Deutsche Ärztin berichtet aus Italien

Alltag im Corona-Sperrgebiet: Wer raus will, braucht jetzt einen triftigen Grund

10. März 2020 - 21:49 Uhr

Italienische Regierung ergreift drastische Maßnahmen

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat die italienische Regierung das ganze Land zur Sperrzone erklärt. Die deutsche Ärztin Judith Bildau lebt und arbeitet in Italien. Sie spürt nun am eigenen Leib, wie es ist, wie sich der Alltag im Corona-Risikogebiet verändert. Im Video erzählt sie, was sie und ihre Familienmitglieder jetzt beachten müssen.

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Judith Bildau und ihre Familie haben sich in die Toskana zurückgezogen

Normalerweise lebt Bildau in Rom. Nachdem klar war, dass alle Schulen im Land bis mindestens Anfang April geschlossen bleiben, zog sie mit ihrer Familie in die Toskana, wo sie ein kleines Haus besitzen. Bildau kommt vor dort aus schneller zur Arbeit, außerdem könne sich die Familie auf dem Land besser zurückziehen, als in der Großstadt, erklärt sie in einer Videobotschaft, die sie an RTL schickte. Die Regierung hofft, durch die drastischen Maßnahmen die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Das öffentliche Leben ist mehr oder weniger lahmgelegt. Wer das Haus verlassen will, brauche jetzt einen triftigen Grund oder ein Zertifikat für sein Auto erklärt die Ärztin. "Die Leute ziehen sich alle zurück in ihre Häuser", erklärt sie. Die Menschen vor Ort würden nur noch in erlaubten Ausnahmesituationen ihre Wohnungen verlassen. Wer gegen die Regeln verstößt, muss mit hohen Strafen rechnen.

Supermarkt in Italien
Im Supermarkt dürfen jetzt nur noch einen begrenzte Anzahl Menschen gleichzeitig einkaufen.
© REUTERS, YARA NARDI, RAF/KFM

Beim Einkaufen gelten strenge Regeln

Zum Beispiel zum Einkaufen. Doch auch dabei gibt es strenge Regeln, wie die Ärztin berichtet. Pro Familie darf immer nur eine Person in den Supermarkt kommen. Und es darf auch immer nur eine begrenzte Anzahl von Menschen gleichzeitig in den Supermarkt hinein. Am Eingang müssen sich alle die Hände desinfizieren, um zu verhindern, dass sich Viren ausbreiten.

Bildau hat eine gynäkologische Praxis in Sorano (Toskana) – die muss vorerst geschlossen bleiben. Außerdem arbeitet sie in einem Krankenhaus im etwa neun Kilometer entfernten Pitigliano. Auch dort läuft jetzt einiges anders. "In Krankenhäusern ist der normale Patientenkontakt quasi lahmgelegt, nur noch die Notaufnahme steht zur Verfügung", erklärt Bildau. Sie sieht ihre Patienten nur noch, wenn dringende Untersuchungen durchgeführt werden müssen, oder wenn es sich um Notfälle handelt. "Und das wird wohl auch die nächsten Wochen so bleiben".

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Wer sein Haus verlässt braucht dafür eine Ausnahmegenehmigung oder einen triftigen Grund.
© REUTERS, FLAVIO LO SCALZO, MMA/KFM

„Ausharren und den Dingen positiv entgegenblicken“

Ihre Töchter lernen jetzt nicht mehr in der Schule, sondern zuhause. Die Lehrer versorgen die Mädchen online mit Aufgaben und Lehrvideos. "Angst vor dem Virus habe ich nicht", sagt die Ärztin in ihrer Videobotschaft. Bei einer ihrer Töchter arbeite das Immunsystem aber nicht richtig. "Da passe ich natürlich besonders gut auf", sagt Bildau. "Das ist was wir jetzt tun können: Ausharren und den Dingen positiv entgegenblicken."

Die Bundesregierung rät von allen nicht erforderlichen Reisen nach Italien ab. Das Robert-Koch-Institut stuft ganz Italien als Corona-Risikogebiet ein. Inzwischen sind im ganzen Land mehr als 10.000 Menschen mit dem Virus infiziert – 631 starben (Stand: 10. März, 18:40 Uhr). Experten zufolge dürfte es aber eine hohe Dunkelziffer geben, weil sich viele unbemerkt angesteckt haben könnten.