach der WM 2018 sortierte Joachim Löw den langjährigen Abwehrchef Mats Hummels aus der DFB-Defensive aus
© dpa, Peter Kneffel, kne gfh

Flick: Löws Pflicht "Dinge auszuprobieren"

Ob Löw auf die Experten hört, ist allerding fraglich. Der Weltmeister-Macher lässt sich ungern in seine Personal-Entscheidungen hereinreden.

In der Diskussion um den Zustand der Nationalmannschaft sprang Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick dem Bundestrainer zur Seite.

"Ich finde das, was gerade aktuell passiert, schon sehr, sehr übertrieben. Jogi hat einen sensationellen Job gemacht als Bundestrainer", sagte Flick. Der langjährige Assistent von Löw, mit dem er 2014 zusammen Weltmeister geworden war, wunderte sich über einige der kritische Stimmen.

Es seien manche Experten dabei, "die schon seit 25, 30 Jahren gar keinen Ball mehr an den Füßen hatten", sagte Flick. Er erinnere sich noch an die aktive Zeit einiger Experten, die sich als Spieler über die Kritik der damaligen Experten aufgeregt hätten. "Und schwuppdiwupp, ist man selber auf der Seite und haut selber das eine oder andere Ding raus. Das tut dem deutschen Fußball und der Sache nicht unbedingt gut", so der 55-Jährige.

Neben Matthäus und Hamann hatten sich zuletzt auch Olaf Thon, Bastian Schweinsteiger und Berti Vogts kritisch geäußert. "Man muss ein bisschen zurück gehen und ein bisschen Schärfe rausnehmen", forderte Flick. "Wir müssen gucken, dass wir sachlich bleiben und gemeinsam an die Dinge rangehen."

Er selbst erinnerte sich an Zeiten im Nationalteam, an denen er "auch schon solche Momente" erlebt habe, sagte Flick. "Es ist auch die Pflicht eines Nationaltrainers, Dinge auszuprobieren." Die Trainingseinheiten würden nicht nur den Clubs fehlen, sondern ebenfalls den Nationalmannschaften.

RTL.de/dpa