Deutsche Bahn braucht milliardenschwere Corona-Hilfen

Werden unsere Bahn-Tickets jetzt teurer?

Schon vor einem Monat vermeldete die Deutsche Bahn, dass die Auslastung der Züge massiv eingebrochen ist.
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11. Mai 2020 - 14:07 Uhr

Auslastung bei der Bahn massiv eingebrochen

Die Bundesregierung hat zum Beginn der Corona-Pandemie dazu aufgerufen, möglichst auf unnötige Reisen zu verzichten. Schon vor einem Monat vermeldete die Deutsche Bahn, dass die Auslastung der Züge massiv eingebrochen sei. Und das macht sich nun auch in der Kasse bemerkbar. Die Bahn rechnet durch die Corona-Krise in den kommenden vier Jahren mit einem Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe. Doch was bedeutet das für den Bahnfahrer?

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Die Bahnen fahren, aber niemand fährt mit

Leere Bahnsteige, leere Züge. Wer in den letzten Wochen mit dem ICE unterwegs war, hatte teils ganze Waggons für sich allein. Die Zahl der Fahrgäste im Personenverkehr ist wegen der Coronakrise massiv eingebrochen. Im April lag das Reiseaufkommen im Fernverkehr nur noch bei zehn bis 15 Prozent. Und das wirkt sich auch auf die Einnahmen aus. Keine Fahrgäste, keine Ticketverkäufe.

Ein aktueller Bericht der Funke Mediengruppe nennt jetzt genaue Zahlen. Demnach rechnet die Deutsche Bahn bis 2024 im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 13,5 Milliarden Euro. Und der Bund will offenbar mit Milliarden einspringen. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein Konzept, das die Bahn mit dem Finanzministerium und dem Verkehrsministerium ausgearbeitet habe. Die Deutsche Bahn wollte dies auf RTL-Anfrage nicht kommentieren und verwies auf die Sitzung des Aufsichtsrates kommenden Freitag.

Das ist ein fatales Signal, so der Verkehrsclub

Natürlich sei das erst einmal nur ein Konzept und noch nicht beschlossene Sache. Dennoch, sollte es so kommen, sieht der Verkehrsclub Deutschland das Fahrplanangebot und die Preise der Tickets in Gefahr. "Die Einsparungen könnten zu Preiserhöhungen und einem eingeschränkten Fahrplan führen", so Philipp Kosok vom Verkehrsclub Deutschland e.V..

Beides sei ein fatales Signal. Gerade in Zeiten des Klimawandels sei ein Ausbau des Angebotes und bezahlbare Preise wichtig. Kritisch sieht er, dass die Bahn im Gegenzug massive Einsparungen im eigenen Betrieb vornehmen solle. Dazu zählen laut Medienbericht unter anderem auch Kürzungen beim Personal und bei Sachkosten.

Alles auf Anfang

Das laufe der Politik entgegen, die man jetzt endlich eingeschlagen habe, so Kosok. Endlich habe man angefangen, mehr Personal zu suchen, das Bahnnetz auszubauen und auf Wachstum zu setzen. Das sei lange überfällig gewesen. Aber das würde mit geplanten Einsparungen nun über den Haufen geworfen. "Ich hoffe, dass die Bundesregierung in sich geht und davon absieht", sagt Kosok.

Eine positive Folge hat die derzeitige Situation der Deutschen Bahn allerdings: Die Züge kommen pünktlicher ans Ziel, vermeldet die Bahn.

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