Kritik um neues Militärflugzeug von Lego

Deutsche Friedensgesellschaft: Wer dieses Spielzeug kauft, unterstützt Waffenhersteller

LEGO Figur in XXL
LEGO Figur in XXL
© RTL, Bergholz, Cathleen [infoNetwork]

02. Dezember 2020 - 13:31 Uhr

Erstes Militärset von Lego sorgt für Aufregung

Kinderaugen werden vermutlich strahlen, Elternherzen hingegen rasen vor Wut, wenn sie das neueste Flugzeug von Lego im Spielzeugladen sehen: die Lego Technic 42113 Bell-Boeing V-22 Osprey. Denn die V-22 Osprey ist ein Militärflugzeug. Wer es kauft, ermöglicht seinen Kindern nicht nur den Zugang zu einem Kriegsspielzeug, sondern unterstützt nach Angaben der Deutschen Friedensgesellschaft auch die Waffenindustrie. Menschengroße Lego-Figuren in Tarnkleidung wollen die Einführung des Spielzeugs deshalb stoppen.

Afghanistan oder Irak: Militärflugzeug ist bei der US Armee im Einsatz

Lego gilt seit fast 70 Jahren als einer der führenden Spielzeughersteller weltweit und möchte mit seinen Steinen die Welt der Kinder positiv beeinflussen. Das kann der interessierte Käufer zumindest auf der Homepage des Unternehmens lesen und hinterlässt bei Eltern ein gutes Gefühl. Nachvollziehbar ist dann auch Legos Grundsatz, keine modernen Militärmodelle herzustellen. Ein Grundsatz, den sie nun zu brechen scheinen. Denn das neue Militärflugzeug, das ab 1.8. im Handel zu finden sein soll, ist ein militärisches Transportflugzeug, das bei der US Armee im Einsatz ist, u.a. in Afghanistan, dem Irak, Mali und im Jemen.

Deutsche Friedensgesellschaft klagt an: Rüstungskonzerne sind keine geeigneten Kooperationspartner für einen Spielzeughersteller

Wer eines dieser Kinderflugzeuge kauft, beeinflusst nicht nur seine Kinder (negativ) sondern unterstützt damit auch die Rüstungsindustrie, warnt die Deutsche Friedensgesellschaft. Sie geht davon aus, dass durch jeden Kauf Lizenzgebühren erhoben werden. Im Klartext heiße das: Wer das neue Set kauft, finanziert auch Waffenhersteller mit.

Die Deutsche Friedensgesellschaft gibt an, sie habe bereits seit Anfang des Jahres Lego mehrfach angeschrieben, Fragen gestellt und um Gespräche über das neue Set und ihre Kooperation mit Rüstungsfirmen gebeten. Sie haben aber nie eine Reaktion erhalten.

Deshalb gehen Aktivisten der Deutschen Friedensgesellschaft jetzt mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Straße: Ein als Lego-Figur in Tarnkleidung verkleideter Aktivist soll mit einer großen Nachbildung eines Lego-Gewehrs auf ein etwa 90 cm hohes, aus etwa 5.000 bunten Lego-Steinen bestehendes Peace-Zeichen zielen. Die Aktivisten hoffen, Lego so aufzurütteln und die Zusammenarbeit mit den Rüstungsfirmen zu beenden.

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Lego will Einführung des Spielzeugs überprüfen

Auch RTL hakt bei Lego nach und bittet um Stellungnahme. Das Unternehmen zeigt sich einsichtig und schreibt: "Wir verfolgen bereits seit Langem den Grundsatz, keine Sets mit Militärfahrzeugen zu gestalten. In diesem Fall haben wir uns nicht strikt an unsere eigenen Richtlinien und hohen Standards gehalten." Der Konzern verspricht abschließend, die Pläne zur Einführung des Produkts am 1. August zu überprüfen. Auf der Homepage von Lego ist das Militärspielzeug bereits nicht mehr zu finden.