RTL News>

Desertifikation: Wüsten breiten sich immer weiter aus - welche Länder sind besonders betroffen?

"Grüne Mauer" in der Sahelzone

Weltweite Wüstenbildung – bald auch vor unserer Tür?

Weltweite Wüstenbildung – bald auch vor unserer Tür? "Grüne Mauer" in der Sahelzone
01:03 min
"Grüne Mauer" in der Sahelzone
Weltweite Wüstenbildung – bald auch vor unserer Tür?

1 weitere Videos

von Christian Häckl und Silvia Soyter

Wüsten breiten sich immer weiter aus und kommen uns immer näher – nein, das ist nicht die Geschichte eines neuen Science-Fiction Blockbusters, das ist die Realität. Rund ein Drittel der weltweiten Landflächen sind bereits Trockengebiete und jedes Jahr kommt eine Fläche von der Größe Bayerns dazu.

Im Video oben: Wo genau die „Grüne Mauer“ in Afrika verläuft und wie diese aussieht, zeigt Christian Häckl im ersten Teil des Klima Updates zum Thema Wüstenausbreitung.

Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise

Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Geografische Lage der Sahelzone im Norden Afrikas. Die Sahelzone ist ein Übergangsgebiet, das sich zwischen der Sahara im Norden und der Trockensavanne im Süden erstreckt.
Die Sahelzone ist ein Übergangsgebiet, das sich zwischen der Sahara im Norden und der Trockensavanne im Süden erstreckt.
dpa-infografik

Wüstenausbreitung: Was versteht man unter Desertifikation?

In vielen SciFi-Blockbustern wird unsere Welt in der Zukunft aufgrund des Klimawandels als gigantischer Wüstenplanet dargestellt. Ein Blick auf die fortschreitende Wüstenausbreitung verrät, ganz so abwegig scheint die Film-Zukunft nicht zu sein. Rund ein Drittel der Landflächen weltweit sind Trockengebiete . Wenn in genau diesen Bereichen die natürlichen Ressourcen durch Menschen überbeansprucht werden, breiten sich genau diese Trockengebiete Stück für Stück aus und laufen Gefahr, zu Wüsten zu werden. Das nennt man dann Desertifikation.

Die Ursachen sind vielfältig:

  • Überweidung: Die Nutztiere fressen Pflanzen auf, die Folge – der Boden erodiert und wird lockerer.
  • Hoher Wasserverbrauch (Wasserverschwendung): Es wird übermäßig viel Wasser für Tourismus, die Landwirtschaft und die wachsende Bevölkerung verwendet.
  • Überanspruchung der Böden: Den Böden werden immer mehr Nährstoffe durch falsche Anbautechniken und immer kürzere Brachezeiten entzogen. Das fördert die Erosion und zerstört fruchtbares Ackerland.
  • Abholzung der Wälder: Immer mehr Waldflächen werden abgeholzt oder brandgerodet, um neue Acker- und Wohnflächen zu gewinnen und weil dringend Brenn- und Bauholz gebraucht wird.
Infografik zur Desertifikation. Die fortschreitende Wüstenbildung weltweit hat viele Gründe - die meisten Probleme sind allerdings Menschengemacht.
Die fortschreitende Wüstenbildung weltweit hat viele Gründe - die meisten Probleme sind allerdings Menschengemacht.
GIZ, Klett, Diercke, Aktion Deutschland Hilft, picture alliance

Welche Länder sind von Desertifikation betroffen?

Weltweit klagen Länder über Wassermangel und Dürren - die Folge: Boden verödet. Bereits am 26. Dezember 1996 trat die UN-Konvention gegen die Wüstenbildung in Kraft.
Weltweit klagen Länder über Wassermangel und Dürren - die Folge: Boden verödet. Bereits am 26. Dezember 1996 trat die UN-Konvention gegen die Wüstenbildung in Kraft.
dpa-infografik

Weltweit gilt ein Drittel der Landflächen bereits als Trockengebiete, davon sind rund 70 Prozent gefährdet sich zu Wüsten zu entwickeln. Betroffen sind:

  • Afrika (Sahelzone vom Senegal im Westen über Nigeria, Tschad bis nach Äthiopien im Osten & Südafrika)
  • Zentral- und Südasien
  • Australien
  • Nord- und Südamerika (im Norden weite Teile der USA und Teile Kanadas - im Süden: Argentinien, Chile, und Teile Boliviens und Perus)

Vor allem Entwicklungsländer trifft dieser Prozess hart. Die 50 am wenigsten entwickelten Länder der Welt machen rund zwei Drittel der desertifikationsgefährdeten Landflächen aus.

