Wirtschaft erholt sich

Deutsche Exporte mit stärkstem Wachstum seit 1990

Deutsche Exporte mit stärkstem Wachstum seit 1990
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07. August 2020 - 10:58 Uhr

Erholung nach Corona-Absturz

Es geht aufwärts mit der deutschen Wirtschaft - nach einem historischen Absturz als Folge des Corona-Lockdowns legen die Exporte im Juni so rasant zu wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Allerdings: In absoluten Zahlen betrachtet erreichen die Ausfuhren noch längst nicht das Vorkrisenniveau.

Die Zeichen mehren sich, dass sich die deutsche Wirtschaft gut von dem Corona-Schock des Frühjahrs erholt. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte bereits mit, dass die Bestellungen in der heimischen Industrie im Juni um 27,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen sind. Und auch die neuen Exportzahlen aus dem Juni deuten darauf hin. Im Vergleich zum Mai stiegen sie um 14,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von gut 14,4 Prozent gerechnet. Das ist der stärkste Anstieg seit dem Beginn der Zeitreihe 1990 - allerdings war auch der Absturz wegen der Corona-bedingten Beschränkungen historisch gewesen. Auch die Produktion in der Industrie kletterte kräftig.

Der rasante Zuwachs erfolgte daher also von niedrigem Niveau aus. Das zeigt auch der Vergleich zum Vorjahr: Im Juni 2019 exportierte Deutschland noch deutlich mehr Waren und Güter - im Juni 2020 fallen die Ausfuhren im Wert von 96,1 Milliarden Euro im Vergleich fast ein Zehntel geringer aus als vor einem Jahr und liegen sogar 16 Prozent unter dem im Februar 2020 erreichten Vorkrisenniveau.

Positive Signale aus der Industrie

Die Importe stiegen zum Vormonat um 7,0 Prozent, blieben aber mit 80,0 Milliarden Euro um zehn Prozent ebenfalls stark hinter dem Vorjahr zurück. Die gesamte Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 Prozent voraus und damit den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit.

Die Exporte werden nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wegen der Virus-Pandemie 2020 um 15 Prozent schrumpfen. Während die Exporte nach China im Juni binnen Jahresfrist um 15,4 Prozent stiegen, sanken die Ausfuhren in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen USA um fast 21 Prozent. Die Großbritannien-Exporte brachen um knapp 16 Prozent ein.

In der Industrie gab es jedoch erneut positive Signale. Die Betriebe stellten im Juni laut Statistikamt 11,1 Prozent mehr her als im Vormonat. Die gesamte Produktion - also Industrie, Bau und Energieversorger zusammen - kletterte um 8,9 Prozent und damit etwas stärker als von Experten mit 8,1 Prozent erwartet.

Zuversicht in der Industrie wächst

In der Hoffnung auf ein Abflauen der Corona-Krise rechnen die deutschen Industriebetriebe einer Umfrage des Ifo-Instituts zufolge in den kommenden drei Monaten mit einer weiteren Zunahme ihrer Produktion. Die Stimmung in der Branche hellte sich demnach im Juli den dritten Monat in Folge auf. Der Ifo-Produktionsindikator stieg auf plus 14,7 Punkte, nach plus 4,4 im Juni, wie aus der Erhebung der Münchner Wirtschaftsforscher hervorging.

"Die Industrie arbeitet sich weiter aus ihrem Produktionstal", sagt der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Demnach plant die Autoindustrie die Produktion nur geringfügig auszuweiten: Der Index stieg leicht auf 51 Punkte, von 49 im Juni. Die Getränkehersteller und die Pharma-Unternehmen planen eine deutlichere Steigerung. Auch in der Chemiebranche und bei den Nahrungsmittelherstellern haben sich die Erwartungen verbessert.

In anderen Branchen haben sich die Erwartungen dagegen eingetrübt: Bei den Herstellern von Möbeln, von Gummi- und Kunststoffwaren, von Druckerzeugnissen sowie von Leder, Lederwaren und Schuhen fiel der Index. Die Maschinenbauer bleiben pessimistisch gestimmt. Der Index blieb negativ, stieg aber auf minus 12 Punkte, von minus 25 im Juni. Auch die Metallerzeuger und -bearbeiter bleiben zurückhaltend, der Index stieg im Juli auf minus 9 Punkte, nach minus 22 im Juni.

Quelle: RTL.de / DPA / Reuters