Deutsche Bahn weigerte sich, Werbeplakat mit homosexuellem Mann aufhängen zu lassen

Deutsche Bahn verurteilt Werbeplakat mit homosexuellem Mann
Eigentlich sollte dieses Plakat auch an den Bahnhöfen mehrerer Großstädte wie Köln, Frankfurt oder Bremen für die Ausstellung 'Homosexualität_en' werben, doch die Deutsche Bahn war dagegen.

Auf Sexualität "reduziert"

Prüde, prüder, Deutsche Bahn? Dem Konzern ging ein Plakat, das für die Ausstellung 'Homosexualität_en' in Münster wirbt, entschieden zu weit. Darauf ist ein homosexueller Mann mit tiefrot geschminkten Mund, sorgsam gescheitelten Haaren und nacktem Oberkörper zu sehen. Bis auf seine weiße Unterhose trägt er nichts an seinem gestählten Körper. Auf dem Plakat des kanadischen Künstlers Heather Cassils posiert der homosexuelle Mann statuenhaft wie ein griechischer Gott. Doch an dem Spiel mit der Sexualität stieß sich die Deutsche Bahn so stark, dass sie sich weigerte es an Regionalbahnhöfen aufhängen zu lassen.

Diese Entscheidung rechtfertigte die Deutsche Bahn mit der Begründung, dass das Plakat ihren Werberichtlinien widerspräche. So weise das Bild mit dem homosexuellen Mann einen "pornografischen Charakter" auf, da es diesen auf seine "Sexualität reduziere." Diesen Vorwurf wollte das Museum für Kunst und Kultur nicht auf sich sitzen lassen. Die Kuratoren holten zum verbalen Gegenschlag aus und bezichtigten die Deutsche Bahn, doppelmoralisch zu agieren:

Kein generelles Problem mit Nacktheit

Ein Werbeplakat von Dolce & Gabbana
Viele Kritiker bemängeln auch die Werbung von großen Luxus-Designern wie 'Dolce & Gabbana', weil die Frau darin als willenloses, sexuelles Spielzeug in Szene gesetzt wird (Bildquelle: Pinkstinks).

"Interessant ist, dass die Deutsche Bahn generell kein Problem damit hat, körperbetonte Werbung – mit Nacktheit – mit heteronormativen Menschen zu zeigen. Das Bild, das offensichtlich heterosexuelle Normen in Frage stellt, wird dagegen 'zensiert' und als der Öffentlichkeit nicht zumutbar eingestuft", betonten die Kuratoren in einer Pressemitteilung.

Nachdem die Deutsche Bahn von mehreren Seiten harte Kritik erntete, entschied sie sich um. "Der Konzern hat nochmal mit dem Landesmuseum gesprochen und dann entschieden, dass die Bedenken zurückgestellt werden", verkündete ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Es ist aber noch nicht klar, wann die Fahrgäste den schwulen Mann an den Bahnhöfen auf Werbeplakaten erblicken werden.