Deutlich weniger Verbrechen in Deutschland - aber viele Menschen fühlen sich trotzdem nicht sicherer

Stärkster Rückgang seit fast 25 Jahren

In Deutschland sind 2017 fast zehn Prozent weniger Verbrechen erfasst worden als im Vorjahr - das berichtet die 'Welt am Sonntag' und beruft sich auf die noch unveröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Einen derart starken Rückgang bei der Kriminalität habe es seit fast 25 Jahren nicht gegeben.

Statistik wird unterschiedlich interpretiert

Zwei Schüler prügeln sich am Mittwoch (26.11.2008) auf dem Schulhof des Gymnasiums in Leichlingen (Illustration). Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Report+++
Die Gewalt an Schulen hat deutlich zugenommen.
picture-alliance/ dpa, Oliver Berg

Die Statistik wird unterschiedlich interpretiert. Die Bundesregierung sieht es so: "Es gibt einen klaren Trend, dass die Straftaten und die Gewalttaten rückläufig sind", erklärt Stephan Mayer (CSU), Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

Allerdings liegt mehr als die Hälfte des Rückgangs aller Straftaten - 300.000 - an der geringeren Zuwanderung: Es gab nämlich weniger Anzeigen wegen illegaler Einreise und unerlaubten Aufenthalts. "Unsere Gesellschaft hat sich wieder stabilisiert nach dem Schock der riesigen Zuwanderung von Flüchtlingen. Deren Betreuung hat wesentlich besser funktioniert. Sie fallen nicht mehr übereinander her. Das war ja am Anfang das große Problemm, dass in den Flüchtlingsunterkünften die Feinde aufeinandergetroffen sind", sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer.

Auf der anderen Seite gibt es deutlich mehr Gewalt an Schulen. Und auch wenn die reine Zahl der Gewalttaten leicht zurückgegangen ist, hat sich das Ausmaß der Gewalt verschlimmert. Das führt dazu, dass Deutschland auf dem Papier vielleicht sicherer scheint - viele Menschen sich in ihrem Alltag aber nicht sicherer fühlen.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, warnt vor "voreiligen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Sicherheitslage", sagte er der 'WamS'. Die offizielle Statistik will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am 8. Mai in Berlin vorstellen.

Frankfurt am Main ist am gefährlichsten, München die sicherste Stadt

ARCHIV - ILLUSTRATION - 10.04.2015, Hessen, Frankfurt: Ein Mann demonstriert in der polizeilichen Beratungsstelle, wie einfach es für einen Einbrecher wäre, mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen. (zu
Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche (Symbolfoto).
fru rho csa sja dna skm cgt lof, dpa, Frank Rumpenhorst

5,76 Millionen Straftaten gab es insgesamt - im Vergleich zu 2016 eine Abnahme um 9,6 Prozent oder rund 611.000 Taten. Etwa ein Drittel aller Verbrechen geht aus das Konto der Diebstahlsdelikte. Bei der Gewaltkriminalität gibt es einen Rückgang um 2,4 Prozent auf rund 189.000 Fälle. Schon bekannt war, dass die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche in Deutschland 2017 um mehr als ein Fünftel zurückgegangen ist.

Im Städte-Ranking liegt Frankfurt am Main vorn. Dort wurden im vergangenen Jahr mit 14.864 Straftaten pro 100.000 Einwohner die meisten erfasst. Dahinter folgen Hannover (14.616) und Berlin (14.558). Die sicherste Stadt der Republik bleibt wie schon in den Vorjahren München mit 6.627 registrierten Straftaten vor Augsburg mit 7.217.