Das unfruchtbare Land und die schlechten Ernten können zu Hungersnöten führen. Durch fehlende Erträge bricht den Menschen die wirtschaftliche Existenz weg.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Lage in Spanien: Wasservorräte schrumpfen dramatisch

Die Wüste dehnt sich auch in einem der liebsten Urlaubsländer der Deutschen aus: Ein Großteil Spaniens ist trocken. Viele Waldflächen sind dem Bauboom in Urlaubsregionen zum Opfer gefallen. Auch der Gemüseanbau kostet viel rares Wasser. Während früher vor allem ressourcenschonend Trockenfeldbau betrieben wurde, bauen Konzerne nun Salat, Paprika und Zitrusfrüchte im großen Stil an.

Die Wasservorräte schrumpfen dramatisch . Die Provinzen Murcia, Alicante und Almeria im Südosten Spaniens sind am stärksten von der Wüstenausbreitung betroffen. 80 Prozent des spanischen Wasserverbrauchs fließt regelrecht in die Bewässerung der Landwirtschaft.

Terrassenfelder einer Orangenplantage in den Bergen von Alicante in Spanien.
In dieser eher trockenen Zone Südspaniens, erstrahlt es dank massivem Wasserverbrauch grün: Diese Orangenplantage produziert die Früchte, die wir ganzjährig in unseren Supermärkten finden.
Barbara Boensch, picture alliance

Eine Oase in der Wüste: Die Sahelzone kämpft gegen die Desertifikation

Extrem ist die Situation in der westafrikanischen Sahelzone. Seit Mitte der 1960er Jahre gab es in der westafrikanischen Sahelzone zahlreiche Dürreperioden, die zur Folge hatten, dass sich mehrere Staaten in dieser Zone im ‘Permanenten Komitee für Dürrekontrolle im Sahel’ zusammenschlossen.

Mit „Afrikas Grüner Mauer“ planen die Staaten eine Art grüne Linie von West nach Ost zu ziehen. Diese Linie soll mindestens 15 Kilometer breit und insgesamt 7700 Kilometer lang werden. Ein Mix aus nachhaltiger Landwirtschaft und neuen Bäumen, soll der Wüstenbildung Einhalt gebieten und das Land für die Menschen besser bewohn- und nutzbar machen.

Vorbild des Projektes ist Chinas „Grüne Mauer“. Vor allem in Nord-China leiden die Böden unter Überweidung und Übernutzung, da sie immer mehr Menschen ernähren müssen. Die Landeshauptstadt Peking erlebt immer häufiger Sandstürme, die den Bewohnern kaum Luft zum atmen lassen. 1978 wurde das Projekt „Grüne Mauer“ geschaffen, das durch massive Aufforstung die Wüstenausbreitung verhindern soll.

Menschen pflanzen Bäume am Stadtrand von Khartoum, Sudan, 12. Januar 2017. Die Behörden des sudanesischen Staates Khartum haben mit der Pflanzung von rund 1.000 Bäumen im Rahmen des Grüngürtelprojekts des Staates begonnen, das Teil der Großen Grünen
Mit jedem Baum kommen sie ihrem Ziel ein Stück näher: Entlang der Sahelzone sollen Bäume die Wüstenbildung stoppen.
picture alliance

Was können wir tun, um die Wüstenbildung aufzuhalten?

Auch wenn Deutschland nicht direkt von der Wüstenausbreitung betroffen ist: Unser Konsumverhalten hat Auswirkungen auf den Wasserverbrauch und die Beanspruchung der Böden in den betroffenen Ländern. So wird für die Produktion von Baumwoll-T-Shirts Unmengen von Wasser verbraucht. Diese Baumwolle wächst allerdings in eher trockenen Gebieten. Wasser, das in die T-Shirt Produktion fließt, fehlt somit an anderer Stelle.

Ebenso kosten die billigen Zitrusfrüchte, die wir ganzjährig aus Spanien beziehen, das Land kostbares Wasser. Um die Länder bei ihrem Kampf gegen Trockenheit zu unterstützen, lohnt es sich also auch hierzulande sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken und die ein oder andere Orange nicht zu kaufen.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter- , Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland .

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android- Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(hha, sso)