Bringt ein Drogen-Trip die Heilung?

Deutsche Ärzte wollen Psycho-Pilze gegen Depressionen testen

Können psychoaktive Pilze bei der Bekämpfung von Depressionen helfen?
© RTL, RTL interactive, RTL-Grafik

15. Februar 2020 - 16:36 Uhr

Pilze mit halluzinogener Wirkung

In den Niederlanden ist ihre Benutzung legal, in Deutschland fallen sie unter das Betäubungsmittelgesetz. Besitz und Erwerb sind verboten. Da sie aber in der Natur wachsen, machen sich auch heute noch Menschen auf, um sie zu suchen, zu ernten und zu konsumieren. Die Rede ist von den sogenannten Magic Mushrooms - den magischen Pilzsorten. Sie enthalten die psychedelisch wirkenden Substanzen Psilocybin und Psilocin und rufen Halluzinationen hervor. Deutsche Ärzte wollen bewusstseinsverändernde Substanzen jetzt zur Behandlung psychisch Kranker testen. Das berichtet "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe.

Test mit 144 therapieresistenten Patienten

Populär wurden psychoaktive Pilze in den 1960er Jahren, angeregt durch einen Artikel des US-Magazins "Life", der ihre Wirkweise beschrieb. Seitdem sind sie, auch weil sie frei verfügbar in der Natur vorkommen, nie ganz aus der Mode gekommen. Wesentlich bekannter wurde allerdings Lysergsäurediethylamid, auch als LSD bekannt. Auch LSD wurde bis Anfang der 1970er Jahre in anderen Ländern teilweise psychotherapeutisch eingesetzt.

Jetzt sollen am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim und an der Charité Berlin bei 144 Patienten mit therapieresistenter Depressionen mit dem Einsatz magischer Pilzen experimentiert werden. Die Psychiater hoffen, dass Psilocybin den Patienten helfen kann, ihre Depression zu überwinden. Es wird der erste derartige Versuch in Deutschland sein, so das Nachrichtenmagazin in einer Vorabmeldung.

Die Zauberpilze machen nicht süchtig

Auch in der Schweiz, in England und den USA werden die Zauberpilze zur Linderung von Todesangst, zur Überwindung von Alkoholsucht und zur Behandlung von Depressiven getestet. Psilocybin und LSD gelten nicht als abhängig machend. "Anders als suchterzeugende Drogen sprechen diese Substanzen nicht das Belohnungssystem im Gehirn an", so einer der Studienleiter. Allerdings kann es zu sogenannten Horrortrips kommen: Panikattacken, die sogar zu nachhaltigen Psychosen führen. Aus diesem Grund wird die Behandlung der Patienten psychotherapeutisch beaufsichtigt.

Was ist eine Depression?

Hinter dem Begriff Depression steckt eine psychische Erkrankung, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigt und sich auf viele Lebensbereiche auswirkt. Angefangen von den eigenen Gefühlen über den Körper bis hin zu den zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es zu zahlreichen Beeinträchtigungen, mit denen die Betroffenen umgehen müssen. Mehr Informationen in unserem Video!