Urteil seiner ersten Haftstrafe

Deswegen saß der Dresdner Messerstecher Abdullah A. H. H. im Gefängnis

Abdullah A. H. H. ist bereits einschlägig vorbestraft. Er soll in Dresden zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben, einer von ihnen starb.
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23. Oktober 2020 - 12:42 Uhr

Schon direkt nach seiner Ankunft immer wieder Ärger

Die Ermittler sind sicher: Abdullah A. H. H. hat am Abend des 4. Oktober zwei Männer mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Ein 55-Jähriger starb im Krankenhaus, ein 53-Jähriger aus Köln überlebte. Der mutmaßliche Täter ist kein unbeschriebenes Blatt, er war erst wenige Tage vor seiner Attacke aus dem Gefängnis entlassen worden. RTL liegen das Urteil und die Begründung vor, 18 Din-A-4-Seiten.

"Du hast eine große Klappe und ich werde deine Zunge abschneiden, du Christ"

Dresden
Schreiben des Oberlandesgerichtes Dresden

Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte ihn nach sieben nicht-öffentlichen Verhandlungstagen zu einer "Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten." In der Urteilsschrift heißt es: Der Angeklagte A. H. ist

  • schuldig des Werbens um Mitglieder oder Unterstützer für eine terroristische Vereinigung im Ausland,
  • des Sich-Verschaffens einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, des öffentlichen Verwendens von Kennzeichen eines verbotenen Vereins,
  • der Körperverletzung,
  • der Bedrohung,
  • des Erschleichens von Leistungen,
  • der Sachbeschädigung sowie des Hausfriedensbruchs."

Einem Kontrahenten schlug er „ohne rechtfertigenden Grund mit der flachen Hand kraftvoll ins Gesicht“

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Mit diesem Messer soll Abdullah A. H. H. zwei Männer verletzut haben, einer der beiden starb später.
© dpa, Roland Halkasch, roland halkasch dna

Weiter ist zu erfahren, dass Abdullah A. H. H. am 10. Januar 2000 in Syrien geboren und im Oktober 2015 als "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling" über die Balkanroute nach Deutschland gekommen ist. Er lebte in einer Gemeinschaftsunterkunft auf engem Raum mit anderen Minderjährigen. Diese stammten überwiegend aus dem ""Nahen Osten", Afghanistan und Nordafrika, was untereinander immer wieder zu Konflikten führte".

Besonders mit einem Christen namens M.A. gab es laut der Schrift immer wieder Streit. Abdullah A. H. H. habe sich von ihm wegen "herabsetzender Äußerungen" über seine Mutter, seine Schwestern und den Propheten Mohammed verletzt gefühlt. Deswegen habe er M. A. am Silvesterabend 2015 "ohne rechtfertigenden Grund mit der flachen Hand kraftvoll ins Gesicht" geschlagen.

Er radikalisierte „seine Ansichten seit Ende November 2016 zusehends“

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Nach tödlicher Messerattacke - Verdacht islamistischer Tat
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Am Tag darauf drohte Abdullah A. H. H. seinem Widersacher per Whatsapp: "Du wirst heute sehen, was dir passiert, du Hurensohn. Ich schlachte dich heute. Du weißt ja gar nicht, mit wem du spielst. Du hast eine große Klappe und ich werde deine Zunge abschneiden, du Christ. Und wenn ich zu hundert Jahren verurteilt werde, werde ich dir zeigen, wer wir sind."

Weiter werden Vergehen wie Schwarzfahren, Sachbeschädigung und "zahlreiche Auseinandersetzungen im Wohnheim" aufgeführt. Den Ausführungen zufolge, radikalisierte Abdullah A. H. H. "seine Ansichten seit Ende November 2016 zusehends." Er stellte eine schwarze Jihad-Flagge in sein Profilbild, teilte radikal-islamische Videos. Später verschwand die Jihad-Flagge aus dem Profil und wurde durch das Logo des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) ersetzt.

LKA Sachsen stufte ihn als "Gefährder" ein

"In seinen Chats erwog der Angeklagte neben der Möglichkeit einer Ausreise nach Syrien mit dem Ziel eines Anschlusses an den "IS" in dessen aktuellem Herrschaftsgebiet vor allem die Begehung eines Anschlags für den "IS" in Deutschland", heißt es. Er bemühte sich demnach auch um "Bauanleitungen zur Herstellung eines Sprengstoffgürtels sowie von Instruktionen zu dessen Verwendung."

Abdullah A. H. H. verbreitete Hass-Videos, Hetz-Schriften und versuchte andere, von den Idealen des sogenannten "IS" zu überzeugen.  Dabei beging er eine Reihe von Straftaten. Wie die Urteilsbegründung weiter ausführt, wusste er, dass er mit seinen Taten gegen geltendes Recht verstößt und das er für Ziele einer in Deutschland verbotenen Organisation eintritt.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde Abdullah A. H. H.nicht überwacht, obwohl hin das Landeskriminalamt Sachsen ihn als "Gefährder" eingestuft hatte. An seinem fünften Tag in Freiheit beging er die Messerattacke, die einen Mann das Leben kostete.

Video: RTL-Terrorismus-Experte Michael Ortmann schätzt den Fall ein